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Der etwas andere neue Dorfladen

Ines Rath / 23.07.2010, 17:44 Uhr
Alt Rosenthal (In House) Vor sechs Jahren hatte der Dorfkonsum im kleinen Vierlindener Ortsteil geschlossen. Nun gibt es einen neuen Dorfladen im 100-Seelen-Dorf: „Nussschale“ hat Ursula Kieninger ihren Mini-Biomarkt genannt. Die gelernte Grafikerin ist zudem die Koordinatorin für die neue Einkaufsgemeinschaft „Naturkost MOL“.

Oskar ist Ursula Kieningers erster Kunde an diesem Tag. Der Sechsjährige soll für seine Mutter eine Packung Eier holen. Sich selbst gönnt der Junge eine Bionade - eine gelbe diesmal. Oskar und seine Familie gehören zu den ersten Stammkunden der „Nussschale“. So hat Ursula Kieninger ihren kleinen Dorfladen genannt, den sie Anfang Juli eröffnete: In einem Raum im einstigen Stallgebäude des Hofes am Alt Rosenthaler Weiher. Außen Backstein, innen Lehmputz, wie es sich für einen Bioladen gehört. Denn in der „Nussschale“ gibt es nur Bioprodukte.

„Als wir vor dreieinhalb Jahren nach Alt Rosenthal gezogen sind, fiel es mir schwer, einzukaufen“, erzählt die gebürtige Stuttgarterin, die über Berlin ins Oderland gekommen und seit langem eine überzeugte Bio-Produkte-Konsumentin ist. Bald erfuhr die heute 36-Jährige, dass es anderen in ihrem Umfeld ähnlich ging. Da kam der freiberuflichen Grafikerin die neue Geschäftsidee.

Anderthalb Jahre lang haben Ursula Kieninger und Ehemann Alfred das alte Stallgebäude, das einst, ab 1867, für einige Jahre die Dorfschule beherbergte, liebevoll saniert. An die Schulgeschichte erinnert im Dorflädchen eine alte Schulbank – die als Kassentheke dient.

In den Holzregalen im zwölf Quadratmeter kleinen Lädchen finden Biokostfreunde vorerst ein Grundsortiment: Mehl, Nudeln, Reis, Linsen, Hirse, Maisgries, Toast- und Knäckebrot, diverse Öle, Aufstriche, Würzsaucen, Säfte und Weine. Aber auch Kaffee, Tee, Müsli, Marmeladen, Trockenfrüchte und eine kleine Auswahl an Drogerieartikeln – von der Zahnpasta übers Shampoo bis zum Waschmittel – sind zu haben.

Während das Gros der Waren vom Bio-Großhändler „Terra Naturkost“ geliefert wird, stammen viele Frischeprodukte aus der Region: Milchprodukte kommen aus Brodowin, Ziegenkäse aus Zollbrücke, Fleisch und Wurst vom Jahnsfelder Landhof, Eier vom Geflügelhof im benachbarten Diedersdorf, Ravioli aus der Nudelmanufaktur in Obersdorf und Schafmilchprodukte bald aus Quappendorf. Gemüse liefern die Alt Rosenthaler Bio-Gärtner.

Weil sie über die Logistik verfügt, liegt es nahe, dass Ursula Kieninger auch als „Schaltstelle“ für die eben gegründete Einkaufsgemeinschaft „Naturkost MOL“ fungiert: Bei ihr gehen via Internet die Bestellungen ein, sie füllt einmal pro Woche, am Donnerstag, die Körbe der Kunden im Seelower Verteilzentrum am Marktplatz und rechnet ab.

Nach dem Liefer-Donnerstag sind auch in der „Nussschale“ am Freitag die Regale und der große Kühlschrank am vollsten. „Aber vor allem die Milchprodukte, Fleisch und Wurst sind oft schon am Sonnabend wieder alle“, hat Ursula Kieninger in den ersten Wochen als Ladenbesitzerin erfahren. Sie denkt über die Anschaffung eines zweiten Kühlschrankes nach.

Zumal ihr Stammkundenkreis wächst, zu dem längst nicht nur Alt Rosenthaler gehören. Auch Ernährungsbewusste aus umliegenden Dörfern, aus der nahe gelegenen Kreisstadt und aus dem Raum Letschin kommen inzwischen regelmäßig zum Einkauf in den etwas abgelegenen kleinen Vierlindener Ortsteil.

Anders als der alte Dorfkonsum um die Ecke, der vor sechs Jahren endgültig geschlossen wurde, ist die „Nussschale“ nicht jeden Tag geöffnet. Einkaufstage sind hier am Dienstag- und Freitagnachmittag sowie Mittwoch- und Samstagvormittag. Vorerst. Denn Ursula Kieninger hat noch einiges vor.

Die kreative junge Frau will zum Beispiel backen – Sauerteigbrot und Kuchen. Und zwar nicht in einem normalen, sondern im Lehmbackofen. Der soll in einem Nebenraum der „Nussschale“ entstehen, der zur Küche um- und ausgebaut werden soll.

Einmal in der Woche könnte der Lehmbackofen angeheizt werden, schwebt der Alt Rosenthalerin vor, deren Ideen noch weiter reichen: „Ein- bis zweimal in der Woche und am Wochenende würde ich gern ein kleines Café öffnen, in dem Einheimische wie Touristen auch eine einfache Mittagsmahlzeit bekommen könnten“, sagt die Neu-Ladeninhaberin.

Sie will auch in Berlin die Werbetrommel rühren. Schließlich liegt Alt Rosenthal an der Ostbahnstrecke und ist sogar Haltepunkt. Vor allem an den Wochenenden steigen Radtouristen hier aus, die es auf den nahe gelegenen Oderbruchbahn-Radweg zieht.

Unter Ursula Kieningers Kunden ist auch Nachbar Johannes Berger. Der hat in seinem Haus erst kürzlich ein kleines Ein-Raum-Dorf-Theater aufgebaut. „Da könnte man den kulinarischen doch gut mit dem geistigen Genuss verbinden“, sinniert die Betreiberin der „Nussschale“.

Dorfladen „Nussschale“, Tel. 033477 54 728; Bioprodukte-Einkaufsgemeinschaft: www.naturkost-mol.de

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