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Tierschutz
Storchen-Familie in Berkenbrück bekommt Futter per Lieferservice

Anke Beißer / 26.07.2020, 17:32 Uhr - Aktualisiert 26.07.2020, 18:04
Berkenbrück (MOZ) Es ist ein Schauspiel, das den stillen Beobachter in bewunderndes Staunen versetzt. Auf dem Horst nahe der Berkenbrücker Dorfstraße steht ein Jungstorch und beobachtet die Umgebung. Als sich Vater Storch auf den Giebel eines nahen Hauses setzt, beginnt der Nachwuchs mit seinen Flugübungen über dem Nest.

Es sieht aus wie ein wilder Tanz und irgendwie will man ihm zurufen: "Trau dich vom Rand, mach den Schritt ins Leere und flieg, du kannst das!" Das Geflatter scheint aber doch noch zu kräftezehrend. Der Jungstorch beendet nach vielleicht zehn Minuten das nachmittägliche Übungsprogramm. Der Vater sitzt derweil noch immer in Sichtweite gegenüber und beginnt sich zu putzen. Also macht es ihm der Nachwuchs nach. Ob es nur so scheint oder wirklich so ist, den Beobachtern ist es egal, ihnen gefällt die Vorstellung.

Nach Akt 1 des Trainings und Akt 2 der Säuberung folgt Akt 3: Hunger. Und da kommen die Familien Gallasch und Wruck, die am Fuße des Horstes ihre Grundstücke haben, und der Angelsportverein "Die Berkenbrücker" ins Spiel – und mit ihnen die Geschichte, die sich um den Altstorch und sein Junges rankt.

Am 3. Juni war vom Storchenpaar nur ein Elternteil zum Nest zurückgekehrt. Bei einem Unfall mit einem Auto war – wie nachträgliche Untersuchungen ergaben – die Storchenmutter so schwer verletzt worden, dass sie von einem Polizisten mit dessen Dienstwaffe erlöst werden musste. Für den Vater hieß es nun, sich alleine ums Futter für sich und den Nachwuchs zu kümmern. Ein Küken warf er daraufhin aus dem Nest. Der Artenschutzbeauftragte des Landkreises Oder-Spree, Lutz Ittermann, und der Storchenbeauftragte, Holger Westenberger, überlegten nun, ob es eine sinnvolle Hilfe geben könnte. Ein Bassin in der Nähe des Horstes, regelmäßig befüllt mit maximal 15 Zentimeter großen Fischen, sollte dem Alttier als Futterquelle dienen. Der Gedanke hinter dem Angebot: Der Storch muss nicht so lange und so weit weg fliegen, um genug Nahrung zu finden und kann sich somit auch um den Schutz des verbliebenenKüken kümmern. Schließlich fehlte der Partner, um sich die Aufgaben zu teilen.

Angler bringen Ukeleis vorbei

Schnell war der Kontakt zu den Anglern hergestellt, der Vereinsvorsitzende Dietmar Aurich wohnt gleich gegenüber. Der Storchenhorst ist seit jeher auch für seine Familie stets einen neugierigen Blick wert – der am besten aus dem Dachfenster gelingt. Seit 6. Juni teilt sich der 64-Jährige mit seinen Vereinskollegen Thomas Merten und Wolfgang Hohn die tägliche Lieferung von vielleicht 30 bis 40 Ukeleis und kleinen Plötzen aus der nahegelegen Spree. Etwa eineinhalb Stunden dauert es, bis die Ration geangelt ist. Auch andere Berkenbrücker und Urlauber haben laut Aurich immer mal wieder mitgeholfen. "Der Altstorch hat unser Angebot schnell begriffen und nimmt es sehr gut an." Es sei eine Freude zu sehen, dass alles so gut geklappt hat.

Zurück zum Akt 3: Hunger. Die Angler schütten ihre Fische in einen auf dem Grundstück von Markus Gallasch bereit gestellten Eimer. In der Regel kümmert er sich dann abends – manchmal auch zweimal am Tag – um die Fütterung. Der Horst steht auf einer großen Wiese im Garten. Am Fuße des Pfahles ist eine Wanne platziert. Der 38-Jährige füllt die Fische dort hinein. Dann dauert es gar nicht lange und ein wunderbares Naturerlebnis spielt sich ab. Der Jungstorch gibt quiekende Töne von sich, als wenn er seinen Vater zur Eile anspornt. Der lässt nicht lange auf sich warten, landet im Garten und stakst zum Trog. Einen Fisch nach dem anderen schlingt er  in einem gleichbleibenden Rhythmus hinunter.

Nach vielleicht 15 Stück wirkt der Hals etwas dicker. Er macht eine Pause, schüttelt sich und schafft so offenbar mehr Platz. Weiter geht es in flottem Tempo und begleitet von den Rufen des Jungstorches, der alles aus luftiger Höhe beobachtet. Nachdem der Altstorch offenbar beschlossen hat, dass er genug hat, stolziert er an den Wassergraben im hinteren Gartenteil, um nachzutrinken. "Es dauert dann meist eine Weile, bis er zur Fütterung hoch auf den Horst fliegt", erzählt Gallasch.

"Wenn der Jungstorch jetzt das Fliegen lernt, stellen wir den Lieferservice ein", kündigt Aurich an. Auch er ist von dem Schauspiel begeistert: "So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Anfang Juni wurde eine Storchenmutter bei einem Unfall mit einem Auto schwer verletzt und musste erlöst werden.  Der Vater warf eines der beiden Küken aus dem Nest. Damit er aber genug Futter hat und dem verbliebenen Jungen Schutz bieten konnte, kümmern sich seither Mitglieder des Angelsportverein „Die Berkenbrücker“ um die tägliche Fischration. Der Jungstorch macht inzwischen Flugversuche und ist prächtig gediehen.
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