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Ruhestätte für 537 Kriegstote gefordert

Jörg Kotterba / 18.05.2010, 08:03 Uhr - Aktualisiert 18.05.2010, 12:06
Frankfurt (In House) Nach Ortschronist und Geschichtslehrer Rolf Haak, Historiker Günter Fromm und Medizin-Historiker Dr. Klaus Eichler macht sich nun Carsten Höft, Frankfurter Initiator der „Stolpersteine“, für die Pflege des sogenannten Russenfriedhofs am Rande der Heimkehrsiedlung stark. Dort liegen 537 Kriegstote.

„Diese 537 Kriegstoten, alles Russen, sind uns namentlich bekannt“, versicherte am Montag auf MOZ-Anfrage Rolf Haak aus dem Klingetaler Dornenweg. Der ehemalige Pädagoge ist Ortschronist in der Heimkehrsiedlung und recherchierte, dass im kleinen Wäldchen zwischen Spitzkrug-Multi-Center und seiner Siedlung auch verstorbene kriegsgefangene Serben und Rumänen liegen. „Die Italiener wurden umgebettet und fanden auf dem Friedhof Stahnsdorf ihre letzte Ruhe.“

Diese letzte Ruhe gönnen Rolf Haak und seine Verbündeten auch jenen Toten, die von 1914 bis ’18 im Kriegsgefangenenlager Gronenfelde ums Leben kamen und auf dem – wie es korrekt heißt - Friedhof der Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs begraben wurden. Sie fordern schon seit Jahren eine würdige Ruhestätte, fanden im Rathaus bisher aber noch keine Partner.

„Die Einweihung dieses Kriegsgefangenenfriedhofes erfolgte am 15. Juli 1915 unter konfessionsübergreifender Teilnahme aller Frankfurter Geistlichen – auch des Rabbiners Dr. Martin Salomonski“, recherchierte Carsten Höft. „Dort wurden Serben, Belgier, Franzosen, Briten, Italiener beerdigt – aber verstärkt Russen und Angehörige andere Völker, die in der zaristischen Armee Dienst. Je nach Religionszugehörigkeit erhielten die Verstorbenen auf ihrem Grabmahl ein Kreuz, einen Halbmond oder den Davidstern.“

Das Kriegsgefangenenlager, das sich in der heutigen Heimkehrsiedlung befand, zählte zum Endes des Ersten Weltkrieges im Oktober 1918 annähernd 
23 000 Gefangenen. Davon waren 17 327 russischer Herkunft.Carsten Höft: „Während die Gebeine der Franzosen später in ihre Heimat überführt wurden, pflegte das Deutsche Reich die anderen Gräber.“ Rolf Haak ergänzte: „Bis Ende 1944 wurde die Gräberstätte aufgrund internationaler Konventionen vom Frankfurter Gärtnereibesitzer Jäckel aus dem Dornenweg instand gesetzt und gepflegt. Er war mein Nachbar.“ Die Bezahlung erfolgte durch den Reichsfiskus. Während der 
40 DDR-Jahre verwahrloste die Gräberstätte zunehmend und die beiden imposanten Denkmale zerfielen.

Rolf Haak und Carsten Höft schlugen gestern vor, möglichst schnell mit Verantwortlichen aus dem Rathaus einen Vor-Ort-Termin zu organisieren. „Wir wollen dort nicht für wahnsinnig viel Geld einen herausgeputzten Friedhof schaffen. Aber man sollte das Gelände säubern, einfrieden, die alten Grabeinfassungen restaurieren, die Stätte mit Hinweisschildern versehen und als Kriegsgräberstätte anerkennen“, so Carsten Höft gestern. Nach Paragraph 5 des Gräbergesetztes sei das Land für die Unterhaltung und Instandsetzung zuständig, das hierfür Mittel vom Bund erhält.

Die Russische Kirche am Eichenweg und die Friedhofsreste sind die letzten Zeugen des ehemaligen Kriegsgefangenenlager Gronenfelde.

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willy 18.05.2010 - 21:07:29

Ruhestätte für 537 Kriegstote gefordert

65 Jahre nach der Zerstörung Frankfurts und nach dem Ende des 2.Weltkrieges ist es an der Zeit, über einen Gedenkstein im Zentrum der Stadt für die im 2. Weltkrieg gefallenen Frankfurter Soldaten und umgekommenen Bürger der Stadt nach zudenken. Leider gab es im April 2010 in Frankfurt(Oder) kein öffentliches Gedenken, z.B. in der Marienkirche, zur Zerstörung Frankfurts zum Ende des 2.Weltkrieges. In Cottbus und Potsdam war so etwas möglich. Ein offener und ehrlicher Umgang mit der Geschichte ist notwendig.

Roland Totzauer 18.05.2010 - 16:35:15

Geocacher lernen die Geschichte dieses "Verlorenen Ortes" seit 2008 kennen

Wer in Frankfurt (Oder) und Umgebung als Geocacher unterwegs ist, kennt die Heilandskapelle und den Kriegsgefangenenfriedhof spätestens seit 2008. Durch dieses sinnvolle Hobby werden Teilnehmer auch aus anderen Teilen Deutschlands nach Frankfurt gelockt. Der Multicache GC18VYC lädt sie alle ein, die Geschichte der sogenannten Russischen Kirche und des Friedhofs kennenzulernen. Durch dieses Spiel mit GPS-Geräten und anderen Hilfsmitteln kommen viele Teilnehmer in Gegenden und Ecken ihrer Heimat, die sie ohne dieses Hobby nie betreten würden. Die Geocacher und andere Geschichtsinteressierte hoffen, dass trotz einer geplanten Einfriedung des Friedhofs der freie Zugang zu diesem "Verlorenen Ort" auch weiterhin gewährleistet bleibt! Wer mehr zum Thema "Geocaching" wissen möchte, findet bei www.Wikipedia.de alle wichtigen Informationen und weiterführende Links.

Hubert Labarthe 18.05.2010 - 15:48:17

Ruhestâtte fûr 537 Kriegstote gefordert

Als französischer"Fremdarbeiter" wâhrend des Krieges nach Frankfurt verschleppt,habe ich dieses Bericht vorteilhaft gefunden.Nur schade dass es so spât statt findet.Trotzdem gratuliere ich Ihnen herzlich ,"mieux vaut tard que jamais"

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