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Corona
Neue Herausforderung durch Hygienevorschriften in Bad Freienwalde

Steffen Göttmann / 22.07.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 22.07.2020, 13:05
Bad Freienwalde (MOZ) Wir haben pro Objekt ein bis vier Stunden Mehraufwand", sagt Katrin Pegel-Klocke, Inhaberin der Gebäudereinigung Katrin Pegel in Bad Freienwalde. Die verschärften Hygienevorschriften gelten vor allem für Schulen, Kitas und Arztpraxen in  Bad Freienwalde und Eberswalde. Die 45 Mitarbeiter, überwiegend Frauen, sind in beiden Städten Zuhause.

"Nach der Schließung der Schulen kam der erste Schock", sagt Katrin Pegel-Klocke. Sie musste acht Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Als die Notbetreuung begann, konnte sie sie jedoch zurück holen. Inzwischen haben alle mehr als genug zu tun. Auch wenn die Räume nur von wenigen Schülern benutzt wurden, setzte die Reinigung in vollem Umfang wieder ein. Mit der Falkenberger Unternehmensberaterin Anja Kaminski und ihrer Firma bcb Bildungscontrolling & Beratung erstellte Katrin Pegel-Klocke ein Hygienekonzept und arbeitete es mit den Trägern weiter aus. "Wir desinfizieren täglich Stuhllehnen, Tische, Fensteroliven, Türklinken, Handläufe und komplette WC-Anlagen", zählt die Firmeninhaberin auf. In Kitas seien während der Mittagsruhe Zwischenreinigungen der Toiletten erforderlich.

Reinigungsbranche gewinnt an Bedeutung

Als Mutter von zwei Schülern hofft sie, dass die Desinfektion erhalten bleibt, weil in den Schulen im Winter Norovirus und Magen-Darm-Erkrankungen grassieren. Mehr Einnahmen habe sie durch den Mehraufwand zunächst nicht. Der Preis für die Arbeitsleistung sei geblieben.

"Ich bin meinen Mitarbeitern dankbar, dass sie diesen Mehraufwand mittragen", betont sie. Ihre größte Sorge sei gewesen, dass Mitarbeiter an Corona erkranken oder Angst haben, sich zu infizieren. "Doch alle haben mitgezogen, denken mit und überlegen, wie sie die Aufgaben am besten lösen", lobt die Chefin. Viele seien älter als 50 Jahre. Sie statte sie mit Handdesinfektionsmittel und Schutzmasken aus, die sie nicht tragen können, aber nicht müssen.

Die Reinigungsbranche gewinne an Bedeutung. "An Gesundheitsberufe wie Krankenschwestern, Altenpfleger denkt jeder, nicht aber an Reinigungskräfte, ohne die gar nichts geht", so Katrin Pegel-Klocke.  Der Job sei  besser bezahlt, als viele denken. Der Lohn für Unterhaltsreinigung liege bei 10,55 Euro pro Stunde. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern", fügt die Firmeninhaberin hinzu. Die Personalnot betreffe alle Reinigungsfirmen in der Region. Sie verstehen sich daher nicht als Konkurrenten, sondern als Mitbewerber, die sich sogar gegenseitig helfen, wenn jemand plötzlich ausfällt.

Preisanstieg bei Desinfektionsmittel und Toilettenpapier

Von den Materialengpässen war die Firma nicht überrascht worden, weil Katrin Pegel-Klocke immer auf Vorrat einkauft. Sie hatte genug Toilettenpapier und Desinfektionsmittel auf Lager. Jedoch sieht sie sich jetzt mit drastischen Preiserhöhungen konfrontiert.  Desinfektionsmittel koste 10 bis 30 Prozent mehr, Schutzmasken um bis zu 600 Prozent.

Katrin Pegel-Klocke ist gelernte Hotelfachfrau, die durch ihre Eltern den Einstieg in die Reinigungsbranche fand. Sie hat ihr Unternehmen 1999 gegründet. Ihr Vater als Meister und ihre Mutter stehen ihr zur Seite. Mutter Roswitha Pegel holt Aufträge aus Berlin. Dort übernimmt der Familienbetrieb Baustellenreinigungen.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

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