Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Buchdebüt
Ulla Walter stellt "Die Lust der Kunst" in der Burg Beeskow vor

Die Schöneicher Malerin Ulla Walter stellte am Sonnabend auf der Burg Beeskow ihre Autobiografie vor, begleitet wurde sie dabei auf dem Klavier von Rico Haring. Links neben ihr ein Bild, das sie 1986 nach dem Mord am schwedischen Politiker Olof Palme malte.
Die Schöneicher Malerin Ulla Walter stellte am Sonnabend auf der Burg Beeskow ihre Autobiografie vor, begleitet wurde sie dabei auf dem Klavier von Rico Haring. Links neben ihr ein Bild, das sie 1986 nach dem Mord am schwedischen Politiker Olof Palme malte. © Foto: Ruth Buder
Ruth Buder / 22.06.2020, 05:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Mit einer Lesung ist am Sonnabend auf der Burg Beeskow die viel beachtete Ausstellung "Leben in einem Land, das es heute nicht mehr gibt" zu Ende gegangen. Das Besondere daran: Nicht Experten, sondern Laien-Kuratoren hatten dafür die Exponate aus dem Kunstarchiv ausgewählt.

Zu ihnen gehörte auch Kristin Lemke aus Schneeberg, die im öffentlichen Dienst beschäftigt ist. Nun, zum Abschluss, war die 62-jährige auch zum Buchdebüt der in Schöneiche lebenden Künstlerin Ulla Walter gekommen, die eigentlich als Malerin bekannt ist. Nun also ein Buch.

Geschichten zu Bildern

"Das hat mich sehr viel Kraft gekostet", gesteht die zierliche 65-Jährige. "Die Lust der Kunst – Bildergeschichten" ist eine 288 Seiten starke Autobiografie, die Ulla Walter nicht chronologisch aufgeschrieben hat, sondern die wie ein "Flickenteppich", wie sie selbst sagt, daherkommt. Sie beschreibt ihre Bilder, was Künstler in der Regel nicht gern tun, und erzählt Geschichten dazu, in denen sie Erlebtes schildert und ihre Gedanken und Empfindungen preisgibt, stimmungsvoll am Klavier von Rico Haring begleitet.

Ulla Walter, die in ihrer Jugend ihre Brötchen auch als Nachtwächterin im Dresdener Zwinger verdiente, liest die Episode vor, als ihr bei einem Staatsbesuch der rumänische Parteichef Ceausescu, umringt von Sicherheitsleuten, die Hand schüttelt, wie sie sich 1982 nach einem kontrastreichen Westberlin-Besuch in den heruntergekommenen "Heidehof" mit Saal in Schöneiche verliebt, wie sie das Bild "Heimkehrer", das neben ihr aufgebaut ist, nach einem Besuch in Algerien gemalt hat.

Die Malerin, die in Dresden und in Leipzig bei Bernhard Heisig, "ihrem Professor", studierte, erzählt in ihrem Erstlingswerk auch, wie sie aus ihrem damaligen Atelier den Aufbau des Potsdamer Platzes in Berlin erlebt hat, wie überrascht sie war, als sie in einer Westberliner Wohnung in Schöneberg ostdeutsche Kunst entdeckte. Oder wie sie in "exzessiven, alkoholgetränkten Nächten" im Trance malt und wie schwer es die Bilder haben, bei Tageslicht zu bestehen. "Wenn das gelingt, dann haben sie es geschafft", lächelt Ulla Walter vom Podium.

Fast alle Geschichten sind in Ulla Walters Buch an ihre Bilder gekoppelt. "Sobald ich meine Arbeiten sehe, fällt mir dazu sofort etwas ein, was ich erzählen könnte."

Das kann sie auch zu dem Bild zum Tod Olof Palmes, das extra für die Lesung aus dem Kunstarchiv der Burg, in dem Ulla Walters Arbeiten in guter Gesellschaft mit denen zahlreicher DDR-Künstlern sind, geholt worden war. Als dieser Tage die Medien meldeten, dass der 1986 verübte Mord an dem schwedischen Politiker aufgeklärt sei, erinnerte sich Ulla Walter sofort an ihre damalige spontane Arbeit, wann, wo und wie sie darauf künstlerisch reagiert hatte.

Ulla Walter zeigt sich im anschließenden, gar nicht enden  wollenden Gespräch mit ihren Zuhörern sehr froh, dass sie ihr Buch nach den Corona-Lockerungen endlich wieder öffentlich vorstellen kann. Denn eigentlich sollte sie es publikumswirksam auf der Buchmesse in Leipzig präsentieren, doch die fiel bekanntlich aus.

"Corona hat mich schlimmer getroffen als gedacht. Mein Buch, das Menschen aus Ost und West mitnimmt, ist in den Startlöchern stecken geblieben, alle Ausstellungen wurden gekappt", bedauert sie. "Aber nun habe ich das Gefühl, es geht wieder los."

Aber Corona hat sie auch inspiriert. Ihr aktuelles Bild "Die Isolierte", habe ihr wieder Kraft und Zuversicht gegeben.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG