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Exotische Tiere zum Anfassen
Artenschutzzentrum in Tempelfelde ist Paradies für Katzenliebhaber

Sabine Rakitin / 01.07.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 01.07.2020, 06:37
Bernau (MOZ) Es ist ihr 23. Hochzeitstag. Am Vormittag machen sich Peggy und Matthias Leidecker auf nach Tempelfelde. Das Paar aus dem 20 Kilometer entfernten Zepernick hat eine VIP-Führung im Wildkatzen- und Artenschutzzentrum "Felidae" gebucht. "Du erhältst eine exklusive Führung durch das Wildkatzenzentrum Felidae mit Blick hinter die Kulissen. Dazu gehört, dass du an der Fütterung der Tiere teilnehmen darfst. Darüber hinaus darfst du mit deiner Kamera eine Tour über das Gelände machen und nach Lust und Laune fotografieren – ganz nah dran an den Raubkatzen!" verspricht die Website.

"Wir gehören zur Katzenfraktion", erklärt Matthias Leidecker, warum er und seine Frau ihren Hochzeitstag im "Felidae" verbringen wollen. Dass das Interesse der beiden weit über die eigene Hauskatze hinausgeht, erweist sich später. Die Leideckers sind nicht nur daran interessiert, die Großkatzen im Wildtierzentrum zu sehen, sondern kennen sich auch bereits bestens aus. Sie haben die halbe Welt bereist und fundiertes Wissen zu den Tieren, ihren Lebensbedingungen, welche Arten vom Aussterben bedroht sind und warum.

Auf das "Felidae", nicht weit von ihrem Heimatort entfernt, sind sie durch eine TV-Reportage aufmerksam geworden. Das 2015 in Bernau ausgesetzte Tigerbaby Diego, das im Alter von sechs Monaten ein Zuhause im Wildtierzentrum erhielt, und seine Gefährtin Heike, eine weiße Bengalin, zogen in den vergangen Jahren Fernsehteams aus aller Welt nach Tempelfelde. Das bescherte dem von Tierarzt Roberto Rafael vor 22 Jahren gegründeten Artenschutzzentrum Aufmerksamkeit weit über die Grenzen von Deutschland hinaus.

Dass in Tempelfelde vom Aussterben bedrohte Wildtiere – insbesondere Wildkatzen – gezüchtet werden, war lange weitgehend unbekannt. Erst im Jahre 2011 ging Roberto Rafael erstmals an die Öffentlichkeit. Unter der Überschrift "Brandenburgs wilde Katzen" berichtete die Märkische Oderzeitung von der Wild­tierstation im Barnim, die zu diesem Zeitpunkt längst zu einem Geheimtipp für Experten aus ganz Europa geworden war. Sie kamen aus Großbritannien, Russland und Schweden nach Tempelfelde, um Rafaels  Zuchterfolge zu bestaunen. Damals blieb der Standort des "Felidae" für die Öffentlichkeit noch geheim. Erst vor ein paar Jahren öffneten Gründer Rafael und seine Lebensgefährtin Catharina Grasnick das Wildtierzentrum für Publikum. Seitdem werden Besucher von Mitarbeitern durch die Anlage geführt – allerdings nur nach Anmeldung und in kleinen Gruppen. Das "Felidae" ist kein Zoo und soll es auch nicht werden. Ziel der Öffnung ist es vielmehr, Menschen für den Artenschutz zu sensibilisieren. "Denn nur was wir kennen, können wir auch wirklich schützen" ist Rafael überzeugt.

Die VIP-Führung von Peggy und Matthias Leidecker übernimmt an diesem Sonnabend Aaron Tober. Der 26-Jährige ist gelernter Zootierpfleger und seit Dezember 2016 Mitarbeiter des Wildtier- und Artenschutzzentrums. Der gebürtige Mecklenburger macht den Rundgang zu einem Erlebnis. Es ist die Mischung aus fundiertem Fachwissen, kleinen kurzweiligen Geschichten, vor allem aber seine Art, auf Mensch und Tier zuzugehen, die fasziniert. Wenn, wie im Falle der Leideckers, auf der Besucherseite auch noch so viel Interesse im Spiel ist, dann macht dem 26-Jährigen die Führung besonders viel Spaß. Aus den ursprünglich geplanten 90 Minuten werden gute zwei Stunden.

Zur VIP-Führung gehört, dass die Besucher sehr dicht an die Gehege, einige ausgewählte Tiere berühren und sogar füttern dürfen. Die schwarze Panther-Dame Coco gehört zu diesen Tieren. "Mal sehen, ob sie Euch streicheln lässt", verheißt Aaron den Leideckers ein erstes besonderes Erlebnis an diesem Vormittag. Und tatsächlich: Auf seinen Ruf kommt Coco an, schmiegt ihren Körper dicht an das Gitter und lässt sich berühren. "Sie ist so klein. Ich dachte, Panther sind größer", stellt Matthias Leidecker fest. Die Weibchen seien etwas zierlicher. "Ferra, das Männchen, ist fast doppelt so groß", antwortet Aaron. Insgesamt liege die Vorstellung der Menschen, was die Größe der Tiere anbelange, an der verzerrten Darstellung in Film und Fernsehen. "Bagheera aus dem ‚Dschungelbuch’  ist beispielsweise viel zu groß dargestellt", weiß er.

Diego und Heike, die beiden Tiger, die das Wildkatzenzentrum berühmt gemacht haben, lassen sich nicht berühren. Das Tigermännchen ist jetzt an die fünf Jahre alt und wiegt 230 Kilogramm. Er ist immer noch ein Prachtkerl. Sein Fell ist glänzend und gepflegt. "Tiger haben eine noch rauere Zunge als Hauskatzen. Die Fellpflege erledigt er selbst", erzählt Aaron Tober. Aber auch das gute Futter und die Extra-Portion Kalzium, die Diego und Heike erhalten, tun ein übriges zu ihrem gepflegten Aussehen dazu. Während das Männchen im Gehege die Besucher draußen erst verfolgt, dann näher kommt und versucht, sie mit einem Urinstrahl zu markieren – was knapp daneben geht – bleibt Tigerdame Heike auf Distanz. "Bei Fremden geht sie sofort in Deckung", weiß Tierpfleger Aaron.

An die 50 Wildkatzen leben im Felidae. Darunter sind Geparde, Schneeleoparden und Nebelparder, Servale und Karakale. Der Binturong namens Saya ist zwar eine Schleichkatze, wird aber in Deutschland auch Marderbär genannt. Das fünf Jahre alte Tier hat nichts gegen Streicheleinheiten und eine Banane gratis. Sein Fell ist borstig, fühlt sich an wie synthetische Fasern, findet Matthias Leidecker. Saya hat keine Scheu und an dem Zepernicker offenbar einen Narren gefressen. Erst markiert sie, dann legt sie sich auf seine Schultern. Der Urin des Binturong riecht ein wenig nach Popcorn. Der Geruch wird Matthias Leidecker noch eine ganze Weile begleiten.

Unterdessen versucht sich Tayra Babsi im Gehege gegenüber als Taschendieb. Immer wieder langt das kleine aus Südamerika stammende Raubtier aus der Familie der Marder durchs Gitter. "Wir haben schon viele abgefahrene Tiere hier", stellt Aaron Tober lachend fest. "Einfach toll!" loben die Leideckers begeistert.

Tipps zum Besuch des "Felidae" in Tempelfelde

Führungen in Gruppen bis zu 20 Personen sind nur mit vorheriger Anmeldung möglich – Montag bis Freitag 14 Uhr, Sonnabend 13 und 15 Uhr. Kosten: Erwachsene zwölf, Kinder (ab vier bis 15 Jahre) acht Euro; Weil die während der Corona-Pandemie geltenden Abstands­regeln nicht eingehalten werden können, werden diese Führungen zurzeit nicht ange­boten.

VIP-Führungen mit exklusiven Einblicken und tierischer Kontaktaufnahme sind aus Sicherheitsgründen auf fünf Personen beschränkt. Kosten: 90 Euro pro Person, Kinder 45 Euro.

Kontakt: Wildkatzen- und Artenschutzzentrum Barnim, Siedlung 3 in 16230 Sydower Fließ OT Tempelfelde; Tel. 03337 463270, E-Mail: info@wildkatzen-barnim.de

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