Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Privatinitiative
Hussitenfest im Kleinen mit Gästen aus Bernau und Panketal

Sabine Rakitin / 29.06.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 30.06.2020, 11:02
Bernau (MOZ) Sie hatten sich bereits für die Teilnahme am Festumzug angemeldet – und erstmals auch für die Strohwiese im Stadtpark. Drei Tage wollten sie dort Mittelalter leben. Dann kam die Pandemie, eine Verordnung zur Eindämmung von Covid-19 nach der anderen und schließlich die definitive Absage der Stadt. Der Traum, dass Bernauer Hussitenfest 2020 einmal aus einer neuen Perspektive mit zu feiern, schien ausgeträumt.

Doch so einfach wollte Carolin Fentz nicht aufgeben. Über Wochen und Monate hatte die 33-Jährige bereits zu mittelalterlichen Spielen und Bräuchen recherchiert, Kleider genäht und Dekorationen angefertigt. So kam bei ihr und Lebenspartner Alexander Kansy die Idee fast von selbst auf, ein eigenes Ersatz-Hussitenfest auf die Beine zu stellen.

Am Sonnabendvormittag, "nach fünf Wochen intensiver Vorbereitung", wie Carolin Fentz erzählt, ist es schließlich soweit: Zehn befreundete junge Familien aus Bernau und Panketal halten in mittelalterlichen Gewänden auf dem zur "Strohwiese" umgestalteten Grundstück in Schönow Einzug. Bernaus Briganten-Hauptmann Bernd Eccarius hat ein Zelt geliehen, ein Teil der Kostüme und Utensilien stammen – mit freundlicher Unterstützung der Verwaltung – aus dem Kostümfundus der Stadt.

Eine Burg aus Pappmaché – selbst gebaut und bemalt – begrüßt die Festbesucher. "Made in Bernau" sind auch vorbereiteten Spiele, die Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Kurzweil verheißen.

Auch der Ausfall des Hussitenfestes konnte einige Bernauer nicht abhalten ihr kleines Hussitenfest zu feiern. Bei Met und Schwein am Spieß war es ein gelungenes Familienfest.
Bilderstrecke

Hussitenfest im Hausformat

Bilderstrecke öffnen

Den Vorläufer von "Vier gewinnt" gab es schon im Mittelalter, auch eine Art Würfelspiel mit kleinen bemalten Steinen. Doch die kommen nicht in den Würfelbecher, sondern werden in die Luft geworfen. Wer die meisten  Steine hat, die auf dem Boden mit der bemalten Seite nach oben landen, hat gewonnen. Geschicklichkeit ist hingegen beim Wikingerschach gefragt – ein gotisches Wurfspiel mit Holzklötzen.

Den Kindern bereitet der Ritt auf dem hölzernen Steckenpferd besonderen Spaß. Im Galopp müssen sie mit einer Lanze Luftballons treffen.  Die vierjährige Evi ist begeistert. Sie gibt den lustigen hölzernen Pferdeköpfen am Besenstiel gleich Namen. Sie nennt sie Sabrina und Amadeus – frei nach dem Kinderklassiker "Bibi und Tina".

Vor allem die Männer messen ihre Kräfte im Tauziehen. Beim Wettstreit stehen sie auf wackligen Baumstämmen – und haben beim Balancieren die Lacher auf ihrer Seite. Kaum anders sind die hämischen Reaktionen der Zuschauer, wenn zwei mit Keulen in den Händen versuchen, sich gegenseitig von den Baum-Podesten zu schlagen. Nicht zuletzt probieren sich viele im Armbrustschießen aus. Selbstredend sind natürlich auch diese Geräte handgemacht.

In einer Ecke des Gartens brutzelt ein Spanferkel am Spieß. In einem gusseisernen Topf auf offenem Feuer schmort das Sauerkraut. Es gibt Fisch, geräucherten Wildschweinschinken und Fladenbrot. Gegessen wird mit Holzgabeln oder eben mit den Fingern – getrunken wird Met, Bier und Holundersaft aus Keramikkrügen mit der Aufschrift "Hussitenfest Bernau".

Hussitenfest Bernau: Vorbereitung für 2021 läuft

Stolz marschiert der siebenjährige Neven als kleiner Ritter über die Festwiese. Sein weißes Leinen-Gewand zieren auf Brust und Rücken rote Kreuze. Doch ein Kreuzritter will der Erstklässler nicht sein, "Nur ein Ritter", sagt der Junge und zeigt wie zum Beweis sein Schwert hoch. Das Kostüm habe er zusammen mit seiner Oma gebastelt, erzählt Neven.

Zum ersten Mal wollten Nicole und Alex Platow in diesem Jahr mit Neven und seinen beiden Brüdern im Festumzug mitlaufen. Nun sei es zwar ausgefallen, bedauert Nicole Platow, doch das Ersatz-Fest hier mit den Freunden gefalle ihr auch, sagt sie. Und: Aufgeschoben sei ja nicht aufgehoben, bemerkt der Bernauer Pascal Remmler.

Schon haben die ersten Familien beschlossen, Geld zusammenzulegen, um fürs kommende Jahr gemeinsam ein großes Zelt zu erwerben. Ihren Plan, über das gesamte Hussitenfestwochenende auf der Strohwiese im Stadtpark am mittelalterlichen Leben teilzunehmen, haben sie nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Noch perfekter wollen sie sich auf das nächste Hussitenfest vorbereiten. Bis ins kleinste Detail soll alles stimmen.  Die Probe aufs Exempel besteht zumindest Alexander Kansy an diesem Sonnabend schon mal. Er schneidet sich am Daumen. Das Blut läuft. "Wir brauchen ein Pflaster", ruft jemand in die Runde. "Im Mittelalter gab’s kein Pflaster!" lehnt der 44-Jährige entschieden ab.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG