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Beratung
Hilfe für Suchtkranke in Bad Freienwalde

Symbolfoto: pixabay
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Nadja Voigt / 19.06.2020, 07:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Sucht ist Sucht, nur das Suchtmittel ist anders", sagt Marion Grundmann, Leiterin der Sucht- und Drogenberatung beim Diakonischen Werk Oderland-Spree. Auch in den vergangenen Wochen und Monaten in der Corona-Krise haben sie und ihre Kollegen in den Beratungsstellen in Bad Freienwalde, Wriezen und Seelow Menschen mit Suchterkrankungen betreut. Denn: Der Shutdown hat bei vielen Klienten bestehende Erkrankungen verstärkt. "Wir haben eher eine Zunahme an Klienten verzeichnet", so Grundmann.

Suche nach Entlastung

Jobs fielen weg, die Einsamkeit nahm zu, Tagesstrukturen lösten sich in Luft auf. "Es war eine besonders schwere Situation für alle, die es ohnehin schon schwer haben." Deshalb habe sich die Suche nach Entlastung verstärkt, weil man mit den Gegebenheiten und dem Druck nicht zurechtkommt1. Genau deshalb wollten sie und ihre Kollegen da sein, Sicherheit und Halt geben.

Viele der Klienten haben einen langen Leidensweg. "Manche begleiten wir über Jahre hinweg", sagt Marion Grundmann. Und freut sich über das Vertrauensverhältnis, das Miteinander. "Hier darf jeder so sein, wie er ist", unterstreicht sie. Gemeinsam werde nach den Wegen geschaut, die zu gehen sind. Individuelle Beratung und Beistand statt einer Lösung für alle. Denn so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Suchterkrankungen. Alkohol, Medikamente, auffälliges Kaufverhalten, illegale Drogen oder Glücksspiel: Sucht hat viele Gesichter und Ausprägungen. Oft begleitet von Angststörungen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen. "Die, die sich in den Bahnhofstoiletten Spritzen setzen sind nur die Spitze des Eisberges", sagt Marion Grundmann. Viele ihrer Klienten führten nach außen ein ganz "normales" Leben. In ihrem Inneren seiend sie verzweifelt und zerrissen. Und oft sehr einsam, weiß sie aus langjähriger Erfahrung.

Zwischen 13 und 76 Jahren sind die Menschen, die die Diakonie in ihren Suchtberatungsstellen im Landkreis Märkisch-Oderland betreut. Vom Jugendlichen bis zum Rentner also. Aus allen Berufsgruppen und sozialen Schichten stammend. Diejenigen, deren Leidensdruck besonders groß ist, finden zuweilen selbst den Weg in die Beratungsstellen. Aber auch über die Hausärzte, die Krankenhäuser in Wriezen und Seelow, andere Beratungsstellen, Wohneinrichtungen oder das Jobcenter kommen die Suchtkranken. "Es gibt aber auch Arbeitgeber, die sich an uns wenden", berichtet Marion Grundmann. Und natürlich Familienangehörige oder Freunde, die sich Sorgen machen.

Wichtig sei, unterstreicht Marion Grundmann, dass die Süchtigen erfahren, dass sie ernst genommen werden. Und nicht bewertet. "Menschlichkeit ist uns ganz wichtig", sagt sie. "Da zu sein. Zuzuhören."

Bei den Suchtmitteln, die auch in der Corona-Zeit zur Verfügung standen – wie Alkohol und Medikamente – habe es einige Rückfälle bei Suchtkranken gegeben, blickt sie zurück. Die Befürchtung, dass sich die Glücksspieler angesichts geschlossener Spielhallen etwas anderes suchen, weil der Suchtdruck trotzdem da war und sie nicht ausweichen konnten, hätte sich jedoch nicht bestätigt. Bei den Drogenabhängigen hätte es schon Engpässe gegeben, so Marion Grundmann auf die Frage, ob die Grenzschließung Folgen gehabt habe. Allerdings sei vor allem bei den jungen Menschen die Risikobereitschaft groß, auch anderes zu konsumieren. "Es wird viel experimentiert", bestätigt sie.

Beratungsstelle der Diakonie

Die Sucht- und Drogenberatung der Diakonie bietet Betroffenen aber auch Angehörigen Hilfe an. "Die Lösung von Suchtproblemen hat viel weniger damit zu tun, etwas zu beenden, als damit, einen Anfang zu machen", lautet das Credo. Angeboten werden Information, Beratung, Motivation und Behandlung; die Beantragung von und Vermittlung in Entgiftung, stationäre und ambulante Therapie sowie Ambulante Nachsorge nach einer stationären Therapie und spezielle Beratungsangebote für Glücksspieler und deren Angehörige. Kontakt: Telefon 03346 896922; suchtberatung@diakonie-ols.de

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