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Afrikanische Schweinepest
Uckermark-Jäger erlegen doppelt so viele Wildschweine

Obwohl die Jäger schießen, was die Flinte hält, ist der Bestand an Sauen in der Uckermark weiterhin sehr hoch. Die Afrikanische Schweinepest steht dicht an der deutschen Grenze. Übertragen wird sie auch durch Wildschweine. Deshalb sind Jäger angehalten, so viele Tiere wie möglich zu schießen, um die Gefahr einzudämmen. (Symbolbild)
Obwohl die Jäger schießen, was die Flinte hält, ist der Bestand an Sauen in der Uckermark weiterhin sehr hoch. Die Afrikanische Schweinepest steht dicht an der deutschen Grenze. Übertragen wird sie auch durch Wildschweine. Deshalb sind Jäger angehalten, so viele Tiere wie möglich zu schießen, um die Gefahr einzudämmen. (Symbolbild) © Foto: Lino Mirgeler
Oliver Schwers / 02.08.2020, 15:05 Uhr - Aktualisiert 02.08.2020, 16:42
Prenzlau (MOZ) Es erscheint wie ein Wunder: Die afrikanische Schweinepest hat bisher einen Bogen um Deutschland und auch um die Uckermark gemacht.

Obwohl sie in Polen bis kurz vor die deutsche Grenze gekommen ist, gab es entlang der Oder noch keinen Fall auf deutscher Seite. Dabei ist die Gefahr enorm durch Lastwagen aus Richtung Osten und vor allem durch ein Überlaufen von infizierten Wildschweinen. Die Tierseuche ist zwar für den Menschen ungefährlich, doch die wirtschaftlichen Folgen wären fatal.

Prämien als Anreiz

Um das Risiko zu minimieren, sollen die Wildschweinbestände weiterhin deutlich reduziert werden. Dafür gibt es sogar Prämien. Die Jäger leisten seit Monaten ganze Arbeit. Sie schießen, was die Flinte hält. Nach Abschluss des Jagdjahres liegen jetzt die Zahlen vor: Die Strecke erlegter Schwarzkittel ist von 8324 Stück im Jahr 2018/19 auf jetzt fast 12 000 Stück gestiegen. Im Vergleich zu 2016/17, das als normales Referenzjahr herangezogen wird, hat sich die Zahl erlegter Wildschweine damit verdoppelt. "Die Jäger sind sehr fleißig", sagt Karsten Stornowski, Beigeordneter der Landrätin. "Und sie sind auch der Aufforderung nachgekommen, Proben zu liefern."

Für jedes über der Zahl von 2016/17 erlegte Wildschwein zahlt der Staat eine Abschussprämie. Der Landkreis hat übergangsweise noch eine Pürzelprämie draufgelegt. Den Pürzel mussten die Jäger als Nachweis vorlegen. Aktuell sind 164 000 Euro an Prämien ausgezahlt worden.

Doch scheint verrückt: "Wir haben immer noch einen Riesenwildbesatz", so die Einschätzung von Karsten Stornowski, der über die Jagdbehörde mit vielen Jägern und Waldeigentümern in Verbindung steht. "Unabhängig von der stark vergrößerten Strecke haben sich die Sauen trotzdem erheblich vermehrt." Sie sind überall zu sehen und zu spüren. Er selbst hat an einem Freitagnachmittag eine Rotte von etwa 15 Stück über die Schwedter Querfahrt schwimmen sehen. Jäger berichten von großen Rotten im Wald mit bis zu 40 Tieren. Also wird weiter geschossen. Das ganze Jahr über. Denn die Gefahr der Einschleppung in die Uckermark ist aufgrund der geografischen Lage enorm hoch. Und die Oder stellt für die Wildschweine kein Hindernis dar. Die Abschussprämie bleibt bestehen. Auch die sonst fällige Gebühr für die Trichinenuntersuchung müssen Jäger derzeit nichts bezahlen. Sinnvoll wäre nach Stornowskis Ansicht eine permanente Pürzelprämie, um weiterhin einen Anreiz zu schaffen und den hohen Bestand zu reduzieren.

Der angekündigte Wildzaun entlang der Grenze hat die Uckermark keineswegs erreicht. Er soll bislang nur in den Regionen errichtet werden, wo die Schweinepest bis dicht an die Grenze herangerückt ist. Muss die Uckermark jetzt allein handeln und auf eigene Kosten einen Zaun bauen? "Der Ausbruchsort auf polnischer Seite ist noch zu weit von uns entfernt", sagt Stornowski. "Ein Zaun hat nur einen Sinn, wenn alle Regionen mitmachen." Es soll aber Schwierigkeiten mit den Eigentumsverhältnissen geben. Doch der Dezernent wehrt ab: "Man könnte den Zaun am Deichfuß aufstellen. Der befindet sich im Eigentum des Landes."

Aufkaufpreise schwanken

Die Behörden hoffen nun auf die Geduld der Jäger, auch wenn die Aufkaufpreise für Wildschweinfleisch stark variieren. Tendenziell ist der Erlös gesunken, hängt jedoch auch von der abgelieferten Qualität ab. "Bei einer Treibjagd leidet die Qualität", erklärt Karsten Stornowski. "Der Einzelschuss ist schonender."

Möglicherweise hat auch die Aufklärung von Lkw-Fahrern dazu beigetragen, dass die Tierseuche noch nicht hier ist. Denn sie kann einfach über weggeworfene und vom Wild aufgenommene Essensreste an Autobahnen übertragen werden. Hier läuft seit Jahren schon eine Kampagne der Bundesregierung, um das einzudämmen.

Afrikanische Schweinepest

In mehrerenBundesländern werden bereits Wildschutzzäune entlang der deutschen Grenze errichtet. Damit soll ein schnelles und weiteres Ausbreiten der Tierseuche verhindert werden. Sie ist hoch ansteckend. Befallene Wild- oder Hausschweine verenden in der Regel. Die Übertragung erfolgt entweder durch direkten Kontakt oder durch betroffene Gegenstände, Fahrzeuge, Ausrüstung von Jägern oder durch Essensreste. Gerade die achtlos weggeworfenen Speisereste sollen das höchste Einschleppungsrisiko darstellen. Daher hat die Bundesregierung bereits vor mehreren Jahren eine Kampagne gestartet, die sich vor allem an Auto- und Fernfahrer richtet. Tritt die Seuche auf, muss ein Sperrkreis eingerichtet werden. Das ist mit enormen Auflagen für Tierhalter und betroffene Anwohner verbunden. Bei einem Auftreten in einem Haustierbestand müssen alle Schweine sofort getötet werden. Das hat große wirtschaftliche Folgen.⇥os

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Ursula-Anne Ochel 03.08.2020 - 09:36:03

Flinte/Büchse

Schwarzwild wird in der Regel mit der Büchse erlegt, nicht mit der Flinte.

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