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RA-Dranbleiben
Feldsoll bei Küdow hat sich erholt

Ulrike Gawande / 30.06.2020, 05:15 Uhr
Küdow (MOZ) Dort, wo sich Ende Oktober des vergangenen Jahres noch breite Schneisen und Rampen durch ein Feldsoll in der Nähe von Küdow zogen, leuchtet jetzt, knapp ein halbes Jahr später, wieder eine saftig grüne Vegetation. Und es sind Vögel zu hören – unter anderem ein Schilfrohrsänger.

Strecke für Motocrossfahrer

Im Oktober sah das noch anders aus. Motocrossfahrer hatten damals das rund ein Hektar große geschützte Biotop, das durch die extrem niederschlagsarmen Sommer 2018 und 2019 trocken gefallen war, in eine Rennstrecke mit Schanzen und Rampen verwandelt. Bis zu 50 Meter breite Schneisen waren geschlagen worden, und der Boden war verdichtet, berichteten Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), ehrenamtliche Naturschutzhelfer und ein Ornithologe, die damals vor Ort waren und das Ausmaß der Schäden aufnahmen. Auch wenn die Motocrossfahrer 2019 nicht direkt angetroffen wurden, so konnten doch die Verursacher ermittelt werden, berichtet Dorina Hahn, Mitarbeiterin der UNB, bei einem erneuten Vor-Ort-Termin. "Nach dem Zeitungsartikel im Ruppiner Anzeiger wurden die Anlagen von ihnen zurückgebaut", so Hahn. "Die Hügel wurden eingeebnet, die Löcher zugemacht und das Gelände so gut es ging in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt."

Regelmäßige Kontrolle

Seit dem Bekanntwerden der Zerstörung waren Dorina Hahn und ihre Kollegen regelmäßig in Küdow und hatten die Lage öfter als sonst im Blick. "Wir wollten gucken, wie sich die Flächen entwickeln." Dort, wo vor drei Jahren noch eine kompakte Wasserfläche war, ist jetzt immerhin der Boden wieder mit Grün bedeckt. Leider gebe es im Landkreis immer wieder illegale Fahrstrecken auf Freiflächen, wie in der Heide, auf den Flugplätzen in Alt Daber und Neuruppin sowie am Kalk- und Tornowsee, so Hahn. Vermehrt werden auch Motocrossfahrer in Wäldern gesichtet, wo sie verbotenerweise unterwegs sind. Aber solch ein Ausmaß wie hier in Küdow sei selten. "Das ist sonst nie so professionell angelegt wie hier", sagt die Fachfrau. Selbst Spuren von Radladern und Schaufeln seien zu sehen gewesen, die von dem Einsatz größerer Technik zeugten.

Hohe Bußgelder möglich

Durch erhöhte Präsenz in den bekannten Gebieten hofft die UNB, der Lage Herr zu werden. Dadurch, dass die Fahrer meist mit abgeschraubten Nummernschilden unterwegs sind, gestalte sich eine Nachverfolgung oft schwierig. Daher werden auch Polizei und Ordnungsämter eingebunden, erklärt Michael Lier von der Unteren Naturschutzbehörde. "Wir hoffen, dass der Druck von außen ausreicht." Die Spanne der Bußgelder, die den illegalen Fahrern drohen, reicht laut Bundesnaturschutzgesetz bis zu 50 000 Euro. Der Verursacher der Schäden in Küdow musste ein Ordnungsgeld im vierstelligen Bereich zahlen, berichtet Dorina Hahn. Da das Gelände des Küdower Biotops in Privatbesitz ist, wurden auch die Eigentümer befragt. So konnten die Verursacher ermittelt werden.

"Selten wird jemand erwischt", so Hahn. "Und selten ist jemand so einsichtig wie hier in Küdow." Meist folgt derartigen Vorfällen eher ein langer Papierkrieg. Mit dem Rückbau ist die Mitarbeiterin der UNB zufrieden. "Das reicht erst einmal, den Rest muss die Natur selber machen." Eigentlich fehle jetzt nur noch der Regen, damit das Kleingewässer wieder ganzjährig Wasser führen kann. "Das Feldsoll ist ein wichtiges Trittsteinbiotop zwischen den Ackerflächen", erklärt Michael Lier. Von einem zum anderen erfolge beispielsweise die Wanderung der Amphibien oder der Austausch von Tierarten.

Auf seinen Rundgängen hat er immer eine Kamera dabei, um mögliche Schäden zu dokumentieren oder Vergleichsfotos zu machen. So entdecken die beiden Behördenmitarbeiten auch wieder die Reifenspur eines Motorrades, die sich jedoch auf dem Gelände verliert. Ebenso sind niedergedrückte Pflanzen zu sehen, die möglicherweise von Spaziergängern oder auch dem Pächter stammen, vermutet Lier. Der ehemalige Lagerplatz der Motocrossfahrer unter den Bäumen sowie die ehemals breit ausgefahrene Zufahrt vom Feldweg werden in Augenschein genommen. Doch der Schilfgürtel hat sich erholt. Allein im Amt Temnitz waren 50 dieser Eiszeit-Überbleibsel mit Landesmitteln bis 2018 revitalisiert worden. Das Biotop in Küdow gehörte nicht dazu.

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