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Corona
Viadrina plant Mischung aus Online- und Präsenzbetrieb in Frankfurt (Oder)

Peter Frederick, Haustechniker an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), repariert defekte Tische in einem leeren Hörsaal. In der Zeit des corona-bedingten Präsenznotbetriebs hat er dazu gute Gelegenheit.
Peter Frederick, Haustechniker an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), repariert defekte Tische in einem leeren Hörsaal. In der Zeit des corona-bedingten Präsenznotbetriebs hat er dazu gute Gelegenheit. © Foto: Patrick Pleul (dpa)
Nancy Waldmann / 30.06.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 30.06.2020, 08:06
Frankfurt (Oder) (MOZ) Im Herbst könnten wieder mehr Studierende in Frankfurt (Oder) anzutreffen sein. Bisher rechnet die Universität jedoch überwiegend mit Online-Betrieb.

"Präsenz", "synchroner Unterricht plus Podcasts", "vorproduzierte Videos" – mit solchen und ähnlichen Vermerken könnte das nächste Vorlesungsverzeichnis der Viadrina versehen sein.

So liest man es in einer Planungsskizze des Senats für das Wintersemester. Angesichts geltender Hygienevorschriften ist die Lehre vorerst weiterhin zum großen Teil in digitaler Form vorgesehen.

Anders als in diesem Semester sollen aber auch Lehrveranstaltungen vor Ort wieder möglich werden – Hybrid-Betrieb ist das Stichwort, also eine teilweise Rückkehr in die Hörsäle und Seminarräume, sowie "Blended Learning" – eine Kombination aus digitalen und Präsenz-Lernformen innerhalb eines Kurses.

"Unter den jetzigen Bedingungen gehen wir davon aus, dass 20 bis 25 Prozent der Lehre im Präsenzbetrieb stattfinden können", sagt Eva Kocher, Vize-Präsidentin für Lehre an der Viadrina. Besonders Studienanfänger sollen davon profitieren und ein Gefühl für Studium und den Studienort bekommen. Kocher verweist auf die Umgangsverordnung des Landes Brandenburg. Demnach gelten für den Hochschulbetrieb dieselben Vorgaben wie für öffentliche Veranstaltungen. Das heißt 1,5 Meter Mindestabstand, Zutrittsbeschränkungen und regelmäßige Durchlüftung der Räume.

Sonderregelungen wie in Schulen, wo Schüler eines Klassenverbands untereinander keinen Mindestabstand einhalten müssen, gelten an Hochschulen nicht. Studierende bewegen sich ständig in wechselnden Seminargruppen.

Wie alle Dozenten musste Eva Kocher von jetzt auf gleich digitale Formate erproben. Ihre drei Vorlesungen hat die Juristin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht als Videos produziert und ihren Studierenden digital Materialien und Aufgaben dazu gestellt, ab und zu bespreche man sich per Videokonferenz.

"Die Studierenden sind aktiver als früher, schreiben oft Fragen in den Chat", hat Kocher bemerkt. Allerdings sei auch alles deutlich mehr Arbeit. An den schriftlichen Aufgaben möchte sie in ihren Lehrveranstaltungen auch künftig festhalten. "Das ist effektiver", so Kocher.

Johannes Weberling, Honorarprofessor für Medienrecht, ist kein Freund von Tests und Hausaufgaben. "Die Online-Lehre ist nur ein Notanker", sagt Weberling. Wenn er eine Vorlesung halte, sehe er an den Gesichtern, wie seine Worte bei den Studierenden ankämen. Nun, wo sein Seminar im Sommersemester bis auf die Prüfung per Videokonferenz stattfinde, sei er manchmal nicht sicher, ob am anderen Bildschirm eine reelle Person sitze. "Interaktion und Meinungsaustausch sind entscheidend für den Lernfortschritt", sagt er. Weberling fürchtet, dass er mit der Online-Lehre etwa die Hälfte seiner Studierenden nicht erreicht. Manchen fiele es schwer, sich allein vor dem Computer zu motivieren, andere hätten Probleme mit der Technik.

Die Asta-Vorsitzende Janina Lehmann lobt, dass die Viadrina vom Zuschuss des Landes von 400 000 Euro für die digitale Lehre auch Laptops angeschafft hat, die Studierende leihen können, deren eigenes Gerät nicht taugt. Allerdings mache sich eine gewisse "digitale Müdigkeit" breit, so Janina Lehmann. Sie studiert den Bachelor Recht und Politik. Das Arbeitsaufkommen sei durch die Online-Lehre deutlich höher. "Thematisch nimmt man vielleicht mehr mit, aber das Miteinander fehlt", sagt sie.

Bibliothek offener als in Berlin

Froh sind Studierende daher, dass sie seit einer Weile wieder in der Uni-Bibliothek arbeiten können. In Berlin, etwa an der Freien Universität und der Humboldt-Universität, ist das nicht möglich, denn dort sind die Lesesäle nach wie vor gesperrt und nur Ausleihe möglich. In Frankfurt gilt seit Freitag ein Personenlimit von 150 und man muss sich auch nicht mehr vorher anmelden. Wie die Erfahrungen aus dieser improvisierten digitalen Vorlesungszeit, die am 24. Juli endet, die Lehre an der Viadrina auf Dauer verändern können, soll voraussichtlich im Herbst diskutiert werden.

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