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30 Jahre Brandenburg
Welche Tugenden Henry Maske an seinen Landsleuten schätzt

Mathias Hausding / 01.08.2020, 03:45 Uhr - Aktualisiert 01.08.2020, 07:43
Potsdam (MOZ) Eine der letzten Ehrungen zu DDR-Zeiten konnte der gefeierte Olympiasieger nicht persönlich entgegen nehmen. Ende 1989 holte Henry Maske zum dritten Mal in  Folge den Titel "Sportler des Jahres im Oderbezirk", aber als er ausgezeichnet werden sollte, saß der Boxer in Manila fest.

Gemeinsam mit dem ebenfalls zu ehrenden Axel Schulz übrigens. Nach einem Turnier auf den Philippinen mussten sie dort eine Woche länger als geplant ausharren, weil der Flughafen der Hauptstadt wegen eines Putschversuchs gesperrt war.

Zeit zum Nachdenken

Der damals 25 Jahre alte Maske, erfolgreicher Halbschwergewichtler und Oberleutnant der Nationalen Volksarmee, hatte also viel Zeit, über die Veränderungen in der Heimat und über seine persönliche Entwicklung nachzudenken, wie er später in einem Interview erzählte. Nach seiner Rückkehr traf er eine Entscheidung: In die Welt hinausziehen und doch der heimischen Scholle verbunden bleiben. Im Frühjahr 1990 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, wohnte aber noch mehrere Jahre im Mehrfamilienhaus in Frankfurt (Oder).

Einmal Brandenburger, immer Brandenburger, hieß es fortan für ihn. Als er längst schon nahe Köln lebte, kehrte Henry Maske immer wieder in die Mark zurück. Mal besuchte er junge Boxer, um ihnen Mut zuzusprechen und Sponsoren aufzutreiben, mal war er Schirmherr für ein Sportfest.

Und wie blickt der 56-Jährige heute auf seine Heimat und die hiesigen Menschen, die sich gerade auf die Feierlichkeiten für 30 Jahre Brandenburg vorbereiten? "Ich bin gerne weiterhin Brandenburger, auch wenn ich woanders lebe", sagt der frühere Box-Weltmeister im Gespräch mit dieser Zeitung.

"Damit beschreibt man ein Stück weit seinen Charakter: Lieber handeln als viel reden und immer bodenständig bleiben. Das sind die Brandenburger. Nicht lange lamentieren, sondern machen. Und wenn wir uns auf dem Weg korrigieren müssen, dann tun wir das einfach."

Bei McDonald´s ausgestiegen

Dieses Umsteuern ist dem "Gentleman", wie er wegen seines Kampfstils und seines Auftretens genannt wurde, immer wieder gut gelungen. Nicht nur im Wendeherbst 1989, als er sich sehr früh für den Abschied vom Amateursport und den Start einer Laufbahn als Profi entschied. Auch nach seiner Karriere, als er dem Boxsport den Rücken zukehrte und einen völlig neuen Weg als Schnellrestaurant-Betreiber einschlug, bewies er Mut und Entschlusskraft.

Inzwischen hat er nach 20 Jahren auch dieses Kapitel abgeschlossen. Ende 2019 verkaufte er seine McDonald´s-Filialen. Seit einiger Zeit hält er regelmäßig Vorträge und strebt als TV-Experte zurück an den Boxring. Letzteres wurde aber durch die Corona-Krise erstmal ausgebremst.

Ihm sei klar, dass es nach der Wende für viele Menschen in Brandenburg deutlich schwieriger war als für ihn, sagt er. Aber Land und Leute hätten insgesamt einen sehr guten Weg genommen. "Ich glaube, die Mehrheit stimmt mir zu, wenn ich sage: Niemand darf sich vernachlässigt fühlen, weil er wegen seiner Ost-Herkunft keinen besseren Start haben durfte." Über die Wende und den Aufbau des Landes Brandenburg meint er: "Wir hatten 1989 eine unfassbare, glückliche Situation. Auch in der Folge sind mehr gute als kritische Dinge geschehen."

Einst zwei Bezirke, nun ein Land

Der 1964 in Treuenbrietzen geborene Maske hat in Kindheit und Jugend an mehreren Orten gelebt, die heute zusammengehören, damals aber noch nicht. "Ich bin aus der Nähe von Potsdam, habe dann in Frankfurt (Oder) gelebt, zu DDR-Zeiten zwei unterschiedliche Bezirke. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass es jetzt ein Land Brandenburg gibt. Wenn man mich fragt, wo ich herkomme, kann ich das immer sehr genau sagen: Ich bin aus Brandenburg. Das ist großartig."

Jedes der neuen Länder sei seinen Weg gegangen und stehe vor besonderen Herausforderungen, sagt Henry Maske. Er denke da auch an die Landtagswahlen vor knapp einem Jahr und die hohen Stimmenanteile für die AfD: "Aber die Masse hat sich glücklicherweise anders entschieden. Darauf kann Brandenburg stolz sein: Dass am Ende eine Mehrheit sagt, nein, so weit gehen wir nicht mit." Eine Minderheit bleibe eine Minderheit, auch wenn sie laut ist.

Vor zehn Jahren, zum damaligen runden Landesjubiläum, wurde Henry Maske und zwölf weiteren Personen in Potsdam der Verdienstorden des Landes verliehen. Es war ein für ihn typischer Auftritt. Matthias Platzeck, seinerzeit Ministerpräsident, würdigte den früheren Boxer als "Botschafter Brandenburgs", der sich in der Mark außerdem im Rahmen mehrerer Projekte für benachteiligte Jugendliche engagiere. Und Maske antwortete: "Im Kreise der Menschen, die hier ausgezeichnet wurden, fühle ich mich klein. Sie haben in ihrem Leben weit mehr möglich gemacht als ich bisher."

Appell für mehr Optimismus

Sich selbst nicht in den Vordergrund drängen, auch eine Brandenburger Tugend. Und doch appelliert Maske zum jetzigen Jubiläum an seine Landsleute, ruhig etwas selbstbewusster zu sein. "Die Brandenburger haben ein schönes Land, mit einer Hauptstadt, auf die sie stolz sein können. Und wir haben vieles, das auch für andere interessant ist. Ich kenne genug Menschen in den alten Bundesländern, die in den vergangenen Jahren mit großer Freude Brandenburg für sich entdeckt haben", sagt Maske.

"Ich wünsche mir Optimismus, der vom eigenen Mitanpacken kommt. Wir sollten nicht darauf schauen, was der Nachbar tut oder nicht tut. Wir sollten Verantwortung nicht allein dem Vorgesetzten zuschieben, sondern uns als Teil des Teams begreifen." Der Erfolg Brandenburgs hänge von der Leistung eines jeden Einzelnen ab.

Vom Olympiasieg bis zum Bundesverdienstkreuz

Rechtsausleger Henry Maske begann seine Karriere in Jüterbog, wo er als Siebenjähriger sein erstes Boxtraining absolvierte. Über Ludwigsfelde wechselte er schließlich nach Frankfurt (Oder), wo er auf seinen späteren Erfolgstrainer Manfred Wolke traf. Nach einer Silbermedaille bei seinen ersten Weltmeisterschaften 1986 holte er zwei Jahre später in Seoul den Olympiasieg. Nach der Wende wechselte er ins Profilager. Ab 1993 war er fünf Jahre lang ununterbrochen Weltmeister im Halbschwergewicht. Zehnmal verteidigte er in dieser Zeit seinen Titel. Henry Maske wurde ein gesamtdeutsches Sportidol mit einem Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung von 97 Prozent. Im Jahre 2001 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. ⇥mat

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