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Ausflugstipp
Von Hohenfinow in die Welt

Andrea Linne / 02.08.2020, 03:00 Uhr
Hohenfinow (MOZ) Dass Hohenfinow nur gut 530 Einwohner hat, stört manchen. Noch viele Familien mehr würden gern ein Häuschen bauen oder die Kinder nachholen. Aber das Dorf zwischen Finowkanal und Kienberg als höchster Erhebung im Ort kann sich durchaus sehen lassen.

Zum Amt Britz-Chorin-Oderberg gehörig laufen die Amtsgeschäfte allesamt fern vom Gemeindebüro im historischen Fachwerkgebäude, dem wegen seiner Lage so bezeichneten Quer- oder Doppelstubenhaus mit einer originalen Schwarzen Küche.

Die Schlüsselgewalt freilich hat der ehrenamtliche Bürgermeister Ronny Püschel, der seit 2017 im Amt ist. Wenn die Corona-Zeit vorüber ist und auch die Gemeinderatssitzungen wieder stattfinden dürfen, sagt der Geschäftsführer einer Immobilien- und Hausbaufirma, werde auch das schöne Gebäude wieder mehr genutzt. Aktuell öffnet es sich einzelnen Besuchern, die sich am besten vorher anmelden, wenn sie des Weges kommen. Dann lässt sich auch ein Blick in die Schwarze Küche erhaschen, beeindruckend gut erhalten im sanierten Armenhaus.

Hohenfinow gehört zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne. Schlendert man durch den Ort, wird auch klar, wieso. Der Anger ist mit alten Linden bestanden. Die Kirche, die oberhalb liegt, besteht aus Feldsteinmauerwerk und wurde als dreischiffige Pfeilerbasilika mit Westturm, Chor und halbkreisförmiger Apsis vor 1250 erbaut. Inzwischen konnte durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten einschließlich der originalen Ausmalung von 1904, wie es auf der Internetseite des Amtes heißt, "der Glanz wieder hergestellt werden".

Der Ort ist von jeher landwirtschaftlich geprägt. Auch heute versuchen ambitionierte Oberbarnimer, die Felder zu bewirtschaften.

Der Gutshof in Hohenfinow kann sich sehen lassen und wurde teils liebevoll saniert. Dennoch steht die Wurst- und Fleischproduktion im Vordergrund. Mit der Produktion in Bad Freienwalde und Läden in Eberswalde sowie Hohenfinow sind die Wurstspezialitäten weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Wenn auch der Laden in Hohenfinow gerade nicht geöffnet hat, so geht der Verkauf doch weiter.

Doch auch die Straußenzucht mit Hofladen am Liebenstein und die ökologische Landwirtschaft der Biogärtnerei am Wegesrand ziehen bewusst lebende Besucher an. Sie versorgen sich mit frischen Produkten und bedienen sich an Ständen oder in Hofläden. Das hat sich längst herumgesprochen.

In touristischer Sicht hat Hohenfinow ebenso einiges zu bieten. Unweit der Wiesen, auf denen die Strauße grasen und ihr weiches Gefieder schütteln, liegt eine große Streuobstwiese. Die Apfelbäume hängen voll, der Pächter kann sich freuen. Die nahe Obstpresse kann Arbeit bekommen. Der Blick öffnet sich weit übers Oderbruch hinaus in Richtung Bad Freienwalde und lässt erahnen, wie die Landschaft einst entstanden ist. Aber auch die historischen Wassermühlen in Karlswerk oder Struwenberg sind Abstecher wert. Am Bahnhof, der Niederfinow heißt, aber zu Hohenfinow gehört, macht sich der Vorplatz schön. Nur die alten Gebäude, längst in Privathand, harren einer Entwicklung. Dabei liegt die Idylle vor der Tür mit Finowkanal und dem Blick auf den beeindruckenden Stahlkoloss des Schiffshebewerks.

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bietet Abwechslung. Angler sitzen an der Finow, Kleingärtner bewirtschaften ihre Beete. Der Hohenfinower selbst pflegt den Friedhof, der unbedingt einen Besuch lohnt, oder ackert im Vorgarten. Überall blüht es.

Demnächst wird im Kindergarten gearbeitet. Wie Püschel sagt, soll die Küche erneuert werden, dafür wird auch die Sommerpause genutzt. Es folgen neue Lampen am Bahnhofsvorplatz. In den 35 gemeindeeigenen Wohnungen, die von der Hewowi Heckelberg bewirtschaftet und verwaltet werden, gibt es auch hier und da etwas zu tun. Mit L29 und B167 ist der Ort gut erschlossen. An Wochenenden nutzen Motorradkolonnen die anspruchsvolle Strecke, was viele Anrainer sichtlich nervt. Das Thema steht regelmäßig auf der Agenda.

Info zur Grabkapellevon Bethmann-Hollweg

Die Grabkapelle Bethmann-Hollweg liegt in Hohenfinow. Sie wurde im Auftrag des Gutsbesitzers Felix von Bethmann-Hollweg erbaut und 1901 fertiggestellt. Wie der Friedhof von 1866 lohnt ein Spaziergang auch entlang der sanierten, rot geklinkerten Friedhofsmauer. Die Wege sind gepflegt. Die Grabkapelle wurde für den früheren Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg errichtet, dessen Amtszeit als Reichskanzler von 1909 bis 1917 reichte. Weitere Familienmitglieder sind in seiner Nähe begraben. Die Familie Bethmann-Hollweg unterhielt in Hohenfinow einen Großbetrieb mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und betrieb eine Brennerei und eine Ziegelei. Von Bethmann-Hollweg führte zeitweise seine Regierungsgeschäfte von hier aus.⇥li

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