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Abrisspläne
Ungehörter Enthusiasmus für Oderberger Hexenhaus

Marco Marschall / 24.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 24.05.2020, 07:42
Oderberg (MOZ) Mats Ciupka (51) hat lehmverschmierte Hände. Er kommt von der Baustelle unterm Dach der Berliner Straße 20 in Oderberg. Das alte Fischerhaus, in dem wir den Zimmermann und die Architektin Kiri Westphal (47) treffen, sollte einst abgerissenen werden.

Nun wird es für den privaten Auftraggeber gesichert und saniert. Drinnen sieht es nach viel Arbeit aus. Für Ciupka ist das Haus bereits gerettet. "Hier mache ich schon einen Haken dran", sagt er. Wenn alle Gewerke gut ineinandergreifen, sei es dieses Jahr oder Anfang 2021 bezugsfertig. "Es sieht schlimmer aus als es ist", sagt Kiri Westphal.

Vorbild für Baukultur

Für die Häuserretter ist die Skepsis anderer nichts neues. Eigentümer würden oft falsch beraten werden. Zu schnell würde einfach abgerissen. Ciupka und Westphal wollen den Erhalt von Baukultur. Aktuell geht es ihnen ums sogenannte Hexenhaus in Oderberg. Vor kurzem haben sie ein Schild an ein Fenster des schlanken Gebäudes in Stadteigentum gleich neben der Schule abgebracht. "Abriss?" heißt es darauf. "Stadt Vorbild für Baukultur" so sie Forderung. Wenn die Stadt schon ihre historischen Häuser abreißen lässt, was ist das für ein Signal an private Eigentümer, fragen Kiri Westphal und Mats Ciupka.

Kaufanfrage blieb unbeantwortet

Im Amtsbereich Britz-Chorin-Oderberg bemühten sich die beiden Häuserretter 2018 um den Klockow-Hof in Niederfinow und zeigten auf einer Tour durch Oderberg schützenswerte Gebäude auf. Seit der MOZ-Berichterstattung über den geplanten Abriss des Hexenhauses in Oderberg ist das kleine Gebäude wieder in ihren Fokus gerückt.

Um es zu sichern, hätten sie 2017 eine Kaufanfrage ans Amt Britz-Chorin-Oderberg geschickt, aber bis heute keine Antwort erhalten. Die Märkische Oderzeitung hat in dieser Woche im Amt nachgefragt, wie mit der Anfrage umgegangen wurde und wie es mit dem Hexenhaus weitergeht. Eine Antwort steht noch aus.

Auf dem Tisch der Stadtverordneten ist das Kaufinteresse der Häuserretter offenbar nie gelandet. Bürgermeisterin Martina Hähnel kennt die Initiative nur vom "Hören-Sagen", erinnert sich nur an eine telefonische Kaufanfrage, die aufgrund der damals unklaren Zukunft der Schule abgelehnt wurde. Dabei handelt es sich laut Kiri Westphal nicht um ihre Anfrage. Gern hätte sie in einem Gremium der Stadt einmal ihre Idee fürs Hexenhaus dargelegt. Dazu ist es nie gekommen. Und es ist  nicht wahrscheinlich, dass das noch passiert.

Teurer Geräteschuppen

Elf von 13 Stadtverordneten seien für den Abriss, meint Martina Hähnel. "Seit zehn Jahren kämpfen wir darum, es abreißen zu dürfen", sagt die Bürgermeisterin. Hintergrund des Vorhabens ist der geplante Abriss der Toilettenbaracke am Schulhof, die Errichtung einer Stützmauer zur Hangsicherung und damit mehr Hoffläche. Im Zuge der Arbeiten sollte das benachbarte Hexenhaus, seitens der unteren Denkmalschutzbehörde zunächst als schützenswert erachtet, ursprünglich gesichert werden.

Es wurde befürchtet, dass es durch den Abriss nebenan weiteren Schaden nimmt. Kosten von 136.000 Euro standen allein dafür im Raum. Erst vor kurzem gab es nun grünes Licht für den Hexenhausabriss. Bürgermeisterin Martina Hähnel und andere hatten die unverhältnismäßigen Sicherungskosten kritisiert. Aus ihrer Sicht gebe es auch keine Verwendung für das Haus, das sie einen "teuren Geräteschuppen" nannte. Die Häuserretter kritisieren fehlende Visionen für den Standort. "Ich schwöre, am Ende wird an gleicher Stelle ein Geräteschuppen aufgestellt", sagt Kiri Westphal.

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