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Quellort Nennhausen im Havelland
Undine jetzt eine moderne Berlinerin

"Undine" kommt am 2. Juli in die Kinos.
"Undine" kommt am 2. Juli in die Kinos. © Foto: Website/Plakat
René Wernitz / 01.07.2020, 13:05 Uhr - Aktualisiert 02.07.2020, 09:08
Rathenow (MOZ) Im westlichen Havelland verpasst Nennhausen womöglich die denkbar gute Chance, nun groß raus zu kommen. Bislang gibt es keine Initiativen im Dorf, mit denen Kinopublikum an die literarischen Wurzeln der "Undine" geführt werden könnten. Das deutsche Liebesdrama "Undine" läuft am 2. Juli an.

Schon als die "Undine" 200 wurde, hatte das Nennhausen nicht sonderlich bewegt. Im Park des dortigen Schlosses soll der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) im Jahr 1811 das Märchen niedergeschrieben haben. Anfang des 19. Jahrhunderts waren Schloss und Park häufig Zielort romantisch veranlagter Freunde des Ehepaars Fouqué, darunter Berliner wie Wilhelm von Humboldt.  Wo noch heute die Sprache auf einen "Märkischen Musenhof" kommt, ist damit das Schloss in Nennhausen gemeint.

Der Dichter hatte 1803 in zweiter Ehe sozusagen  in den Ort eingeheiratet. Er verbrachte dort seine schöpferisch besten Zeiten.  Zu seinen Freunden zählte das Paar auch den Schriftsteller E.T.A. Hoffmann, dessen musische Begabung  sich nicht zuletzt in den Kompositionen für die 1816 in Berlin uraufgeführte Zauberoper "Undine" offenbarte.  Das Libretto hatte Fouqué persönlich beigesteuert.

Die aktuelle "Undine" von Regisseur Christian Petzold ist eine moderne Berlinerin, eine Frau mit Füßen. Das zu betonen, ist wichtig. Bei einem Filmprojekt des Jahres 1992, Regie führte Eckhart Schmidt, hatte "Undine" eine Schwanzflosse wie eine Nixe. Hier wurden offenbar Motive von Fouqués "Undine", die überhaupt keine Nixe ist, und dem 1837 von Hans Christian Andersen geschriebenen Märchen "Die kleine Meerjungfrau" vermengt. Tatsächlich soll Andersen durch Fouqués Werk inspiriert gewesen sein. Regisseur Petzold, dessen Karriere Mitte der 1990er Jahre begann, ist also näher dran am Original. Für ihre Titelrolle hat Schauspielerin Paula Beer bei den 70. Internationalen Filmfestspielen Berlin im Februar 2020 einen Silbernen Bären als beste Darstellerin erhalten.

Insbesondere Berliner, die nun  an die "Undine"-Quelle gelangen wollten, würden im Dorf Nennhausen (bei Rathenow) eine Anlaufstelle im Alten Gärtnerhaus finden, sofern die dortige Dauerausstellung sonntags wieder öffnen würde. Friedrich de la Motte Fouqué steht im Mittelpunkt, die "Undine" fehlt freilich nicht. Noch ist man sich beim Betreiber der Schau,  dem Heimatverein Nennhausen, uneins darüber, wann wieder geöffnet wird. Laut Gemeindebürgermeisterin Brigitte Noel wird das nicht vor Ende Juli der Fall sein. Derweil ist "Undine"-Romantikern die Website www.schloss-nennhausen.de zu empfehlen.

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