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Diskussion über Abriss-Ruine in Strausbergs Innenstadt

Die Überreste stehen noch: Seit dem Abriss der Eckhäuser Große Straße 4/5 vor einem halben Jahr werden Besucher der Strausberger Altstadt unter anderem mit diesem Anblick begrüßt. Hier die Sicht von der Georg-Kurtze-Straße aus.
Die Überreste stehen noch: Seit dem Abriss der Eckhäuser Große Straße 4/5 vor einem halben Jahr werden Besucher der Strausberger Altstadt unter anderem mit diesem Anblick begrüßt. Hier die Sicht von der Georg-Kurtze-Straße aus. © Foto: Martin Stralau/MOZ
Martin Stralau / 12.06.2020, 19:37 Uhr - Aktualisiert 14.06.2020, 13:50
Strausberg (MOZ) Im Strausberger Bauausschuss wurde in dieser Woche da­rüber diskutiert, wie die Abriss-Trümmer am Südeingang der Altstadt in der Großen Straße aus dem Blickfeld der Besucher verschwinden könnten.

Back­unternehmer Dirk Hennig hatte dort vor einem halben Jahr die Eckgebäude Nummer 4/5 abreißen lassen – seither herrscht Ruhe auf dem Grundstück. "Wie lange müssen wir uns als Bürger diese Baustelle noch ansehen?", fragte Sabine Brosch (Linke) Uwe Schieferdecker vom Sanierungsträger Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft. Schieferdecker war eingeladen, um für die von der Stadt geplante Verlängerung der Sanierungssatzung für den Stadtkern Strausberg bis 31. Dezember 2025 zu werben. Die Satzung läuft Ende 2021 aus.

Grundstückstausch mit Stadt

Im Augenblick gebe es die Überlegung, vor dem Grundstück eine Stellwand mit einer von einem Künstler gestalteten Plane zu installieren, die die Baustelle kaschieren könne, sagte Schieferdecker. Das habe es auch zur 775-Jahr-Feier gegeben, als die maroden Gebäude noch standen. Die Verhüllung sei aus Städtebauförder-, also Steuermitteln, bezahlt worden, das wäre dieses Mal auch so, erklärte er auf Nachfrage von Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) zur Finanzierung. "Bei der 775-Jahr-Feier haben wir das bewusst gemacht, das war nicht billig. Aber so ein Jubiläum feiert man auch nicht jedes Jahr", nannte sie ihre Bedenken. "Ich habe da zu viel Respekt vor dem Steuerzahler." Der sachkundige Einwohner Carsten Wenzel (Linke) erinnerte an die finanzielle Eigenverantwortung von Grundstückseigentümer Dirk Hennig, der die Vorbeigehenden zu schützen habe. "Der Bauzaun ist Aufgabe desjenigen, dem das Grundstück gehört. Bei dem, was er dort angerichtet hat, ist eine Plane das Mindeste, um den Schandfleck zu verdecken."

Sabine Brosch wollte noch wissen, ob es Vorgaben gebe, in welchem Zeitraum Dirk Hennig an der Baustelle weiterarbeiten müsse – und ob er bei Verzug gegebenenfalls Fördermittel zurückzahlen müsse. Wenn er die Altbauten erhalten hätte, hätte er Fördermittel bekommen, erklärte Schieferdecker. "Er hat sich aber, durchaus nachvollziehbar, für den Abbruch entschieden", sagte er. "Ich gebe zu, dass es Objekte gibt, an denen ich mich mehr geklammert hätte als an diesen beiden. Fördermittel sind hier nicht geflossen und werden auch nicht fließen", stellte Schieferdecker klar. Zumindest sei nun klar, wie sich das Grundstück neu gestalten werde. Geplant sei ein Flächentausch mit der Stadt. Um den zu schmalen Gehweg vor dem Haus in der Georg-Kurtze-Straße 50 auf der anderen Seite des Grundstückes zu verbreitern, solle Hennig das Gebäude dort ein Stück einrücken. Die verlorene Fläche bekomme er an der Großen Straße zurück, wo sich der Gehweg entsprechend verkleinert.

Für diesen Tausch braucht es einen Beschluss der Stadtverordneten, auf den Hennig ebenso wartet, wie auf eine Erlaubnis, die noch stehenden Mauern abzureißen, wie er gegenüber der MOZ betont. An seinen Plänen für ein Wohn- und Geschäftshaus mit Café halte er fest. "Mein Architekt und ich kommen aber nicht weiter." Anfang Januar habe das Kreisbauamt einen Baustopp verhängt. "Ich soll eine Abrissgenehmigung beantragen, obwohl ich eine gültige habe", sagt er. Ihm liege nur eine mündliche Zusage vor, die Holz- und Schutthaufen beräumen zu können. "Das soll in drei Wochen passieren." Die Idee mit der Plane kenne er nicht.

Bauamtsleiterin Carla Bork sagt, die Genehmigung sei beantragt, aber noch nicht bearbeitet worden. Sie erinnert daran, warum Hennig abreißen musste. "Er hatte von uns im Herbst eine Anordnung zum Abriss, weil Einsturzgefahr bestand. Die Verfügung galt aber nur für bestimmte, definierte Wände." Da Hennig mehr abgerissen habe, sei am 10. Januar eine Ordnungsverfügung auf Baueinstellung ergangen. "Dagegen hat seine Kanzlei am 16. Januar Widerspruch eingelegt", sagt Bork. Dieser sei ebenfalls noch nicht bearbeitet.

Ausschuss für Verlängerung der Sanierungssatzung

Der Bauausschuss hat den Stadtverordneten die Verlängerung der Sanierungssatzung "Stadtkern Strausberg" um vier Jahre bis Ende 2025 einstimmig zur Beschlussfassung empfohlen. Wie in der Vorlage beschrieben ist, gebe es trotz Fortschritten bei der Stadterneuerung "noch erhebliche Substanz- und Funktionsmängel in Gestalt von Brachflächen und Gebäuden mit Sanierungsrückstau. Bei einer Prüfung (...) wurde im Frühjahr 2020 festgestellt, dass bei 46 Vorderhäusern das Sanierungsziel und bei 35 Grundstücken das wesentliche Ziel der Sanierung, die Wiederherstellung des Vorderhauses, nicht erreicht sind." Davon soll mittels Städtebauförderung und steuerlicher Sonderabschreibung so viel wie möglich abgearbeitet werden.⇥mst

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