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Hamburgs Hommage an Immendorff

 "Malleraffen" von J÷rg Immendorff : Die Ausstellung "Immendorff - Sein grafisches Lebenswerk und Skulpturen" zeigt bis zum 10. August insgesamt 650 Exponate des verstorbenen K³nstlers. Foto. dpa
"Malleraffen" von J÷rg Immendorff : Die Ausstellung "Immendorff - Sein grafisches Lebenswerk und Skulpturen" zeigt bis zum 10. August insgesamt 650 Exponate des verstorbenen K³nstlers. Foto. dpa © Foto:
10.07.2008, 17:32 Uhr
Hamburg "Es ist eine persönliche Hommage an mein Künstleridol", sagt Dirk Geuer. Nur mühsam kann der 38-Jährige dabei seine Tränen zurückhalten. Vor 18 Jahren habe er den 2007 verstorbenen Künstler Jörg Immendorff kennengelernt und ihn seither "in all seinen Facetten" erlebt. Mit der Ausstellung "Jörg Immendorff - Sein grafisches Lebenswerk und Skulpturen" will Geuer nun "Danke an eine großartige Zusammenarbeit sagen". Darin stecke nicht nur sein Herzblut, sondern auch all das, was ihm Immendorff mitgegeben habe. Die retrospektive Schau öffnet am Freitag (11. Juli) im Congress Centrum Hamburg (CCH) ihre Pforten.

Immendorff verbindet viel mit der Hansestadt. In den 80er Jahren gehörte ihm die legendäre Kneipe "La Paloma" im Stadtteil St. Pauli. Wirtschaftlich eher ein Wagnis, passte sie zum Selbstverständnis des Malers, der sich selbst als rebellischen Künstler sah. Im "La Paloma" trafen sich Künstler und Kiezgrößen - und stets mittendrin der 1945 in Bleckede bei Lüneburg geborene Immendorff. Für Hamburg schuf er das Hans-Albers-Denkmal (1985). Im Mai 2007 starb er im Alter von 61 Jahren an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS.

Geuer war Herausgeber und langjähriger Verleger von Immendorff und konzipierte mehr als 40 seiner Ausstellungen. Danach wollte der Künstler ein "temporäres Museum" schaffen. Er wollte einen Raum für die Kunst gestalten und nicht die Kunst in die Beschränkungen eines bestehenden Museums einbringen, wie Geuer betont. Demzufolge entsprächen der individuelle Parcoursbau, die Ausleuchtung und enge Hängung im CCH, selbst die schlichte Rahmung der Werke exakt den Vorgaben Immendorffs, die er noch für eine frühere Ausstellung in Mainz definiert habe.

Die Hamburger Schau zeigt bis 10. August auf etwa 2300 Quadratmetern knapp 650 Exponate des Joseph-Beuys-Schülers, darunter 340 Grafiken, 40 Skulpturen, 250 Stempeldrucke sowie rund 50 dokumentarische Fotos.

Dabei sind alle wesentlichen Werkzyklen und Phasen zu sehen und kunsthistorisch mit begleitenden Texten und Führungen aufbereitet. Die Schau beinhaltet laut Geuer "das ganze Leben Immendorffs - von den ersten Bildern von 1968 bis 2007 zu seinem Tod, von der ersten bis zur letzten Grafik". Es sei die gesamte Schaffenskraft "so umfangreich wie noch nie zuvor auf der Welt" zusammengetragen worden.

Ein Schwerpunkt im grafischen Werk liegt auf den Zyklen zu Immendorffs berühmtesten Motiven "Café Deutschland", "Café de Flore" und "The Rake's Progress". Zudem sind einige spektakuläre Höhepunkte zu entdecken wie der größte, jemals erschienene Linolschnitt "Langer Marsch auf Adler".

Ferner werden erstmals die 2,80 Meter hohen Bronze-Skulpturen "Tropfenmann" und "Wächter" von 1989 gezeigt. "Wächter", 380 Kilogramm schwer, entstammt einer kleinen Auflage von nur sechs Exemplaren. "Tropfenmann", 360 Kilogramm schwer, ist die letzte legitimierte Skulptur Immendorffs und wurde nach einem Holzmodell aus den 80er Jahren gefertigt. Außerdem ist Immendorffs Grafik-Portrait des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) erstmals in einer Ausstellung zu sehen.

Es handelt sich Geuer zufolge insgesamt um Arbeiten, in denen sich Immendorff kritisch mit politischen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzte. "Er war ein Stück weit ein Revolutionär. Und er blieb bis zuletzt unbequem", beschreibt Geuer. Immendorff habe die Gabe besessen, Schwingungen von Situationen aufzunehmen und Probleme sichtbar zu machen.

Die Schau, die aus 25 Leihgebern gestaltet ist, wird vom ersten Werkverzeichnis für Immendorff überhaupt begleitet. Im Anschluss werden die Stücke nach Südamerika gehen. Für 2012 ist eine Präsentation in Israel geplant.

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