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Schwarznuss als Touristenmagnet

BARANDTN / 18.07.2008, 07:00 Uhr
Grunow-Dammendorf Die höchste gemessene Walnuss im Land Brandenburg steht in Gransee. Sie ist 19,60 Meter hoch. Doch sie hat starke Konkurrenz bekommen: In Siehdichum wurde eine Schwarznuss entdeckt, die glatte 27 Meter hoch ist. Sie soll künftig als ein Schlaubetaler Tourismusmagnet genutzt werden.

Als im Herbst vergangenen Jahres ein Sturm wütete, zog er auch Stiftswälder in Siehdich- um in Mitleidenschaft. In der Nähe des Gasthauses Forsthaus Siehdichum fand eine Kettenreaktion statt: Der Sturm riss eine zirka 300 Jahre alte Eiche um. Sie fiel auf zwei weitere Bäume, die auf einen anderen Baum stürzten. Als sich Forsthaus-Geschäftsführer Norbert Krause den Schaden besah, hat er zunächst gedacht, dass der zuletzt betroffene Baum eine Akazie sei. Nach Rücksprache mit Revierförster Jens Pannwitz stellte sich heraus, dass dieser Riesenbaum eine Schwarznuss ist.

Doch Freilegen verbot sich zunächst - ein Wespennest zeigte sich. "Erst im Frühjahr haben wir das tun können. Dafür ein Dankeschön an das Amt für Forstwirtschaft Müllrose", so Krause.

Der Schwarznussbaum, lateinisch Juglans nigra, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Walnussgewächse. Und die Walnuss ist der Baum des Jahres 2008. Das höchste gemessene Exemplar in Brandenburg steht in Gransee. Es ist 19,60 Meter hoch, hat in 1,30 Metern Höhe einen Umfang von 2,26 Metern, der astfreie Stamm, der sogenannte Zwiesel, ist 2,26 Meter hoch. Damit kann die Siehdichumer Schwarznuss locker mithalten: Sie ist 27 Meter hoch, hat in 1,30 Metern Höhe einen Umfang von 3,75 Metern, der Zwiesel ist 2,96 Meter hoch. Wie Krause in Erfahrung gebracht hat, steht in Brandenburg nur noch eine weitere Schwarznuss - in Chorin.

Da das natürliche Verbreitungsgebiet der Schwarznuss in der Osthälfte der USA liegt, stellt sich die Frage, wie sie in Siehdichum gelandet ist. Norbert Krause vermutet, dass daran Oberförster Wilhelm Reuter "schuld" ist. Er soll sie um 1900 aus Nordamerika mitgebracht haben.

Diese Vermutung hat auch Gudrun Hänschen, Buchautorin und Vorsitzende der Heimatgruppe Schernsdorf. 36 Jahre lang war Reuter Oberförster in Siehdichum. Kurz nach der Wende hat seine hochbetagte Enkelin Siehdichum besucht und bestätigt, dass ihr Großvater in Nordamerika war.

"Dr. Melnik aus Eberswalde hat das allerdings angezweifelt. Er meinte, ein Oberförster hätte sich diese Reise von seinem schmalen Gehalt niemals leisten können. Aber mit der Zeit glaube ich selbst daran, dass Reuter auf Reisen war", sagt sie. Sie bezieht sich dabei auf die in Siehdichum stehenden Exoten wie Roteichen, riesige Douglasien oder die Hemloktannen. "Reuter hat einfach versucht, die Monokultur der Kiefernwälder aufzulockern", denkt Gudrun Hänschen. Zum anderen sei bekannt, dass die Fläche Richtung Schwarznuss früher eine feine Parkanlage mit Wegen gewesen sei.

Reuter hat schon damals eine enge Zusammenarbeit von Jägern, Fischern und Förstern angemahnt. So sagte er 1883 bei einer Versammlung des Märkischen Forstvereins in Peitz: "Jägerei, Fischerei und Waldpflege reichen sich die Hand, sie füllen die freien Stunden außerhalb der trockenen Schreiberei mit interessanten Abwechslungen und laden zum öfteren Besuch des Waldes freundlich ein. Den Herren kann ich deshalb nicht genug die Fischzucht und Fischerei loben, Ihnen empfehlen, dass sie Teiche anlegen und die trocken gelegten Brücher bewässern, die Abzugsgräben zuwerfen lassen, das wichtige Wasser halten, wo es nur möglich ist." (Gudrun Hänschen "Hier sieh Dich um! Wanderungen entlang der Schlaube")

Doch was nun tun mit dem Schatz? Norbert Krause hat eine Idee: Die Schwarznuss soll touristisches Highlight werden. Er möchte den noch teils sichtbaren Wanderweg zum Baum wieder freilegen, ordentlich aufräumen und ausschildern, damit viele Touristen etwas von dieser Sehenswürdigkeit haben.

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