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Studie
Unfallzahlen für E-Scooter: ein Toter im ersten Quartal

Eine junge Frau unterwegs mit einem E-Scooter in Hannover.
Eine junge Frau unterwegs mit einem E-Scooter in Hannover. © Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
DPA / 01.07.2020, 11:40 Uhr - Aktualisiert 01.07.2020, 20:42
Wiesbaden (dpa) Ein Jahr nach der Zulassung der neuen E-Scooter liegen erstmals gesicherte Unfallzahlen vor: Von Januar bis März 2020 registrierte die Polizei insgesamt 251 Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden.

Laut Statistischem Bundesamt ist ein E-Scooter-Fahrer gestorben. 39 wurden bei Unfällen mit sogenannten Elektrokleinstfahrzeugen schwer und 182 leicht verletzt.

"Noch spielen E-Scooter im Unfallgeschehen somit eine vergleichsweise geringe Rolle", berichten die Statistiker am Mittwoch in Wiesbaden. Im gleichen Zeitraum gab es beispielsweise 12 700 Fahrradunfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. 52 Fahrradfahrer kamen dabei ums Leben, 2052 wurden schwer und 10 431 leicht verletzt.

E-Scooter sind seit 15. Juni 2019 in Deutschland zugelassen. Die Polizei erfasst Unfälle mit diesen Fahrzeugen gesondert, aber erst seit dem 1. Januar 2020. Die Nutzer müssen Fahrradwege nutzen oder auf der Straße fahren, die Nutzung der Gehwege ist verboten. Die Gefährte dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell sein. Einen Führerschein braucht man nicht.

Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hält die aktuellen Unfallzahlen für nicht besonders aussagekräftig: "In der Wintersaison werden die Scooter ohnehin kaum genutzt und als es dann in der zweiten Märzhälfte wärmer wurde, kam der Corona-Lockdown." Für das geringe Verkehrsaufkommen seien die Unfallzahlen sogar vergleichsweise hoch.

Langsam komme der Scooterverkehr wieder in Schwung, sagt der Experte. Deshalb müsse man mindestens das gesamte Jahr 2020 abwarten, um zu beraten, ob oder wie weitere Sicherheitsmaßnahmen durchgesetzt werden müssten. Dazu könnten eine Blinkerpflicht, ein Mindestalter der Nutzer von 15 Jahren oder der Nachweis einer Mofaprüfbescheinigung gehören, sagte Brockmann.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte zum Start der E-Scooter vor einem Jahr für eine "echte zusätzliche Alternative zum Auto" etwa für die "letzte Meile" von Zuhause zur Bahnstation oder vom Bus zum Büro geworben. Inzwischen würde allerdings knapp jeder zweite Bürger E-Scooter am liebsten wieder aus dem Straßenverkehr verbannen. In einer repräsentativen Umfrage vom Mai im Auftrag des Tüv Rheinland sprachen sich 47,4 Prozent dafür aus, dass den Elektro-Tretrollern die Straßenverkehrszulassung entzogen werden sollte.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-629400/3

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