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Nachruf
Trauer um ehemaligen Leiter des Oderbruchzoos Altreetz

Nadja Voigt / 30.06.2020, 16:38 Uhr - Aktualisiert 01.07.2020, 13:36
Altreetz (MOZ) "Komme später. Bin bei Peter in Altreetz." Das ist ein Satz, den meine Kollegen oft von mir gehört haben. Oder den sie selbst gesagt haben. Denn zu Peter Wilberg in den Oderbruchzoo konnte man nicht mal eben auf ein halbes Stündchen.

Statt einer Geschichte hörte man viele, eine spannender als die andere. Denn Peter Wilberg war ein weltgewandter und belesener, kunstinteressierter Mann. Ein charmanter Gesprächspartner, der vor allem eines besaß: Beharrlichkeit. Und Humor.

Doch niemals hätte er sich nur für sich selbst interessiert. Obwohl er es wie keiner sonst verstand, sich für die Belange seines Zoos einzusetzen. Bei Lokal- und Landespolitikern, Förderstellen und privaten Spendern. Denn sein Lebenswerk hatte für ihn oberste Priorität. Über die Kreisgrenzen hinweg machte er den Oderbruchzoo Altreetz bekannt. Beliebt war die Einrichtung bei den Familien aus Nah und Fern und den Menschen mit Handicap, die im Feriendorf Urlaub machen konnten. Bis Peter Wilberg die Kraft und der Überblick verloren gingen. Nun ist er mit 83 Jahren am vergangenen Sonnabend in Altreetz gestorben.

Stephanus-Stiftung übernimmt

Nachdem der Zoo in schwieriges Fahrwasser geriet, übernahm im vergangenen Jahr die Stephanus-Stiftung die Einrichtung. Ein großes Glück, wie alle Beteiligten fanden. Vor allem, weil Wilbergs Tochter Sabine Klein mit von der Partie war. Ein großer Wunsch ihres Vaters und ein Segen für alle, die jetzt mit den Geschicken des Zoos verbunden sind. Der Verein zum Beispiel. "Es ist wichtig, dass wir Peters Erbe pflegen", sagt der 1. Vorsitzende, Henry Christoph. Gerade erst hat er mit seinen Schülern wieder einen Arbeitseinsatz auf dem Gelände durchgeführt.

Der Altreetzer Schulleiter kannte seinen Kollegen, denn Peter Wilberg war ebenfalls Pädagoge, seit 30 Jahren. "Er hat seinen Platz in der Geschichte des Zoos und dieser war für das Dorf und das Oderbruch immer das Aushängeschild", würdigt Henry Christoph. Einer, der ihn noch länger kennt, ist Oderaues Bürgermeister Michael Rubin. Seit 50 Jahren kennt er seinen ehemaligen Biologie-Lehrer, der zunächst den Schulgarten und später den Schulzoo aufbaute. "Peter war ein echtes Unikat und ich bin sehr traurig, dass er gestorben ist", sagt Michael Rubin. Die Gemeinde habe ihm viel zu verdanken, denn Peter Wilberg habe überall mitgemischt.

"Der Zoo und sein langjähriger Leiter sind untrennbar miteinander verbunden", sagt Amtsdirektor Karsten Birkholz. Jahrzehntelang habe Peter Wilberg den Zoo sehr gut geleitet und geführt. Und die finanziellen Probleme, die es zuletzt gab, konnten zum Glück gelöst werden, so der Verwaltungschef. Er bedauert, Peter Wilberg nicht noch einmal besucht zu haben.

Und so ging es sicher einigen, nachdem Peter Wilberg sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Selbst in seiner Lieblingsbuchhandlung in Bad Freienwalde, die er gerne und regelmäßig für ein angeregtes Gespräch besuchte, sah man ihn selten. Denn zuletzt plagten den 83-Jährigen schwere gesundheitliche Probleme, die ihn sogar einen Krankenhausaufenthalt hinnehmen lassen mussten. Sicher nicht einfach für den selbstbestimmten Charakterkopf.

Bücherfreund, Kunstsammler

Seine große Leidenschaft galt neben Büchern – vor allem zu Zeitgeschichte und Politik – der Kunst. Regelmäßig bestückte er seine Galerie im Oderbruchzoo auch mit eigenen Exponaten: prächtigen Bibelausgaben oder Holzkunst aus allen Teilen der Welt. Kunstausstellungen im Zoo – das war nicht nur einzigartig in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland. Peter Wilberg hatte große Freude daran, wenn er die Besucher überraschen konnte. Und für eine Überraschung war er immer gut. Genauso wie für ein angeregtes (Streit-)Gespräch. Über Gott und die Welt. Über Politik – im Großen wie im Kleinen. Dafür werden ihn alle, die ihn kannten, vermissen.

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