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Gastronomie
Sterneküche auf dem Wochenmarkt von Eberswalde

Viola Petersson / 16.06.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 17.06.2020, 08:08
Eberswalde (MOZ) Man nehme einen Koch und eine Kommode. Kombiniere beides. Und fertig ist die Kochkommode. Fast. Einiger Zutaten bedarf es natürlich auch. Die gibt’s nebenan. Auf dem Eberswalder Wochenmarkt.

Bei Händlern aus der Region. Genau das ist das Rezept von Simon Ortel, Inhaber der Kochkommode.

Der gebürtige Eberswalder kauft bei den Kollegen ein und zaubert an den zwei Markttagen für die Kundschaft frisch jeweils zwei Mittagsgerichte.

Zur Premiere am Freitag gingen Rindergulasch sowie ein Pilz-/Spargel-Ragout über die Kommode, sprich über die Theke. Für heute kündigt Simon Ortel, der bei einem Sternekoch in Tirol gelernt hat, ein Fischgericht sowie Kaspressknödel für Vegetarier an. Das Rezept für letzteres habe er aus Österreich mitgebracht.

Er habe schon immer gern gekocht, verrät der 22-Jährige und begründet so seine Berufswahl. Nach der Ausbildung im Nachbarland habe es ihn wieder zurück in die Heimat gezogen. Corona-bedingt haben sich hier allerdings Bewerbungen schwierig gestaltet. Wochenlang waren Restaurants bekanntlich geschlossen. So sei, gewissermaßen aus der Not heraus, die Idee der Kochkommode entstanden, erzählt der junge Mann. Ende April habe er das Reisegewerbe angemeldet. Das Konzept: die Kunden überzeugen, dass sich regional kaufen und kochen lohnen. Eines der wichtigsten Ziele der Kochkommode sei es, die Raffinesse, die er auf höchstem Niveau in Tirol gelernt habe, in "einfache" regionale Gerichte zu übersetzen. Die wichtigste Zutat dafür seien die Produkte der Markthändler. Sie seien "meine Lieferanten", etwa die Fleischerei Voigt, der Spargelhof Giese, die Bäckerei Dellinger oder Gartenbau Finow. "Ich bin sehr dankbar, dass diese mir zur Seite stehen und mir meinen Start enorm erleichtern."

"Ich war von Anfang an von dieser Idee begeistert", freut sich Marktleiter Wolfgang Jädick von der Deutschen Marktgilde, dem Betreiber. Die Kochkommode sei eine echte Bereicherung für Eberswalde. "Ich finde das sehr mutig von Simon", wünscht Jädick dem Neuling unter den Akteuren auf dem Markt Erfolg.

Reduzierte Standgebühren

Dass das Konzept des jungen Koches aufgeht, hoffen auch seine Partner, die Händler. Etwa der Spargelhof Giese aus Tempelfelde und die Hohenwutzener Fleischerei Voigt. "Es wäre schön, wenn es angenommen wird", sagt Thomas Voigt, Inhaber der Fleischerei. Auch wenn natürlich nicht jedes seiner Produkte regional sei. Das Fleisch beziehe er überwiegend aus Stralsund. Daneben habe er eine eigene Herde von Galloways. Drei Fahrzeuge seien im Einsatz, die auf Märkten in Berlin und Ostbrandenburg vertreten sind. Das Geschäft laufe gut. Über einen Mangel an Kunden kann sich auch Jürgen Giese in Eberswalde nicht beklagen. Gleichwohl sei die Saison schwierig, sagt seine Frau. Die Gastronomie als Großabnehmer des edlen Gemüses sei komplett weggebrochen. Als weiteres Problem kam das Gewinnen von Erntehelfern hinzu. Weshalb lediglich auf knapp der Hälfte der Anbaufläche Spargel gestochen werde. Um das Wochenende 27./28. Juni endet bei Gieses die Saison, dann geht es nahtlos mit der Getreideernte weiter.

In Zeiten von Corona verzichtet Eberswalde auf die Festmiete für den Wochenmarkt. Infolge dessen zahlen die Händler derzeit eine geringere Standgebühr.

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