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Partner mit der kalten Schnauze geht in Rente

Diensthund Eric (vorn)
Diensthund Eric (vorn) © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Britta Gallrein / 14.07.2010, 18:28 Uhr
Bernau (In House) Belächelt wurde Diensthundeführerin Katrin Lattenstein, als sie das erste Mal mit Eric zum Dienst erschien. „Der hat ja Locken“, witzelten die Kollegen über das Tier. Als Airdale Terrier war Eric in der Tat eine Ausnahme unter den Polizeihunden, denn die meisten Kollegen suchen sich Schäferhunde aus. Airdale Terrier dagegen sind aus der Mode gekommen.

Doch Katrin Lattenstein ließ sich nicht beirren. Die heute 38-jährige Polizistin macht seit 1986 Hundesport und das von Anfang an mit Airdales. „Sie haben den typischen Terrier-Dickkopf und brauchen eine konsequente Hand, aber sie sind sehr eifrig und mutig“, beschreibt sie die Vorzüge der Rasse.

Mutig müssen Hunde auch sein, wenn sie eine Chance bei der Polizei bekommen wollen. In der Ankaufsprüfung wird bereits getestet, wie sich die jungen Tiere verhalten, wenn jemand sie angreift. Wer die Rute einklemmt und wegläuft, hat verloren.

Eric war als Welpe wieder zum Züchter zurückgekommen, weil er einen andren Hund gebissen hatte. Der Züchter empfahl den Hund Kerstin Lattenstein und die sagte zu. Eric, damals elf Monate alt, überstand die Ankaufsprüfung und wurde für vier Wochen auf Probe angekauft.

In der Bernauer Wache sind sieben Diensthunde stationiert, zwei Rauschgiftspürhunde, ein Sprengstoffspürhund, drei Schutz- und ein Fährtensuchhund. Weil der Job des Fährtensuchers gerade frei wurde, trainierte Katrin Lattenstein Eric aufs Verfolgen von Gerüchen. „Dazu lege ich anfangs in jeden Fußabdruck ein Leckerchen“, erklärt sie das Training. „Der Hund lernt so, dass er seine Nase runternehmen und schnüffeln muss. Dann reduziere ich die Zahl der Leckerchen kontinuierlich. Am Ende bekommt er dann nur noch etwas, wenn er eine Spur erfolgreich zu Ende verfolgt hat.“

Beibringen könne man das übrigens jedem Hund. „Je verfressener, desto besser.“ Wie gut ein Hund dann am Ende wirklich wird, hänge von seinem Suchtrieb ab.

Und der war bei Eric sehr gut ausgeprägt. Der Airdale bestand alle Prüfungen mit Bravour und behauptete sich in zahlreichen Einsätzen. Er half bei der Aufklärung von Serien-Einbrüchen und stellte zahlreiche Täter auf frischer Tat wie bei einem Brand in der Sachtelebenstraße in Bernau. Eric verfolgte die Täter bis zu einem Garagenkomplex. Die zweibeinigen Kollegen mussten sie nur noch einsammeln. Auch bei einer Brandstiftung in Klandorf führte Erics Spürnase zum Täter. Er verfolgte dessen Spur von der angezündeten Strohmiete über eine beachtliche Strecke von vier Kilometern bis vor die Haustür des Täters.

„Der Hund hat unheimlich gute Leistungen gezeigt“, lobt auch Wachenleiter Otfried Gieseler. „Wir haben oft Dankesschreiben von Kollegen aus Berlin bekommen, die er oft unterstützt hat.“

Sein letzter Einsatz besiegelte das Ende der Dienstzeit für Eric. Er half bei der Suche nach der vermissten Jugendrichterin in Berlin. Eric, der seit einer Virusinfektion ein schwaches Herz hat, verausgabte sich bis zur Erschöpfung. Die Tierärztin riet, ihn nicht mehr im Dienst einzusetzen. „Der würde weitermachen, bis er tot umfällt“, erklärt Katrin Lattenstein. Sie wird Eric einen ruhigen Lebensabend bei ihr zu Hause ermöglichen. Da kann er auch mit seinem Nachfolger „Quando“ – natürlich wieder ein Airdale Terrier – im Garten spielen. Und sein Frauchen verspricht: „Wenn es wieder kühler wird, darf er auch mal kurze Fährten verfolgen. Sonst langweilt er sich.“

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