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„Johnny Chicago“: Jakob Hein schreibt Stück für Kurt Krömer

Das „Johnny-Chicago“-Team: Autor Jakob Hein, Darstellerin Inka Löwendorf, Komiker Kurt Krömer und Oscar-Preisträger Jochen A. Freydank als Regisseur (von links)
Das „Johnny-Chicago“-Team: Autor Jakob Hein, Darstellerin Inka Löwendorf, Komiker Kurt Krömer und Oscar-Preisträger Jochen A. Freydank als Regisseur (von links) © Foto: SABINE BRINKER/plotpoint
Ulrike Buchmann / 25.05.2010, 17:24 Uhr
Berlin (In House) „Krömer muss Krömer bleiben, keine Verkleidungen, keine Doktorsketche“, so wehrte sich Alexander Bojcan alias Kurt Krömer mal gegen Vereinnahmungsversuche. Jetzt hat ein Doktor dem Komiker ein Stück auf den Leib geschrieben und Krömer spielt mit. Er wird nicht nur Krömer, sondern auch der unsterbliche „Johnny Chicago“ sein. Ein vom Gemüt her eher unaufgeregter Typ, der Jesus Christus noch von Mensch zu Mensch kennengelernt hat und heute feststellt, dass Unsterblichkeit einfach nicht reicht, um ein Star zu bleiben.

Am Dienstag haben an der Berliner Volksbühne die Proben begonnen. Krömer war eine Stunde zu früh da, in Strickjacke, wild gemustertem Schlips und bequemen Cordhosen. „Ich kann pünktlich sein. Und ich kann auch Texte auswendig lernen“, verrät er. Theaterbühnen sind ihm nicht fremd, auch wenn ein waschechter Krömer brav zu Hause bleibt. An der Berliner Schaubühne sah man ihn 2007 in Thomas Ostermeiers Inszenierung „Roomservice“. Er liebt es, als Schauspieler angesagt zu werden. Vielleicht weil er als kichernder Hospitant aus einer Schauspielschule einst achtkantig rausflog.

Ab 22. Juni ist das Unikum, dessen Fernseh-Shows beim RBB und im ARD-Nachtprogramm Kult sind, an der Volksbühne zu sehen. „Warum ick det mache? Geldgier!“, sagt Krömer und lässt seinen leichten Silberblick kess kreisen. Etliche Kollegen würden schon gar keine Filme mehr drehen, weil am Theater so unglaublich viel Geld fließe, schiebt der TV-Star stoisch-spitz nach. Zehn Aufführungen während der Fußballweltmeisterschaft – wenn auch an den spielfreien Tagen – da kommt am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz gewiss Goldgräberstimmung auf.

Autor Jakob Hein („Herr Jensen steigt aus“) freut sich vorsichtshalber auch auf die „schöne Chance, mal wieder so richtig zu scheitern“, darin liege das „einzig Wahre einer künstlerischen Existenz“, sagt der promovierte Psychiater. Sein Vater ist der Schriftsteller Christoph Hein. Für das Bühnenprojekt „Johnny Chicago“, sein erstes Theaterstück, hat Jakob Hein sich in der Charité frei genommen. Er wird auch selber mitspielen, als Talkmaster.

Regie führt Jochen A. Freydank (Spielzeugland). „Krömer sagte, er macht’s nicht unter einem Oscar-Preisträger. Da musste ich zusehen, einen Oscar zu kriegen, um hier mitmachen zu dürfen“, verrät Freydank ohne mit der Wimper zu zucken und bezeichnet sich als den einzigen Humorfreien im Team. Hein und Freydank sind seit langem befreundet. „Da ist eine Art Grundvertrauen“, begründet Hein, warum er Freydank schon als Regisseur haben wollte, als vom Oscar noch keine Rede war.

Klar wurde irgendwann auch, dass wenigstens eine Frau mitspielen muss. Das wird Inka Löwendorf (Gute Zeiten – Schlechte Zeiten) sein, auch wenn ihre Text menge noch verhandelt wird. Jakob Hein glaubt zwar, sein Stück sei (seit fünf Jahren) fertig, doch Krömer hofft, „dass sich dit ändert“. Natürlich soll er improvisieren dürfen. Das ist seine Stärke.

Nur Überlängen, wie an der Volksbühne üblich – „dem perfekten Haus zum Thema Scheitern“ (Löwendorf), soll es nicht geben. Die hätten sich bei Stücken mit komödiantischem Hintergrund nicht bewährt, begründet Jochen A. Freydank dies ganz ernst und fachmännisch.

Premiere 22. Juni, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin-Mitte, Kartentelefon: 
030 24065777

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