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Wie das Ehrenamt den Lebensabend schöner machen kann

Gibt Einblicke in ihr Leben: Doris Gläsing ist eine von sechs Protagonisten der kleinen Ausstellung.
Gibt Einblicke in ihr Leben: Doris Gläsing ist eine von sechs Protagonisten der kleinen Ausstellung. © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 14.04.2016, 06:15 Uhr
Berlin (MOZ) "Sobald Du auf Rente bist, machst Du was mit Menschen", nahm sich Doris Gläsing schon früh vor. 38 Jahre hatte die Schönebergerin im Archiv der Bundesanstalt für Arbeit eher mit Akten zu tun. Nun genießt sie es, Rentner, die nicht so fit sind wie sie, auf Bus- und Dampferfahrten zu begleiten. "Ich bin einfach auf die Leiterin der Seniorenfreizeitstätte zugegangen und habe sie auf das Ehrenamt angesprochen", erzählt die 67-Jährige. Im Rathaus wurde dazu noch jemand für den Geburtstagsdienst gebraucht.

Nun besucht Doris Gläsing auch Jubilare, bringt Grüße und einen Strauß vorbei, fragt, was sie sich wünschen. "Manche haben keine Familie, da kommt nicht mal zum Geburtstag jemand", erzählt die Helferin, die in Ostprignitz-Ruppin geboren ist und mit sieben Geschwistern aufwuchs.

Ihre Lebensgeschichte ist nun Teil einer kleinen Ausstellung in der Schöneberger Crellestraße. Für das Projekt "Alterscoolness - Renteneintritt bedeutet nicht unbedingt Ruhestand" hat die Fotografin und Filmemacherin Marion Schütt sechs Menschen im Alter zwischen 65 und 85 Jahren in Bild und Text portraitiert, die sich im Kolonnenkiez engagieren. "Eindrucksvoll dabei war die Offenheit, mit der sie mir begegneten, und wie unterschiedlich sie ihr Leben im Alter selbst gestalten", berichtet die Ausstellungsmacherin.

Einige Protagonisten haben sich ganz bewusst eine Aufgabe gesucht, andere kamen zum Ehrenamt wie die Jungfrau zum Kinde. "Ein Sportskamerad fragte mich, ob ich nicht mal mit meiner Klampfe ins Theater kommen könnte", erzählt Bernhard M., der kurz nach dem Krieg in der Nähe von Königs Wusterhausen geboren wurde. Durch eine schwere Knochentuberkulose verbrachte er fast seine gesamte Kindheit im Krankenhaus. Dort lernt er als Autodidakt das Gitarrespiel.

Seit dem Tod seiner Frau 2009 tritt der ehemalige Orthopädiemechaniker regelmäßig in Altersheimen und Kulturhäusern auf. Mit dem selbstironischen Seniorentheater "Altes Eisen" will der 68-Jährige bald wieder auf Tournee bis nach Paderborn fahren. "Vor dem Alter habe ich keine Angst. Nur wenn es frühmorgens hier und da irgendwo zippert, merke ich doch einen Unterschied zu früher", berichtet der Schöneberger.

"Das Alter kann natürlich eine Bürde sein, aber wenn man halbwegs gesund ist, hat es auch Vorteile, man ist abgeklärter, man weiß mehr, was man will", findet Doris Gläsing. In ihrer Jugend sei sie artig und brav gewesen. "Heute sage ich immer meine Meinung."

Dass sie schon lange sehr selbständig und viel unterwegs ist, hilft der Seniorin momentan auch dabei, den Verlust ihres Mannes zu verkraften. Als er vor sechs Wochen starb, habe sie auch jemand aus dem Netzwerk sehr unterstützt. "Manchmal hilft es schon, wenn einfach jemand da ist und zuhört", weiß Doris Gläsing. "Das, was man für andere tut, bekommt man auch zurück."

Die Ausstellung "Alterscoolness" ist noch bis zum 22. April im Museum der Unerhörten Dinge an der Crellestraße 5 - 6 zu sehen. Öffnungszeiten mittwochs bis freitags von 15 - 19 Uhr, S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke. Eintritt frei .

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