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"Arbeitsbiene" immer noch am Ball

DSTULPEN / 28.07.2008, 19:15 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 13:45
Kathrin Lietz, geborene Stauber, hat sich vor ihrem heutigen 40. Geburtstag "aus dem Staube" gemacht. Sie weilt mit der Familie für zwei Wochen zum Urlaub in Dänemark.

"Das hat aber nichts zu tun mit dem Wiegenfest." Fast entschuldigt sich "Staubi". "In der Ferienzeit sind wir meist an der Nordseeküste, machen unter anderem mit der Familie des Ex-Handballers Gerald Glief Urlaub, wandern viel, spielen Volleyball oder sind auf Inlineskatern unterwegs." Die Ex-Handballerin des ASK und FHC galt "immer als fleißige, zuverlässige Arbeitsbiene", urteilt der langjährige Cheftrainer Manfred Förster (70). "Geschätzt wurde Kathrin wegen ihrer ruhigen, zurückhaltenden Art. Sie stellte sich nie in den Vordergrund, machte aber jeden Spaß mit."

Die Abwehr-Organisatorin und Kreismitte-Spielerin ist gebürtige Berlinerin, wuchs in Dahlwitz-Hoppegarten auf, begann im Strausberger Trainingszent- rum mit dem Handball. 1982 kam sie an die Frankfurter Sportschule, hatte mit 17 Jahren ihren "Einstand" in der ersten Frauen-Mannschaft des ASK. "Das war bei der FDGB-Pokalendrunde in Frankfurt (Oder). Da kam mir das Verletzungspech von Marika Hoffmann-Ahrens zu Hilfe. Ich hatte zwar immer mit der ,Ersten' trainiert, bis dahin aber nur in der ,Zweiten' gespielt."

Die Wende-Saison 1989/90 mit vier Titeln für den ASK war auch für Kathrin Stauber-Lietz die erfolgreichste. Die Frauen um Katrin Krüger-Mietzner, Bianca Urbanke, Sybille Wagner und Wencke Fürst krönten das Jahr mit dem Gewinn des IHF-Cups im Finale gegen Spartak Kiew. Neben dem sechsten DDR-Meistertitel und dem fünften FDGB-Pokal triumphierten die Oderstädterinnen beim erst- und letztmalig ausgetragenen Deutschland-Cup: Der Ost-Champion ASK schlug den West-Meister TV Lützellinden 18:17 und 22:16, obwohl fünf Stammspielerinnen sowie das Trainergespann Dietmar Rösicke und Wolfgang Pötzsch den Klub in Richtung Westen verlassen hatten. "Das war dem ,Heute-Journal' sogar eine Meldung wert", erinnert sich Kathrin Lietz an die damals unverhoffte Frauen- Handball-Würdigung im Fern- sehen.

1990 bescherte den ASK-Akteuren Katrin Krüger-Mietzner, Kathrin Stauber, Marika Ahrens, Karen Heinrich und Manuela Kelm noch einmal Bronze. Bei der WM in Südkorea besiegte die DHV-Auswahl im innerdeutschen Duell um Platz drei die DHB-Vertretung. Es war jenes Jahr, in dem "Staubi" den ein Jahr älteren Michael Lietz heiratete.

Über die Zwischenlösung BFV als ASK-Nachfolger und nach Fusion mit Blau-Weiß wurde 1994 der FHC gegründet. Nach einigen Trainerwirren gab´s 1997 endlich wieder Erfolge im Frauen-Bereich zu vermelden. Der FHC gewann u. a. mit Wencke "Schnecke" Fürst, Bianca Urbanke-Rösicke, Cindy Käding, Grit Heinrich und Sandra Degenhardt den Euro-City-Cup. Die Abwehrchefin und Kreismitte-Spielerin Kathrin Lietz gehörte selbstverständlich dazu. Aber im Herbst nahm sie eine Babypause, Sohn Tilmann war unterwegs. "Endlich wollte ich mir den lang gehegten und immer wieder verschobenen Kinderwunsch erfüllen." Für sie feierte Weltmeisterin Katrin Krüger-Mietzner als 38-Jährige ein viel beachtetes Comeback auf dem Handballparkett.

Nach der zweiten Babypause und einem Kurzintermezzo beim Freizeitsportverein "Space Bowl" mit Angela Vetter, Wencke Fürst und Cindy Käding ließ sie beim FHC II die leistungssportliche Karriere ausklingen. Am Ball freilich ist Kathrin Lietz weiterhin - als ausgebildete Grundschul-Lehrerin an der Allgemeinen Förderschule in Beeskow. "Sport gehört dazu, auch das Fach LER. Manchmal muss man auch in Deutsch oder Mathe aushelfen, aber Lehrer müssen eben vielseitig sein!"

Zu Briesen, wo der FHC II seine Heimspiele austrug, hat sie immer noch einen guten Draht. "Amtsdirektor Stumm hat ein Herz für den Sport und für Kinder, will sie im Ort halten. Deshalb ist da das Sporttreiben im Verein kostenlos." Kathrin Lietz leitet dort eine Handball-Arbeits- gemeinschaft der 2. bis 6. Klassen, betreut rund 25 Mädchen und Jungen der AK 7 bis 12. Tochter Nele (8) ist dabei. "Mit Charlotte Leischner konnten wir jetzt sogar ein Mädchen an die Frankfurter Sportschule schicken", freut sich die Übungsleiterin - ehrenamtlich, versteht sich.

"Aus alter Verbundenheit zu Angela Vetter" spielt sie einmal wöchentlich Volleyball und Fußball (mit Kindern) im Booßener Verein, schmettert auch im Wohnort Pillgram den Ball über´s hohe Netz. "Das ist mehr ein Alte-Leute-Sport, macht aber Spaß", grient die 40-Jährige.

Kathrin Lietz: geboren am 29. Juli 1968 in Berlin, aufgewachsen in Dahlwitz-Hoppegarten, kam über das Trainingszentrum (TZ) Strausberg 1982 zur Frankfurter Sportschule, machte dort das Abitur, spielte bis 1997 insgesamt 15 Jahre für den ASK und FHC; WM-Dritte 1990, 31-Auswahleinsätze (26 Tore). Die ausgebildete Grundschul-Lehrerin ist an der Allgemeinen Förderschule Beeskow tätig, seit 1990 verheiratet mit dem Ex-Handballer Michael Lietz, hat zwei Kinder: Tilmann (10) und Nele (8). Die Familie wohnt seit sechs Jahren in Pillgram. Sie leitet in Briesen eine Handball-Arbeitsgemeinschaft (AK 7 bis 12) und spielt einmal wöchentlich in der Sportgemeinschaft Booßen Volleyball und Fußball (mit Kindern).

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