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Nach Vandalismus
Schilder in Grumsin stehen jetzt unter Polizeischutz

In Altkünkendorf: Christine Leuschner (Amt Joachimsthal-Schorfheide), Doreen Sonne (Stadt Angermünde), Lucilia Westphal (Praktikantin), Martin Flade (Leiter des Biosphärenreservates), Ludger Lamprecht (Kreiswegewart im Barnim), Michael Schwarze (Polizeiprävention Uckermark) sowie Klaus-Christian Arndt (Naturwächter) beraten zum Vandalismus im Grumsin und bringen neue Tafeln an.
In Altkünkendorf: Christine Leuschner (Amt Joachimsthal-Schorfheide), Doreen Sonne (Stadt Angermünde), Lucilia Westphal (Praktikantin), Martin Flade (Leiter des Biosphärenreservates), Ludger Lamprecht (Kreiswegewart im Barnim), Michael Schwarze (Polizeiprävention Uckermark) sowie Klaus-Christian Arndt (Naturwächter) beraten zum Vandalismus im Grumsin und bringen neue Tafeln an. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 01.07.2020, 05:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Das Unesco-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin braucht besonderen Schutz. Nicht nur die sensible, einzigartige Natur dieses werdenden Urwaldes steht unter Schutz. Jetzt muss auch die touristische Infrastruktur, die Besucher eben so gesteuert durch den Wald führen soll, dass die Natur nicht zerstört wird, extra geschützt werden. Denn Schilder, Infotafeln und Markierungen an den Wanderwegen werden immer wieder mutwillig zerstört.

Straftaten verfolgen

"Da sind keine übermütigen Kinder oder Jugendlichen am Werk. Das sind sehr zielgerichtete Aktionen, die richtig Aufwand machen", sagt Martin Flade, Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, in dessen Schutzgebiet das Unesco-Weltnaturerbe liegt. Markierungen für Wanderwege werden sorgfältig mit Farbe übersprüht und unlesbar gemacht, Schilder und Tafeln samt Pfosten und Betonsockel herausgerissen.

In den Wintermonaten hat die Stadt Angermünde wieder alle Markierungen und Schilder wiederhergestellt und kontrolliert gemeinsam mit der Naturwacht und ehrenamtlichen Wanderführern mit hohem Personalaufwand regelmäßig. Doch schon nach kurzer Zeit waren wieder Markierungen und Schilder zerstört.

Betroffen sind nicht nur die Bereiche im Angermünder Ortsteil Altkünkendorf, sondern auch der Bereich des Grumsin in Groß-Zie­then im Amt Joachimsthal-Schorfheide. Der Schaden für die Kommunen und die beteiligten Organisationen ist immens und geht in die Tausende, vom Imageschaden und steigendem Frust einmal abgesehen.

Deshalb wollen Kommunen und Biosphäre nun mit der Polizei eng zusammenarbeiten und hart durchgreifen, um die Täter konkret zu ermitteln. "Sachbeschädigung und Diebstahl sind Straftaten", bestätigt Michael Schwarz von der Polizeiinspektion Uckermark.

"Wir wollen wissen, wer und was dahinter steckt. Denn fehlende Wegmarkierungen führen ja nicht dazu, dass weniger Touristen kommen, sondern dass sie im Gegenteil unkoordiniert herumirren, sich verlaufen oder andererseits Gründe haben, bewusst vom Weg abzukommen und in die geschützte Kernzone vorzudringen, weil es ja keine Beschilderung gibt", sagt Martin Flade. Am Dienstagvormittag trafen sich Beteiligte vor Ort in Altkünkendorf, um das gemeinsame Vorgehen zu beraten und erste Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Mit dabei waren neben Martin Flade und Michael Schwarz von der polizeilichen Kriminalprävention auch Doreen Sonne von der Stadtverwaltung Angermünde, Christine Leuschner vom Amt Joachimsthal, Ludger Lamprecht, Kreiswegewart im Landkreis Barnim, Klaus-Christian Arndt, Ranger der Naturwacht im Biosphärenreservat sowie Uwe Graumann von der Biosphärenverwaltung.

Technische Prävention

Die Partner arbeiten schon lange zusammen und haben ein gemeinsames Wegekonzept samt Beschilderung für den Grumsin erarbeitet. Jetzt wollen sie auch bei der Bekämpfung und Aufklärung der Vandalismusschäden an einem Strang ziehen und haben die Polizei mit ins Boot geholt. Die Polizei will nun intensiv die Täter ermitteln und hat zugleich "Maßnahmen der technischen Prävention" im Grumsin ergriffen, erklärt Michael Schwarz. In Altkünkendorf wurde außerdem eine neue aktualisierte Infotafel über das Wegesystem im Grusmin errichtet, die auch QR-Codes zu Waldbrandstufen oder besonderen Sehenswürdigkeiten enthält.

Vor allem in Altkünkendorf prallen Interessenkonflikte zwischen Waldbesitzern, Einwohnern, Biosphäre und Touristen scharf aufeinander. "Wir bemühen uns um Lösungen auch im Interesse der Einwohner. Mit den Waldbesitzern gibt es inzwischen einen Stammtisch- Wir informieren auch über Fördermittel und haben Infotafeln detailliert mit ihnen abgestimmt", erklärt Flade.

Unesco-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin

Seit neun Jahren gehört der Buchenwald Grumsin mit vier weiteren deutschen alten  Buchenwäldern zum Unesco-Weltnaturerbe.  Die deutschen Gebiete ergänzten die bereits bestehende Welterbestätte der Buchenwälder der Karpaten in der Ukraine und der Slowakei.

Der Grumsin liegt im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in den Landkreisen Uckermark und Barnim und wird seit über 30 Jahren nicht mehr genutzt. Ein Wanderwegenetz und Infopunkte in Altkünkendorf und Groß Ziethen erschließen den Außengürtel um die Kernzone touristisch.⇥dw

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