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Naturschutz
FÖJ bei NABU und dem Förderverein Döberitzer Heide

Mathies Ledwig zeigt das Jakobs-Greiskraut auf der Streuobstwiese des NABU bei Falkensee. Früher galt es als Heilkraut, es sollte reinigend und verdauungsfördernd sein. Davon ist heute abzuraten.
Mathies Ledwig zeigt das Jakobs-Greiskraut auf der Streuobstwiese des NABU bei Falkensee. Früher galt es als Heilkraut, es sollte reinigend und verdauungsfördernd sein. Davon ist heute abzuraten. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 31.07.2020, 16:06 Uhr
Falkensee Die Sonne meint es gut an diesem Tag, kaum eine Wolke schützt die fleißige kleine Schar vor der intensiven Wärme. Man könnte durchaus meinen, die Schafe machen es besser. Sie haben sich im Schatten eines besonders alten Obstbaumes versammelt und ruhen, kauen wieder und schauen sich dabei um. In der Luft liegt ein Surren und Schwirren und Zirpen, die Streuobstwiese im Dyrotzer Luch, zwischen Falkensee und Rohbeck, ist ein Paradies für Insekten.

Seit 2015 entwickelt und pflegt der NABU Osthavelland das rund 10 Hektar große Areal, das ursprünglich von der Deutschen Bahn AG als Ausgleichsfläche angelegt wurde. Bereits ein Jahr zuvor hatte der NABU das Gelände entdeckt, idyllisch zweifellos, doch der Fläche fehlte lange die pflegende Hand. Der NABU entwickelte ein Konzept für die Fläche, erfasst seitdem die dort lebenden Pflanzen- und Tierarten und schneidet die Obstbäume. Im vergangenen Jahr wurden 50 weitere Obstbäume gepflanzt.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Europa, mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten können in diesen Lebensraumtyp vorkommen. Kürzlich hieß es mal wieder Arbeitseinsatz auf der Streuobstwiese. Mit dabei: Mathies Ledwig aus Brieselang. Der 19-Jährige absolviert gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) beim NABU und dem Förderverein Döberitzer Heide, die sich beide diese Stelle teilen.

Mathies Ledwig will Biologie studieren und dafür kommt ein solches Jahr ganz recht. Er wollte sich nach dem Abitur erst einmal umsehen, sagt er. Als er erfuhr, dass die Möglichkeit zur Naturarbeit in gleich zwei dem Naturschutz verhafteten Institutionen in seiner Nachbarschaft möglich ist, habe er sich sofort beworben. Seit September letzten Jahre ist er nun dabei und sagt: "Es war eine gute Entscheidung."

Ledwig, der sehr gern fotografiert und sich bestens in der Vogelwelt auskennt, durfte an einem Vogel-Monitoring teilnehmen. Das wäre für ihn beste Ereignis in diesem Jahr gewesen. Vögel kann man auch gut auf der Streuobstwiese beobachten. "Bachstelze, Wendehals und Neuntöter sind hier zu sehen", sagt er, schaut sich um und weist auf einem der Zaunpfähle. "Da ist Einer", sagt er und erläutert, dass der Neuntöter seinen Namen nicht unbegründet trägt. Insekten, die er gefangen hat, spießt er auf Dornen auf. Auch Fasane haben sie hier schon beobachtet und Füchse mit Jungen, Rehe und Hasen.

Heute wird die Wiese gemäht, die Obstbäume sollen am Fuß von Gräsern befreit werden und ganz wichtig, dass Jakobs-Greiskraut (auch als Jakobs-Kreuzkraut bekannt) herausreißen. Die zur Familie der Korbblütler gehörende Pflanze ist in allen Teilen giftig - auch für die Schafe, die hier weiden. Um die Tiere zu schützen, muss die gelb blühende Pflanze sorgfältig entfernt werden.

Die Arbeit in der Natur mag Ledwig. Allerdings könne es im Winter auch hart sein. Egal wie das Wetter ist, die Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe des Fördervereins Döberitzer Heide wollen gefüttert sein. Beim NABU dagegen war der Winter den Arbeiten am Computer vorbehalten, erzählt Ledwig.

Ab dem 1.September wird wieder ein FÖJler/in gesucht. Drei Tage die Woche werden dabei in der Döberitzer Heide verbracht. Neben dem Füttern der Tiere und deren Pflege steht die Landschaftspflege auf dem Programm. Handwerkliches Geschick wäre gut, sagt Ledwig, denn es werden auch Reparaturarbeiten an Zäunen und Ställen durchgeführt. Bei Veranstaltungen wird geholfen und bei der Büroarbeit unterstützt. Büro- und Verwaltungsarbeiten erwarten den FÖJler auch die zwei Tage wöchentlich beim NABU. Hier werden die Fachgruppen unterstützt und man ist bei Veranstaltungen, Fachvorträgen und Exkursionen dabei.

Die Betreuung der Kindergruppe gehört auch zu den Aufgaben. Der NABU, sagt Michaela Börgemann, Pressesprecherin beim NABU Osthavelland, freut sich über frische Idee und eigenständige Entwicklung und Durchführung von Projekten, besonders rund um die Mitgliedergewinnung. Bewerbungen an: www.ljr-brandenburg.de/freiwilligendienste.

Ledwig sagt, für ihn hat sich dieses Jahr sehr gelohnt und es wird ihm auch bei der Suche nach dem Studienplatz helfen. Auf diese Art Bekanntschaft mit dem Arbeitsleben zu machen, sei ebenfalls von Vorteil. "Für mich hat es meinen Berufswunsch noch einmal gefestigt", sagt er. Auf der Streuobstwiese mit den 150 Obstbäumen kann der NABU Hilfe gebrauchen, sagt Börgemann. Besondere Fachkenntnisse braucht es dafür nicht. Mehr dazu auf www.nabu-osthavelland.de.

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