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Spremberg hadert mit Strittmatter

Erwin Strittmatter  Foto: dpa
Erwin Strittmatter Foto: dpa © Foto:
hkannenberg / 23.06.2008, 14:46 Uhr
Spremberg Streit um Strittmatter - Nach Enthüllungen über SS-Vergangenheit diskutiert die Stadt die Umbenennung einer Straße und des Gymnasiums.

Spremberg hadert mit dem Dichter Erwin Strittmatter. Nach den jüngsten Enthüllungen des Berliner Literaturwissenschaftlers Werner Liersch über Strittmatters angebliche SS-Zugehörigkeit (1912-1994) ist in dessen südbrandenburgischen früheren Heimatstadt eine heiße Diskussion entbrannt. Sollen die nach ihm benannte Straße und eine Schule umbenannt werden? Während die einen den Namen aus dem öffentlichen Straßenbild verbannen wollen, verlangen andere Beweise für die angebliche SS-Zugehörigkeit Strittmatters. Viele sind für die Beibehaltung der Namen und die Achtung des literarischen Lebenswerkes des Volksdichters. Am Montagabend wollte sich der Hauptausschuss mit dem Thema beschäftigen.

"Wir müssen nach den zahlreichen Anfragen unserer Bürger über das Problem reden", sagt der Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU). Das Stadtoberhaupt will den Stadtverordneten die Empfehlung geben, die "Strittmatter-Promenade" umzubenennen. Die zur Innenstadt führende Straße war kurz nach dem Tod Strittmatters nach dem Ehrenbürger der Stadt benannt worden.

Auch das in der Nähe befindliche Gymnasium, das Strittmatter von 1924 bis 1930 besuchte, soll voraussichtlich seinen Namen ablegen. "Darüber müsste allerdings der Landkreis als Schulträger entscheiden", erklärt der amtierende Spree-Neiße-Landrat Olaf Lalk (CDU). Der Kreisausschuss will am Mittwoch darüber diskutieren.

Inzwischen mehren sich jedoch die Stimmen, die zur Besonnenheit im Umgang mit den Enthüllungen aufrufen. "Es gibt keinen Grund, Strittmatter anders als bisher zu sehen. Wir sind alle Kinder unserer Zeit", sagt der ehemalige Spremberger Bürgermeister und Vorstandsmitglied des Erwin-Strittmatter-Vereins, Egon Wochatz (CDU).

Der rund 150 Mitglieder zählende Verein werde seinen "hochverehrten Dichter" auf seiner Jahreshauptversammlung am 28. Juni in Spremberg gegen die Vorwürfe verteidigen. Der Literat Werner Liersch werde zu einem offenen Dialog nach Bohsdorf eingeladen, wo Strittmatter seine Kindheit verbracht und die berühmte Romantriloge "Der Laden" geschrieben habe.

Für den Abiturienten des "Erwin-Strittmatter-Gymnasium" und Leiter der Spremberger Jugendband "Pentatone", Martin Lischke, ist die Diskussion völlig überzogen. "Erwin Strittmatter war ein großer Literat und man kann aus ihm jetzt nicht plötzlich einen ,Totenkopf-Mann' machen", betont der 18-Jährige.

Auch Sicht der Museumsführerin im "Laden" von Bohsdorf, Ranghild Pannusch, ist der mögliche dunkle Punkt in der Biografie ihres Onkels Erwin Strittmatter kein Anlass, mit ihm anders umzugehen. "Man sollte nicht in der Vergangenheit graben, sondern lieber an die Zukunft und sein Werk denken", sagt die 60-Jährige.

Sie glaubt nicht, dass dadurch die Enthüllungen weniger Gäste in die Erinnerungsstätte kommen. Im vergangenen Jahr kamen über 6500 deutsche und ausländische Besucher in den kleinen Krämerladen und die Strittmatter-Begegnungsstätte "Unter Eechen".

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