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Heiße Debatte nach Bentzien-Vortrag

Elke Lang / 12.07.2010, 09:44 Uhr
Storkow (In House) Der Politiker, Publizist und Buchautor Hans Bentzien schlug im Burg-Salon des Burg-Kultur-Vereins auf, um sein Buch „Warum noch über die DDR reden? Sophies Fragen“ vorzustellen.

Sophie, das ist die Enkeltochter von Hans Bentzien, und er hätte sie gern zu seiner Veranstaltung mit auf die Burg gebracht, aber sie wollte nicht. Dort seien doch nur alte Leute, hatte sie geahnt. Tatsächlich war die Enkelgeneration unter den knapp 50 Zuhörern nur spärlich vertreten. Wer bei diesen Temperaturen gekommen war und fast zweieinhalb Stunden ausgeharrt hatte, war wirklich an dem Thema interessiert. Für diese Zuhörer erübrigte sich die Frage, ob man noch über die DDR reden solle. Sie wollen es, denn für sie sind noch lange nicht alle politischen Vorgänge geklärt, die sich in und zwischen den Lagern zur Zeit des Kalten Kriegs abgespielt haben und die in die Zeit nach der Wende bis jetzt hineinspielen.

Einige Gäste hatten das Buch zum Signieren mitgebracht, aber Hans Bentzien wollte „nichts Monotones vorlesen“, wie er ausdrücklich sagte. Es folgte in freier Rede ein geschichtlich-politischer Vortrag nach einem auch nach einer Stunde nicht abnehmen wollenden Stoß von kleinen Zettelchen, mit Hilfe derer er in nicht immer einleuchtender Abfolge von einer Frage zur anderen und von einem Begriff zum anderen sprang, um ausschweifende Antworten beziehungsweise Erklärungen zu geben.

Zu den Fragen gehörte, „Warum Eisenhüttenstadt Stalinstadt genannt wurde?“, „Woher kommt der Streit Ossi-Wessi?“, „Ist die demokratische Demokratie demokratisch?“ oder „Wie kam es zum 17. Juni?“ Bei der Frage, woher der Sozialismus kommt, ging der Historiker weit in die Geschichte zu den Idealen der Französischen Revolution mit ihren Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zurück, zu denen „als sozialistische Ergänzungen noch „Arbeit, Brot und Völkerfrieden“ gekommen seien. Bei den Begriffen, die der DDR allgemein angehängt werden, versuchte Bentzien unter anderem zu erklären, was es mit „Utopie“, „Unrechtsstaat“, „Experiment“ oder „Augenblick in der Geschichte“ auf sich hat.

Auch wenn Hans Bentzien, der von 1961 bis zu seiner Ablösung wegen angeblicher „Sabotage der Parteibeschlüsse“ 1966 Kulturminister war, durchaus Kritisches zur DDR zu sagen hatte, etwa, dass es in der DDR keine parlamentarische Demokratie gab, die Doppelregierung von Partei und Staat der größte Fehler war und vor allem „die Mangelwirtschaft uns immer begleitet hat“, tritt er glühend für das ein, was die DDR einmal erreichen wollte. Seine Quintessenz, die er am Schluss seines Buches formuliert, lautet: „Ist es nun schade um die DDR? Ja, es ist schade...“ Um das zu beweisen, hatte er weitschweifig viele Beispiele aus seinen teilweise in höchsten Regierungskreisen selbst gemachten Erfahrungen zur Hand, um mit konkreten Namensnennungen Hintergründe zu erklären, warum manches in der Politik der DDR nicht so gelaufen ist, wie es eigentlich sollte.

Das Publikum hing an seinen Lippen, was aber nicht bedeutete, dass es dem Redner unbedingt zustimmte. Es entwickelte sich ein reger Diskurs über aktuelle Fragen. Fragen, die im Vortrag nicht angesprochen wurden und über Wertungen durch Bentzien, die man so nicht hinnehmen wollte, etwa wenn er Gorbatschow als „vermeintlichen Freund“ bezeichnet und über Gauck herzieht. Noch auf dem Burghof, als der Autor schon weg war, konnten sich kleine Gruppen nur schwer trennen, so heiß waren sie in ihrer Diskussion verfangen.

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