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Neues Leben für das Schloss

Bernhard Schwiete / 12.05.2010, 08:04 Uhr
Groß Rietz (In House) Von außen schon seit mehr als zehn Jahren wieder ein Schmuckstück, geht auch im Innern des Schlosses Groß Rietz die Sanierung voran. Weiterhin unklar ist aber, wie und vor allem wie regelmäßig das Anwesen künftig genutzt wird.

Manch sehenswertes Detail des mehr als 300 Jahre alten Schlosses Groß Rietz liegt zurzeit im Verborgenen. Eine Tischlerei aus Fürstlich Drehna hat die gesamte dreiarmige Treppenanlage des Schlosses verhüllt wie einst der Künstler Christo den Berliner Reichstag. Die Treppe selbst ist bereits fertig saniert, und bei den weiteren Arbeiten soll sie nicht beschädigt werden. Mehrere der im Geländer fehlenden Docken wurden nach- und eingebaut, auf etwa einem Meter Länge wurde die alte dunkle Bemalung aus dem Barock wieder freigelegt. Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung war allein damit mehrere Tage beschäftigt.

„Die alte Farbe überall wieder freizulegen, wäre viel zu aufwendig“, sagt Karola Kobe. In der Regie der Architektin aus Bergfelde bei Oranienburg liegt die gesamte Sanierung, die derzeit stattfindet. Regelmäßig kommt sie daher nach Groß Rietz, um sich mit den ausführenden Handwerkern zu besprechen. Sie kennt sich aus mit solch einer Materie. Mit der Brandenburgischen Schlösser GmbH aus Potsdam, in deren Besitz sich das Schloss Groß Rietz befindet, arbeite sie schon seit mehr als zehn Jahren zusammen, sagt sie. Auch das Schloss in Steinhöfel sei nach ihren Plänen saniert worden.

Als Vorbild für Groß Rietz taugt Steinhöfel indes nur bedingt. Die genaue Nutzung des Anwesens in Groß Rietz ist zwar noch offen – aber Hotel, Restaurant und Café wie in Steinhöfel wird es definitiv nicht geben. Wolfgang Illert, Geschäftsführer der Schlösser GmbH, verweist auf die Anordnung der Räume in Groß Rietz. „Es gibt in beiden Etagen keinen Korridor, sondern nur Durchgangszimmer“, sagt er. „Daher lässt sich das Schloss nicht als Pension und auch nicht als Büro nutzen.“ Perfekt sei die Anordnung der Räume für einen Museumsbetrieb. Doch auch daran glaubt Illert nicht „Der ist immer ein Zuschussbetrieb, daher wird sich kein privater Mieter mit so einem Interesse melden.“ Zu mieten ist das Schloss für 5,50 Euro pro Quadratmeter – macht bei 
1100 Quadratmetern Geschossfläche eine monatliche Miete von gut 6000 Euro.

Also muss für Groß Rietz ein anderer Weg gefunden werden. Vorstellen kann Illert sich eine Vermietung für Einzelveranstaltungen. Die Ziele sind als Ergebnis des jahrelangen Leerstands zunächst bescheiden. „Wenn wir zehn Veranstaltungen im Jahr hätten, egal ob kommerziell oder kulturell, wäre das schon gut“, sagt der Geschäftsführer. Dann bekäme das Schloss auch überregional mehr Aufmerksamkeit, was wieder neue Mieter anziehen könnte. Das hält auch Architektin Karola Kobe für möglich. „Die Berliner werden das annehmen. Schließlich ist es nicht so weit entfernt“, sagt sie und denkt auch an Touristen, die das Schloss besichtigen.

An den baulichen Voraussetzungen für eine Vermietung wird zurzeit gearbeitet. In den Keller werden Toiletten und eine sogenannte Cateringküche eingebaut. „Dann ist auch denkbar, dass im Schloss Hochzeiten gefeiert werden. Bedingung ist lediglich, dass das Essen geliefert wird“, sagt Karola Kobe. Außerdem erhalte das Gebäude eine Hochdruckwassernebel-Löschanlage. Das erforderten die Brandschutz-Vorschriften. „Alternative wäre gewesen, eine zweite Treppe einzubauen. Das wäre aber zu aufwendig“, sagt die Architektin. Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Architektin Karola Kobe hält aber mittlerweile einen Termin 2011 für realistischer.

Erbaut wurde das barocke Schloss Groß Rietz zwischen den Jahren 1693 und 1700 für Hans Georg von der Marwitz nach Plänen des niederländischen Baumeisters Cornelius Ryckwaert. Von der Marwitz’ Enkel verkaufte das Anwesen an den preußischen Staatsminister Johann Christoph von Wöllner, der mit einer Gräfin von Itzenplitz verheiratet war. Als Ratgeber von König Friedrich Wilhelm II.
hatte von Wöllner großen Einfluss. In Groß Rietz widmete er sich der ökonomischen und ökologischen Entwicklung der Landwirtschaft. 1861 gelangten Gut und Schloss wieder in Besitz der Familie von der Marwitz, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs von den Kommunisten enteignet wurde. In der DDR beherbergte das Schloss Wohnungen und die örtliche Schule. In den 1990er Jahren wurde die rosafarbene Fassade des Schlosses restauriert. Das Objekt befindet sich in Besitz der gemeinnützigen Brandenburgischen Schlösser GmbH. Schloss Groß Rietz gilt als einer der bedeutendsten ländlichen Adelssitze Brandenburgs.

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