Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Initiative
Neues Bündnis setzt sich für die Wirtschaft in Brandenburg ein

Elf Verbände und Kammern aus Brandenburg und Berlin haben es gegründet. Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, gehört zu den Initiatoren.
Elf Verbände und Kammern aus Brandenburg und Berlin haben es gegründet. Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, gehört zu den Initiatoren. © Foto: Oliver Voigt
Ina Matthes / 24.05.2020, 03:15 Uhr - Aktualisiert 24.05.2020, 07:40
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein neues Bündnis "Pro Wirtschaft" will sich für Ansiedlungen, wirtschaftsfreundliches Klima und ökologischen Ausgleich einsetzen. Elf Verbände und Kammern aus Brandenburg und Berlin haben es gegründet. Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, gehört zu den Initiatoren.

Herr Schülke, ist "Pro Wirtschaft" eine Reaktion auf die Coronakrise?

Nein. Die Gründung war im März geplant, musste aber wegen der Corona-Krise verschoben werden. Es gibt in Brandenburg eine Reihe von Investitionen – von Infrastrukturprojekten bis zu Tesla – gegen die geklagt wird. Wir haben uns gesagt: Alle, die pro Wirtschaft sind, müssen sich zusammentun und gegenhalten. Wir wollen –  in der Öffentlichkeit sichtbar – für die Wirtschaft, für Investitionen sprechen.

Herrscht in Brandenburg ein investorenunfreundliches Klima?

Es gab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der MAZ im Frühjahr, da war die Zustimmung zu Investitionen hoch. Aber wir stellen auch eine Zunahme von Bürgerprotesten fest. Mit dem gewachsenen Wohlstand ist die Haltung kritischer geworden. Viele Menschen sind gegen Veränderungen in ihrem Umfeld. Wir wollen für die Generation nach uns werben. Wir brauchen Investitionen, um die Arbeitsplätze zu ersetzen, die durch einen anhaltenden Strukturwandel und nun auch durch die Pandemie verloren gehen.

Wie dramatisch ist die Situation der Wirtschaft im Land jetzt?

Nach den letzten Schätzungen des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag – d.Red.) werden wir bis Jahresende zehn Prozent der Wirtschaftsleistung verlieren. Das ist gleichbedeutend mit dem Verlust einiger Zehntausend Arbeitsplätze. Wie wir in Brandenburg betroffen sein werden, lässt sich jetzt noch nicht genau sagen. Die Corona-Krise hat aber auch bestehende  Probleme verschärft, beispielsweise im Handel, aber auch in der Industrie. denken Sie nur an den Brief der Bürgermeister der Stahlstandorte.

Sie wollen Ansiedlungen fördern. Welche, wo sehen Sie Chancen?

Wir haben jetzt eine große Chance mit Tesla. Wir haben auch Chancen in der Logistik oder mit der Ansiedlung von Batteriefabriken. Es gibt weitere ernsthafte Anfragen nach Flächen in Zusammenhang mit Tesla. Wir brauchen eine Willkommenskultur für solche Investoren. Und wir müssen auch ständig am Ball bleiben - unter anderem bei der Ausweisung von Gewerbeflächen. Hätte es nicht die Fläche bei Grünheide gegeben, die das Land Tesla anbieten konnte, hätte Brandenburg im Wettbewerb um die Fabrik nicht mitspielen können. Viele Alternativen gab es nicht.

Wie werden die Proteste gegen den US-Konzern in Unternehmerkreisen wahrgenommen?

Sobald Klageverfahren geführt werden, die Investitionen zeitlich oder inhaltlich einschränken, wird das zu einem Problem. Wenn Investoren sehen, dass Tesla wegen Störfeuer deutlich länger braucht oder Entscheidungen zum Nachteil seines Projektes treffen muss, dann werden sie sich überlegen, ob sie in diese Region kommen.

Die Bürgerinitiative in Grünheide demonstriert gegen eine Gefährdung der Wasserversorgung . Können Sie die Sorge nachvollziehen?

Ja, das sind schließlich die Sorgen aller. Auch die künftigen Angestellten von Tesla wollen Trinkwasser aus der Leitung haben. Die Frage ist, ob eine Investition nicht stattfinden kann, weil es ein mögliches Problem gibt. Oder ob man nicht vielmehr alles tun muss, um eine Versorgung für die Menschen im Umland und für das Werk möglich  zu machen. In Berlin leben jetzt einige Hunderttausend Menschen mehr als vor zehn Jahren. Niemand hat je gefordert, den Zuzug zu stoppen, weil sie nicht mit Wasser versorgt werden könnten. Warum sagt man jetzt, das Werk kann nicht gebaut werden, weil wir die Wasserversorgung nicht sichern können? Ich halte das für Hysterie. Zweckverband und Kommunen müssen mit Unterstützung des Landes dafür sorgen, dass Wasser zur Verfügung steht. Ich bin überzeugt: Es wird geschafft werden.

Das Bündnis will sich für einen Ausgleich ökologischer Folgen von Ansiedlungen einsetzen. Wie? Es muss doch bereits Ersatz für Eingriffe in die Natur geschaffen werden.

Was als Ausgleich geschieht, ist für Bürger aber oft nicht sichtbar und glaubhaft nachvollziehbar. Weil der Wald Kilometer entfernt neu gepflanzt wird. Wir müssen mehr Transparenz schaffen.

Was sind nächste Schritte von Pro Wirtschaft?

Wir wollen Kommunikationskanäle aufbauen, Kampagnen entwickeln. Das läuft jetzt an. Die Partner sollen ihre Ideen einbringen. Wir wollen zum Beispiel zeigen, dass mit der Gigafactory von Tesla auch viel Positives verbunden ist – für den Bäcker und das Café in Grünheide oder für die Besitzer von Grundstücken, deren Wert steigt. Das kann Auswirkungen haben bis nach Frankfurt (Oder). Die Stadt hat noch Gewerbeflächen an der Autobahn anzubieten.

Wer macht bisher mit bei Pro Wirtschaft

Die Gründungsmitglieder   sind: BBU Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen;  DEHOGA Deutscher Hotel und Gaststättenverband Brandenburg; Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg; Fuhrgewerbe Innung Berlin Brandenburg; Handelsverband Berlin-Brandenburg; Handwerkskammer Frankfurt (Oder) - Region Ostbrandenburg; Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg; Investor Center Ostbrandenburg; STIC Wirtschaftsfördergesellschaft MOL; Tourismusverband Seenland Oder-Spree; Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB).  ⇥red

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG