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Die Frau auf der Promenade

Warten auf den Sprung ins Nass: Diese Figur einer Schwimmerin von Fritz Cremer ist auf der Oderpromenade zu entdecken.Foto: Michael Benk
Warten auf den Sprung ins Nass: Diese Figur einer Schwimmerin von Fritz Cremer ist auf der Oderpromenade zu entdecken.Foto: Michael Benk © Foto:
OGARDTN / 30.06.2008, 07:33 Uhr
(moz) "Kunst bei uns" heißt die Stadtboten-Serie, in der Skulpturen, Büsten und Wandbilder vorgestellt werden. 270 Kunstwerke stehen an Straßen und auf Plätzen der Stadt, warten darauf, bestaunt zu werden. Heute - Teil 130: Die Schwimmerin von Fritz Cremer auf der Oderpromenade.

Sie ist erstaunlich klein, die Schwimmerin, die auf der Oderpromenade sitzt. Ganz lässig und entspannt hockt sie da und wartet neben einem Blumenbeet. Die junge Frau ist nackt. Ihre Haare sind zu einem Knoten gedreht, einzelne Haarsträhnen sind in die Bronze geritzt. Denn aus diesem Material besteht die kleine Skulptur, mit den spitzen Brüsten. Seit 2003 sitzt die Schwimmerin auf der Oderpromenade und hält den Kopf leicht nach rechts geneigt. Sie schaut auf das Treiben auf der Oderbrücke, denn ganz in der Nähe steht die Figur. Die Schwimmerin sitzt auf einer Art Geländer und stützt sich mit der rechten Hand ab. In der linken hält sie ein Handtuch. Die Beine hat sie untergeschlagen, den Bauch zieht sie ein.

Die Schwimmerin ist ein Werk des bekannten Bildhauers Fritz Cremer (1906-1993), der unter anderem das Buchenwald-Denkmal schuf, aber auch die Büste von Karl Marx in Frankfurt. Seit 1979 ist die Stadt Frankfurt im Besitz der Schwimmerin 24 880 DDR-Mark hat der Baustab Bildkunst, damals mit Sitz in der Oderallee, für die Bronzefigur ausgegeben. Dies belegt eine Rechnung der Galerie Am Sachsenplatz in Leipzig, die gleichzeitig als Staatlicher Kunsthandel der DDR fungierte. Neben der Schwimmerin wurden damals auch zwei Werke von Max Lachnit angeschafft - die Auschwitzgruppe und die Aufsteigende Gruppe.

Hans-Peter Schulz, damals Chef der Leipziger Galerie, hat den Käufern aus Frankfurt nicht nur die Rechnung geschickt, sondern bemerkt in seinem Anschreiben: "Wir danken für Ihren Ankauf und würden uns freuen, Sie gelegentlich wieder bei der Erfüllung Ihrer kulturellen und kulturpolitischen Aufgaben unterstützen zu dürfen."

Leider ist dem Archiv des Kultureigenbetriebs nicht zu entnehmen, wo die kleine Schwimmerin zwischen 1979 und 2003 stand oder ob sie in einem Depot vor sich hin wartete. Aber vielleicht können ja da unsere Leser helfen.

Fakt ist: Im Juni 2003 wurde die junge Dame nach Schöneiche in eine Werkstatt für Kunstguss gebracht, weil sie repariert werden musste und eine neue Verankerung aus Edelstahl brauchte. Übrigens: Die Galerie Am Sachsenplatz untergebracht im historischen Fregehaus, Katharinenstraße 11, in Leipzig gibt es immer noch.

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