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Drohende Schließung
Angestellte des Berliner Kinos Colosseum kämpfen gegen Schließung

Jacqueline Westermann / 01.07.2020, 03:00 Uhr
Berlin (MOZ) Am morgigen Donnerstag öffnen die Kinos der Hauptstadt wieder. Die Türen des Colosseum hingegen werden geschlossen bleiben: Im Traditionshaus an der Schönhauser Allee wurde Ende Mai vorläufig Insolvenz angemeldet. "Fakt ist, dass wir alle davon überrascht worden sind", sagt Martin Rathke, Vorsitzender des Betriebsrates des Kinos. Es habe keinerlei Anzeichen gegeben, dass eine Insolvenz drohe. Stattdessen hätten die 43 Mitarbeitenden schon mit Vorbereitungen für die Wiedereröffnung begonnen. Doch dann wurden seit Mai keine Gehälter und Löhne gezahlt. Ende Mai teilte der vorläufige Insolvenzverwalter dem Betriebsrat dann die Situation per E-Mail mit. Seit 10. Juni sind die Angestellten freigestellt.

Der Insolvenzverwalter habe die Hygieneauflagen als auch den Umstand, dass der Eigentümer den Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt habe, als Gründe für die vorläufige Insolvenz angeführt. Die Corona-Krise als Ursache sieht man im Betriebsrat allerdings als vorgeschoben. "Denn Fakt ist auch, dass es einen bewilligten Bauvorbescheid gibt", erklärt Rathke.

Büros statt Kino

In dem Vorbescheid vom November 2019, der dieser Zeitung vorliegt, wird bestätigt, dass ein Bauvorhaben, das die Ersetzung des Multiplex-Kinos Colosseum "durch einen Campus mit modernen Büroflächen" bauplanungsrechtlich und denkmalrechtlich zulässig ist. "Jedem Unternehmer steht natürlich frei, sein Geschäft nicht mehr zu betreiben", erklärt Jörg Reichel, der bei der Gewerkschaft ver.di für Kinobetriebe in Berlin und Brandenburg verantwortlich ist. "Aber dann soll er wenigstens bis zum Schluss Gehälter zahlen." Aus ver.di-Sicht sei zudem interessant gewesen, dass der Insolvenzverwalter schnell auf eine Schließung fokussiert gewesen sei, statt einen möglichen Käufer zu finden. Zudem stelle sich die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung. "Ein Kino ist ein Ort, an dem Kultur und Gesellschaft stattfindet", so Reichel. Eine Schließung sei ein Eingriff in die städtische Struktur. Dass es keinen Dialog durch die Eigentümer – eine Erbengemeinschaft – sowie den Gesellschafter Sammy Brauner, der auch Teil der Erbengemeinschaft sei, gegeben habe, sondern die Schließung einfach beschlossen wurde, bedaure man sehr, erklärt Reichel.

Ziemlich schnell hatten die Angestellten jedoch beschlossen, dass sie für den Erhalt des Lichtspielhauses und ihrer Arbeitsplätze kämpfen wollten. Am morgigen Donnerstag, dem Tag also, an dem die Kinos in Berlin ihren Betrieb wieder aufnehmen, hat die Colosseum-Belegschaft deswegen einen Aktionstag geplant. Von 14 bis 18 Uhr wollen sich die Angestellten vor dem Kino versammeln. Sozusagen eine Öffnung "vor" dem Kino, Popcorn inklusive. Dialog mit den Anwohnern soll gesucht werden, auf die Situation aufmerksam gemacht werden. Die Unterstützung des Bezirksbürgermeisters Sören Benn (Linke) sowie des Bürgervereins Gleimviertel hätten sie schon, sagt Reichel. "Wir brauchen aber auch den öffentlichen Druck, um Veränderung herbeizuführen", sagt der Betriebsratsvorsitzende Rathke. Morgen Abend soll dann ein Demonstrationszug durch das Viertel folgen. Man wolle ein Signal sowohl an Politik als auch an die Erbengemeinschaft senden, so Reichel.

Priorität für die Angestellten habe die Wiedereröffnung und der Erhalt ihrer Arbeitsplätze. "Wir glauben an das Kino. Das wollen wir nicht einfach aufgeben", sagt Rathke.

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