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Ein Dorf macht sich geburtstagsfein

Trautes Paar auf der Banke: Die Puppen am spreeseitigen Ortseingang animierten auch die beiden Globetrotter Helmut Lend (rechts) aus K÷ln und Roland Zahner (2. von rechts) aus M³nchen f³r eine kleine Pause vom Rad zu steigen.
Trautes Paar auf der Banke: Die Puppen am spreeseitigen Ortseingang animierten auch die beiden Globetrotter Helmut Lend (rechts) aus K÷ln und Roland Zahner (2. von rechts) aus M³nchen f³r eine kleine Pause vom Rad zu steigen. © Foto:
ISTOFFN / 20.06.2008, 18:30 Uhr
Kossenblatt Egal ob zu Wasser oder zu Land: Wer nach Kossenblatt kommt, kann nicht übersehen, dass hier ein großes Ereignis ins Haus steht. Mit riesigen Transparenten an den Geländern der Brücke, die die Spree überspannt, werden alle Freizeitkapitäne auf die jetzt beginnenden zwei Festwochen zum Jubiläum des Dorfes hingewiesen, auch an den Ortseingangsschildern prangt die Zahl 800. Und nicht zuletzt weisen zahlreiche geschmückte Häuser und Gärten auf die Feierlichkeiten hin.

Das Ehepaar sitzt gemütlich auf der Bank. Er hat den Zylinder aufgesetzt und sie trägt eine schicke schwarze Spitzenjacke zum geblümten Rock. Die beiden fast lebensgroßen Puppen vor dem Gartenzaun des zweiten Hauses an der rechten Straßenseite sind ein Hingucker für alle, die hier - aus Richtung Wittmansdorf kommend - durch Kossenblatt fahren oder wandern.

"Es ist schon erstaunlich", lacht Manfred Forchert, der gerade dabei ist, seinen Gartenzaun zu streichen und so die Straße im Blick hat. "Viele Autofahrer brettern hier sonst nur so durch, was das Zeug hält. Doch jetzt bremsen sie hier erst einmal ab, um unser Pärchen auf der Bank in Augenschein zu nehmen." Die beiden Figuren hat seine Frau Anette so hübsch ausstaffiert. Der Zylinder stammt noch von ihrem Urgroßvater und die Präsent-20-Hose, die der Puppenmann auf der Bank trägt, wurde von der Nachbarin spendiert.

Genau wie andere Einwohner aus dem Dorf sind auch die Forcherts vom Jubiläumsfieber in Kossenblatt erfasst. An vielen Stellen sind Zäune und Balkone mit bunten Wimpeln geschmückt, und in den Gärten stehen witzig gestaltete Figuren aus Stoff und Stroh. Auch an der Vorbereitung des großen Festumzuges, der am Sonnabend, dem 5. Juli, in 53 Bildern die 800-jährige Geschichte von Kossenblatt Revue passieren lassen wird, ist fast jede Familie aus dem Ort irgendwie beteiligt. So gehört Manfred Forchert zu denen, die das Thema Zollgrenze auf einem Umzugswagen gestalten werden. In seiner Familie gibt es einen direkten Bezug dazu. Der Urur-opa von Anette Forchert war nämlich einst der Zollmeister in Kossenblatt, und ihr Bruder wohnt heute in der ehemaligen Zollstation. Sie selbst werde einen Wagen zum Thema "Waschfrauen" gestalten, verrät Anette Forchert. In historischer Kluft sollen dann auch die beiden Enkelsöhne hochoben mit von der Partie sein. An viele Kleinigkeiten müsse da gedacht werden. "Gestern habe ich noch zwei große Tüten mit Bonbons gekauft, die wir beim Umzug an die Menge verteilen wollen", erzählt die Kossenblatterin.

Durch ihre lustigen Figuren am Gartenzaun sind die Forcherts in den letzten Tagen bereits mit verschiedenen Menschen ins Gespräch gekommen und mussten schon viele Fragen über das 800-jährige Kossenblatt und die kommenden Feierlichkeiten beantworten. Zu denen, die neugierig anhalten, gehören auch zwei Radler aus den alten Bundesländern, die kurz hintereinander hier vorbeikommen. Der 68-jährige Kölner Helmut Lend ist in Zittau aufs Rad gestiegen und will noch bis Frankfurt (Oder), und der 46-jährige Roland Zahner ist in Bayern losgeradelt. Mindestens bis in die Masuren wolle auf seiner Tour kommen. "Aber wenn ich überall so nette Leute treffe, wie hier in Kossenblatt, schaffe ich das vielleicht gar nicht", lacht er. Überhaupt ist Roland Zahner des Lobes voll über seine Begegnungen mit den Menschen im Osten Deutschlands. "Ich fühle mich wahnsinnig wohl hier", schwärmt der drahtige Mann, der nach eigenen Angaben täglich 100 bis 200 Kilometer zurücklegt und nachts unter einer Plane im Wald schläft. "Die Menschen sind unwahrscheinlich freundlich und hilfsbereit."

Nach einem ausgiebigen Gespräch, steigen die beiden Radler wieder in ihre Sättel und treten in die Pedalen. "Vielleicht sind wir ja gerade auf dem Rückweg, wenn hier der große Umzug ist", winkt Helmut Lend den Forcherts noch zu.

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