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Historisches
Buschofenbrot aus Katerbow

Ulrike Gawande / 01.07.2020, 05:15 Uhr
Katerbow (MOZ) Buschofenbrot – Nein, dieses Wort hat keineswegs etwas mit dem Busch in Afrika zu tun. Vielmehr ist die heimische Kiefer namengebend. "In Brandenburg werden die gebündelten Äste der Kiefer, an denen noch Nadeln sind, als Busch bezeichnet", erklärt Werner Ludwig aus Katerbow, in dessen Ofen im Garten zu besonderen Anlässen das  Buschofenbrot gebacken wird. "Mit dem Busch kann schnell viel Hitze erzeugt werden."

Ofen von 1900

1996 wurde das erste Mal zum damaligen Erntefest Buschofenbrot aus Ludwigs Ofen gezogen. Doch wie kam es dazu? Der 74-Jährige erinnert sich. Bereits seit 1982 sei er immer wieder nach Katerbow zu Besuch gekommen, 1984 legte er dort auch seine Jägerprüfung ab. "Dann haben wir ein Grundstück gesucht, um dort bauen zu können", berichtet der Rentner. Sie fanden eines und kauften es 1994. Auf dem Gelände stand ein alter Backofen, der rund um die Jahrhundertwende aus Katerbower Ziegeln errichtet worden war. Anfangs habe er sogar noch gedacht, es sei ein Schafstall, berichtet der 74-Jährige schmunzelnd. "Früher gab es fünf bis sechs solcher Öfen hinter den Häusern, in denen die Familien abwechselnd gebacken haben." Seiner war der letzte, weshalb er ihn erhalten wollte. Und so bekam der Ofen nicht nur ein neues Dach, sondern auch der sogenannte Herd, auf dem das Feuer gemacht und anschließend die Brote gebacken werden, wurde erneuert.

Den Ofen erhalten

"Ich wollte den Ofen erhalten, hatte aber keine Ahnung vom Backen", gibt Werner Ludwig ehrlich zu. In seinem Nachbarn Fredy Wieseke fand er einen Mitstreiter, der sogar vom Fach ist. Der 79-Jährige, der seit 1954 im Ort lebt, absolvierte als junger Mann eine Ausbildung zum Bäcker. Nur seine Prüfung konnte er wegen des Todes seines Meisters nicht mehr ablegen. So wusste Wieseke zwar, wie Brote geknetet werden, aber wie der alte Ofen bedient wird, konnte auch er nicht sagen. "Da habe ich in der Schorfheide einen alten Bäcker ausfindig gemacht, der seinen Ofen auch noch mit Holz geheizt hat", berichtet Werner Ludwig.

Für das Exemplar in Katerbow sind vier Schubkarren mit Kiefern- oder Fichtenholzscheiten nötig, um den Ofen zu beheizen. "Eichenholz eignet sich nicht, weil dessen Gerbstoffe das Brot bitter machen", weiß Ludwig zu berichten. Der versierte Bäcker aus der Schorfheide brachte dann 14 Tage vor dem Erntefest 1996 den ersten Teig – ein Sauerteig – für die Backpremiere in Katerbow mit. Alles klappte tadellos.

Doch zum Erntefest selbst wäre dann beinahe alles schiefgegangen. "Mein Sohn heizte drei Stunden vorher den Ofen an", erinnert sich Werner Ludwig. So lange braucht es, bis der Ofen durchgebrannt ist, dann wird sämtliche Glut ausgefegt, damit die Brote keine schwarzen Flecken bekommen. Erst danach werden die rund 1,5 Kilogramm schweren Teigbälle, die von Wieseke zuvor geknetet und geformt wurden und die in Körben gereift sind, in den Ofen geschoben. Der war aber zu heiß, die Broten verbrannten. Die richtige Temperatur zu finden, sei eine Kunst, erklärt Ludwig. Ein Thermometer helfe da nicht unbedingt weiter. Stattdessen wird Mehl in den Ofen gegeben. Wird dieses braun und nicht schwarz, können die Brote in den Ofen, so Wieseke.

Aber beim zweiten Versuch klappte alles und die 30 bis 60 Brote, die die Männer für die Feste spenden, konnten von den Landfrauen noch beim Erntefest 1996 verkauft oder als Schmalzstullen angeboten werden. Seitdem gibt es kein Dorffest mehr ohne Katerbower Buschofenbrot, ein Sauerteigbrot, das  pur oder mit Zwiebeln erhältlich ist. Doch nur zu solchen Anlässen feuert Ludwig sein historisches Schmuckstück an. "Der Ofen soll mich überleben." Da wegen der Pandemie das für September geplante Fest zum 660. Geburtstag des Dorfes ausfällt, wird er in diesem Jahr jedoch kalt bleiben.

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