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Protest der Kultur
Montag leuchten Gebäude in Eberswalde in Rot

Beleuchtete Gebäude: Das Bürgerbildungszentrum Eberswalde leuchtet am Montag nicht aus Schmuck, wie auf dieser Aufnahme zu sehen, sondern in der Warnfarbe Rot. Die Veranstaltungswirtschaft protestiert gegen das Aussterben.
Beleuchtete Gebäude: Das Bürgerbildungszentrum Eberswalde leuchtet am Montag nicht aus Schmuck, wie auf dieser Aufnahme zu sehen, sondern in der Warnfarbe Rot. Die Veranstaltungswirtschaft protestiert gegen das Aussterben. © Foto: Thomas Burckhardt
Andrea Linne / 22.06.2020, 14:30 Uhr - Aktualisiert 23.06.2020, 11:04
Eberswalde (MOZ) Christoph Neumann von der Firma "Kingsize.Events" hat die Nase voll. Noch immer dürfen Kulturveranstaltungen nur mit begrenzter Personenzahl stattfinden. Für größere Veranstaltungen fehlt durch die Corona-Pandemie noch jede Option. Nun hat er sich mit vielen anderen Ton- und Lichttechnikern, Veranstaltern und Selbstständigen der Szene zusammengetan, um sich an der bundesweiten Aktion "Night of Light" zu beteiligen. Am Montag sollen wichtige Gebäude quer durch Eberswalde rot angestrahlt werden und ab Beginn der Dunkelheit leuchten.

Fotos von der Night of Light 2020 in Eberswalde. Von 22 bis 1 Uhr wurden markante Gebäude von Veranstaltern angestrahlt. Sie wollen auf die schwierige Situation der Kultur-Branche hinweisen.
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Corona: Night of Light 2020 Eberswalde

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Veranstaltungen entfallen

Es ist eine stille Aktion, betont der Veranstaltungstechniker. Er arbeitet sonst auf großen Festen wie FinE und auf dem Campus der Hochschule Eberswalde. Beim Inselleuchten in Marienwerder sorgt er für die richtige technische Ausstattung, auch die Gauklernacht in Bernau gehört zu seinen Aufträgen. Er liebt diese Arbeit und leidet unter den seit Wochen anhaltenden Einschränkungen. Nicht nur finanziell.

"Wir wollen ein Zeichen setzen, um auf unsere Existenznot in der Branche aufmerksam zu machen", sagt Neumann. Der 29-Jährige wird von zahlreichen anderen Künstlern und Kulturschaffenden unterstützt. Dazu gehören neben Udo Muszynski mit der Firma Mescal, auch der Tontechniker Tim Altrichter, Ruben Pagenkopf oder Dustin Traut, der beim Inselleuchten und vielen anderen kulturellen Höhepunkten aktiv ist. Aber auch Henrik Schade ist mit dabei, der zuletzt das Tor zum Filmfestival Provinziale gestaltet hatte. Die Liste derer, die Neumann unterstützen, ist lang.

Bis in den frühen Morgen sollen die Gebäude angestrahlt werden. "Als Achtungszeichen", so nennt es Christoph Neumann. Seit 2014 ist der junge Mann selbstständig. "Bisher lief es ganz gut, aber nun fehlt irgendwie jede Option", ist der Firmeninhaber frustriert. Zuletzt hatte er 2019 immerhin in neue Bühnen- und Beschallungstechnik investiert. Schulden in sechsstelliger Höhe lasten auf ihm. "So geht es doch vielen, die selbstständig sind und auf dem Markt bestehen wollen. Sie müssen ständig investieren, um mithalten zu können und gefragt zu bleiben", macht der junge Eberswalder deutlich.

200 deutsche Städte dabei

200 deutsche Städte beteiligen sich an der Aktion. Spielstätten, Eventlocations und Bauwerke sollen in rotem Licht illuminiert werden. Als leuchtende Mahnmale, wie es heißt. Die nächsten hundert Tage, so die klare Warnung, dürften viele der Veranstalter nicht überstehen, wenn weiterhin restriktiv gegen die Szene entschieden werde. Und auch 2021, befürchten die meisten Szenekenner, dürfte nur mit angezogener Handbremse starten. Viele Werbeetats würden gekürzt, Veranstaltungen nur begrenzt stattfinden. Neumann befürchtet außerdem großes Dumping bei den ausgerufenen Preisen.

In Eberswalde sollen neben dem Familiengarten mit dem Eberkran, das Exil, der Löwenbrunnen, das Kino, Haus Schwärzetal, das Kreishaus, die Maria-Magdalenen- und Johanniskirche, der Wasserturm, der Festplatz Schwanenteich sowie das Bürgerbildungszentrum angestrahlt werden. 700 Unternehmen bundesweit sind dabei. Die Veranstaltungsbranche steht auf der Roten Liste, sagt Simone Peppel von der gleichnamigen Eventagentur. Festivals und Volksfeste fallen weiter aus. Ein kompletter Wirtschaftszweig, sagt die Managerin, sterbe aus.

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