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Zum Kicken gänzlich ungeeignet

© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Melanie Reinsch / 11.06.2010, 08:21 Uhr
Eberswalde (In House) Manche Studenten ziehen einfach nur ihr Programm durch bis sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Andere wiederum nutzen die Chancen, die ihnen Professoren und Studium bieten. So einer ist Sebastian Neuhaus. Der gelernte Möbeltischler konstruierte im Rahmen seines Holztechnik-Studiums an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde ein Möbelstück, das zur Fußball-Weltmeisterschaft passt, wie die Faust aufs Auge oder der Ball ins Tor. Seit Weihnachten hat er an seinem Fußballcouchtisch gebastelt und gewerkelt, nun ist der Tisch fertig und kann sich mehr als sehen lassen.

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten. Der Fußball, den Student Sebastian Neuhaus aus Eberswalde gebaut hat, ist auch rund. Nur hat er dafür nicht 90 Minuten, sondern 
450 Stunden gebraucht. Außerdem ist er auch nicht aus Leder, sondern aus Holz, 30 Kilogramm schwer und daher zum Kicken ziemlich ungeeignet.

Aber das war auch niemals seine Mission. „Ich studiere Holztechnik an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und wir mussten im sechsten Semester ein Möbelstück entwerfen“, sagt Neuhaus. Einzigartig und anmutig sollte es sein, so die Aufgabenstellung des Seminars.

Diese Vorgaben hat der 24-Jährige wohl zu 120 Prozent eingehalten, denn was dabei heraus gekommen ist, beeindruckt wohl nicht nur eingefleischte Fußballfans: Der Student konstruierte einen Fußballcouchtisch mit zwei Hockern in Form von Fußbällen, die aus 20 Sechsecken und zwölf hölzernen Fünfecken bestehen – zweifarbig, wie bei einem echten Fußball eben. Das Ahorn- und Buchenholz für sein praktisches Kunstobjekt hat sich Neuhaus aus der Region schicken lassen.

Der obere Teil des Balltisches ist aufklappbar und passend zum Thema lüftet der Couchtisch unter einer Milchglasscheibe, die man an einem Gewinde hochschrauben kann, sein Geheimnis: Eine beleuchtete Mini-Bar, die der Fußballfan vor dem Spiel nach Belieben mit Gläsern und Getränken füllen kann. Das Scharnier zum Aufklappen des Tisches musste er sich extra in Holland anfertigen lassen. „In Deutschland wollte mir das keiner für den Preis bauen“, so Neuhaus.

Natürlich ist die Oberfläche des Tisches wasserabweisend, denn ein Bier ist bekanntlich schnell mal umgefallen. Obwohl der Student versucht hat, die Ausgaben möglichst gering zu halten, liegen die Materialkosten bei etwa 800-1000 Euro. „Der Verkaufswert des Prototyps ist allerdings unbezahlbar, bei der Arbeit, die ich da reingesteckt habe“, so Neuhaus. Der würde bei etwa 20 000 Euro liegen, schätzt er. Gesponsert habe das Material allerdings sein Professor, der ihn bei der Arbeit unterstützt hat.

Aber das Möbel soll kein Einzelstück bleiben, denn Neuhaus steht schon in Verhandlung mit einer Firma, die sein Designobjekt gerne in Serie bauen möchte. „Auf keinen Fall soll das auf Ikea-Basis laufen und zum Massenprodukt werden“, betont er. „Ich will davon gar nicht reich werden.“

Die künftigen Käufer müssen dann aber schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Für etwa 6000 Euro können sie sich aber mit dem „Neuhausschen Design“ ihr eigenes kleines Fan-Wohnzimmer einrichten, denn die Couchtischgarnitur kann auch ganz individuell – zum Beispiel in Vereinsfarben – gestaltet werden.

„Die Farbe der Hölzer und Polster kann man sich selbst aussuchen, auch die Glasplatte und die Größe der Hocker und des Tisches“ sagt der gelernte Möbeltischler, der nach seinem Studium weiterhin in diesem Bereich arbeiten möchte.

Ganz Geschäftsmann hat sich Neuhaus sein Werk schon patentieren lassen. Damit seien Farbe, Form und Design geschützt. 70 Euro würde dieses so genannte „Geschmacksmuster“, ein Mini-Patent, für fünf Jahre kosten. Dann müsse es erneuert werden. Bis dahin hat er vielleicht auch sein größtes Problem gelöst: „Durch die lange Bearbeitungszeit hat sich das Massivholz ausgedehnt und die Maße haben sich geändert. Ich hatte am Ende Schwierigkeiten, die einzelnen Sechsecke wieder zusammenzusetzen.“

Zum Glück ist alles rechtzeitig zur heute Nachmittag beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft fertig geworden. Denn der Tisch erhält natürlich einen Ehrenplatz in der Wohnung von Sebastian Neuhaus. Und so kann er heute Abend das erste Spiel – Südafrika gegen Mexiko, Anpfiff um 
16 Uhr – schon von seinem eigenen Fantisch aus gucken und seinen Kommilitonen und Freunden dazu ein paar Getränke aus seiner Mini-Bar kredenzen.

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