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Von Strausberg zur WM nach Schweden

Gut vorbereitet: Ariane Parusel vertritt Deutschland bei der WM.
Gut vorbereitet: Ariane Parusel vertritt Deutschland bei der WM. © Foto: Edgar Nemschok
Edgar Nemschok / 29.06.2010, 21:29 Uhr
Strausberg (In House) Die Befehle sind kurz und knapp und durchweg in englischer Sprache. „Mehr Bewegung meine Damen“ oder „Achtet auf den Ball“, lauten die Anweisungen von Jörn Meyer oder Daniel Koch, die Offensiv- bzw. Defensiv-Trainer der Football-Nationalmannschaft sind.

Dass auf dem Kunstrasenplatz des Strausberger Sport- und Erholungsparks tatsächlich Frauen in der Kluft stecken, wird erst deutlich, als sie sich zur Pause aus dieser regelrecht schälen. Zu Gast im Strausberger Sport- und Erholungspark an der Landhausstraße war die Nationalmannschaft im American Football, die sich in einem Trainingslager auf die Weltmeisterschaft in Schweden vorbereitete.

Eine Premiere für diesen Sport und auch für die deutschen Spielerinnen, erklären die beiden Brandenburger im Team der insgesamt 45 Spielerinnen. Ariane Parusel kommt aus Erkner und Anett Stahnke aus Wandlitz. Beide sind stolz und aufgeregt, denn dieses Abschlusstraining in Strausberg wird auch mit darüber entscheiden, ob sie zu den Stammspielern im Team gehören werden.

„Ich habe früher Leichtathletik betrieben“, erklärt die 19-jährige Ariane Parusel, die ursprünglich aus Blumenhagen, einem kleinen Dorf in der Nähe von Schwedt, kommt. Und sie war durchaus erfolgreich. Auf einige Titel auf Kreisebene im Kugelstoßen und Speerwerfen kann sie verweisen. Als sie dann mit ihrer Mutter Cornelia nach Erkner zog, fand sie zunächst keinen Verein, bei dem sie ihr Training angemessen fortsetzen konnte. Dafür kam sie zum Football, zu den Razorbacks Erkner. „Das war wie Liebe auf den ersten Blick. Und auch meine Mutter war sofort begeistert und sprach sogar davon, dass sie so etwas auch gern gemacht hätte“, erklärt die 19-Jährige mit leuchtenden Augen. Und so spielt sie seit 2003 diesen bei uns immer noch ungewöhnlichen Sport und gehört heute zum erfolgreichsten von insgesamt 16 deutschen Vereinen, den Berlin Kobra Ladies.

Die Kobras sind Seriensieger der 1. Bundesliga und konnten 2007, 2008 und 2009 den Titel holen. Ariane Parusel spricht mit Begeisterung von ihrem Sport, der schon im Training alles abverlangt. „Was manchmal ein bisschen behäbig aussieht, ist doch Höchstleistung. Allein die Körperspannung vor und nach jedem Spielzug ist unglaublich“, sagt sie. Dabei erklärt die junge Frau, die gerade ihr Abitur erfolgreich bestanden hat und im September eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin beginnt, dass ein mindestens genauso großer Teil des Trainings mit Theorie verbracht wird. „American Football ist wie ein Buch mit sieben Siegeln und das Regelwerk sehr komplex. Außerdem wird Englisch gesprochen und Vokabeln lernen gehört demzufolge dazu.“

Ähnlich sind die Aussagen ihrer Freundin und Mannschaftskameradin bei den Kobras Anett Stahnke, die aus Wandlitz kommt. „Ein Spiel zieht sich in den meisten Fällen bis zu drei Stunden hin, obwohl die reine Spielzeit viermal zwölf Minuten andauert.“ Die 27-jährige Physiotherapeutin sagt weiter, dass der Sport nur hart aussieht. „Wirkliche Verletzungen sind eher selten. Den einzigen Schmerz, den ich bisher hatte, war Muskelkater nach einem intensiven Training.“ Kaum zu glauben, wenn man die Geräusche vernimmt, als dann in der nächsten Trainingseinheit defensive und offensive Spieler aufeinandertreffen.

Beide Frauen sind sich einig, die Weltmeisterschaften – die Ersten für Frauen in dieser Sportart – werden ein großes sportliches Abenteuer. Sie sind allerdings auch mit einer finanziellen Belastung der Frauen verbunden. „Der Sport ist nicht ganz billig“, verrät Anett Stahnke. „Allein ein Helm kostet knapp 150 Euro und obwohl wir die deutschen Farben in Schweden vertreten, es gibt keine Zuschüsse. Reise, und alles was damit zusammenhängt, bezahlen wir aus eigener Tasche.“ Apropos Schwarz-Rot-Gold: Anett Stahnke hat sich ihre Haare passend zur WM, ausschließlich zur Football-WM, färben lassen.

Und Ariane Parusel ergänzt noch: „Wir waren vor knapp einem Jahr schon einmal hier in Strausberg zu einem Trainingslager und sind im Anschluss mit den Kobras Deutscher Meister geworden. Strausberg ist also ein gutes Pflaster.“

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Anweisung Jörn Meyer Ariane Parusel

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