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Tagespflege
Zur Wiedereröffnung in Bad Freienwalde gab es Tränen

Alte Rituale: Das Vorlesen der Zeitung gehört bei der DRK-Tagespflege zum festen Tagesablauf. Sowohl Mitarbeiterin Nadine Reyer (rechts) als auch Gerda Falkental (links) und Rosemarie Böttinger haben das gemeinsame Zeitungsstudium neun Wochen vermisst.
Alte Rituale: Das Vorlesen der Zeitung gehört bei der DRK-Tagespflege zum festen Tagesablauf. Sowohl Mitarbeiterin Nadine Reyer (rechts) als auch Gerda Falkental (links) und Rosemarie Böttinger haben das gemeinsame Zeitungsstudium neun Wochen vermisst. © Foto: Jörn Kerckhoff
Jörn Kerckhoff / 16.06.2020, 03:45 Uhr - Aktualisiert 16.06.2020, 14:59
Bad Freienwalde (MOZ) Man musste das Beste daraus machen, aber für alte Leute war es schon schwierig. Ich habe mich sehr gefreut, als der Anruf kam, dass es wieder losgeht." Rosemarie Böttinger drückt das aus, was alle Gäste der DRK-Tagespflege in Bad Freienwalde empfinden. Sie habe mit anderen Rentnern für eine Woche eine Wohngemeinschaft gegründet, aber für jene, die ganz alleine waren, war es schon schwer. Eine Aussage, die die Leiterin der Tagespflege, Ilka Busch, bestätigt. "Hier sind heute morgen sogar Tränen geflossen, als unsere Gäste zum ersten Mal nach neun Wochen wieder zu uns kommen durften", berichtet sie.

Nicht jeder der Gäste der Tagespflege hat die coronabedingte Schließung der Einrichtung so gut verkraftet, wie Rosemarie Böttinger. Einer der Gäste (Name auf Wunsch nicht genannt) erklärt: "Das ist doch Scheibenkleister, wenn man den ganzen Tag allein daheim ist." Weiterreden kann er nicht, weil ihm die Tränen kommen. Zum einen, weil die neun Wochen ohne die Tagespflege für ihn offenbar wirklich hart waren, zum anderen, weil er sich freut, dass er nun wieder in die Einrichtung darf. Ilka Busch ist sofort da, um ihn zu trösten.

Kontakt zu Gästen gehalten

Überhaupt versuchen die Mitarbeiterinnen für gute Stimmung zu sorgen, die ist das Wichtigste für die alten Menschen. "Meine Schwägerin ging zwar für mich einkaufen, aber sonst war ich meist allein", erzählt die 95-jährige Ilse Grunwald. Daher sei sie sehr dankbar gewesen, dass Nadine Reyer, die in der Tagespflege arbeitet, ab und zu bei ihr vorbeigekommen und mit ihr spazieren gegangen sei. "Wir haben versucht, mit unseren Gästen in Kontakt zu bleiben", berichtet Ilka Busch, dass sie und ihre Mitarbeiterinnen ihre insgesamt 24 Gäste während der Schließung der Einrichtung nicht allein ließen. "Zumindest telefonisch haben wir uns regelmäßig gemeldet", erzählt die Leiterin der Einrichtung.

"Die Schwestern hier sind alle so lieb und freundlich", kommt es plötzlich aus der Runde. Und es sei schön, dass morgens wieder die Zeitung vorgelesen werde. Schließlich wolle man auf dem Laufenden darüber sein, was in Bad Freienwalde und drumherum so passiert. "Sie glauben gar nicht, wie uns das Vorlesen am Morgen in den vergangenen neun Wochen gefehlt hat", erklärt Nadine Reyer dazu und macht deutlich, dass es nicht nur für die Gäste eine schwere Zeit war.

Wie eine große Familie

"Wir sind hier doch wie eine große Familie, da war die Sehnsucht schon groß, wieder hierherzukommen", berichtet Gerda Falkental. Sie wohne zwar mit ihrer Nichte und dessen Mann zusammen in einem Haus und habe es daher besser gehabt als andere, aber die Kontakte in der Tagespflege habe sie schon sehr vermisst. "Ich bin einfach froh, dass alle wieder da und vor allem auch gesund sind", so Falkental.

"Wir haben uns ja auch alle Sorgen um unsere Gäste gemacht", erklärt Ilka Busch dazu. Deswegen gelten für die Mitarbeiterinnen und die Gäste auch weiterhin Regeln. Für die Mitarbeiterinnen gelte Maskenpflicht, außerdem werde auf Abstand und Hygiene geachtet, so Ilka Busch. Die 24 Gäste der Tagespflege sind übrigens nie alle auf einmal dort, sie verteilen sich auf insgesamt zwölf Plätze, kaum jemand ist jeden Tag in der Einrichtung. Daher funktioniere das mit dem Abstand halten in den Räumen auch ganz gut, erklärt die Leiterin.

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