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„Die Landschaft färbt ab“

Petra Elsner
Petra Elsner © Foto: Lutz Reinhardt
Oliver Köhler / 23.07.2010, 18:29 Uhr
Belegt ist das natürlich nicht (In House) Kurtschlag So vielseitig wie der Barnim sind auch seine Menschen. In unserer Serie wollen wir Gesichter des Barnim vorstellen. Bekannte und unbekannte – aber alle haben sie interessante Geschichten zu erzählen. Heute: Petra Elsner

Als die Künstlerin Petra Elsner vor drei Jahren aus ihrer großen Berliner Atelierwohnung in die Schorfheide zog, wusste sie nicht, was sie erwartet. Sie habe damals mit ihrem Mann nach einer anderen Bleibe gesucht und dann spontan ein Haus gekauft, erinnert sie sich zurück. Seitdem wohnt die 56-Jährige in Kurtschlag, einem Dorf mit gerade einmal 350 Einwohnern, das erstmals um 1700 erwähnt wurde und dessen Name wohl auf einen Zöllner zurückgeht, der einen Schlagbaum zwischen hohenzollernschem und uckermärkischem Landadelbesitz bedient haben soll.

Doch für Petra Elsner und ihren Mann Lutz Reinhardt ist es eine dieser wunderbaren Geschichten, die die Schorfheide für sie so lebenswert machen. Der Wald und die Menschen hätten sie in ihren Bann gezogen, gibt Petra Elsner zu. „Die Landschaft färbt ab“. War es bislang vor allem die „Mystik des Seins“, die sie in ihren Bilder umtrieb, widmet sie ihre künstlerische Arbeit in Zeichnungen, aber auch in Geschichten nun „dem großen Thema Wald“.

So hatte sie nach dem ersten stillen Winter in Kurtschlag, „in dem der Nebel bis ans Haus zog“, die Idee, Geschichten über die Schorfheide zu schreiben. Dabei sei es ihr wichtig gewesen, Figuren wie den Zaunreiter, den Herrn Tautropfen oder auch die Nebelfee zu ersinnen, die in der Region „geerdet sind“. Herausgekommen ist das Buch „Schattengeschichten aus dem Wanderland – Schorfheidemärchen“, aus dem sie regelmäßig in den Dörfern der Schorfheide liest.

Und auch in ihrer bildhaften Arbeit wird es bei ihren nächsten Projekten rund um das Thema Wald gehen.

Künstlerisch ist die zierliche Frau mit den langen blonden Haaren, die eigentlich aus Wildau südlich von Berlin stammt, in ihrem Kurtschlag angekommen. Aber auch menschlich fühlt sie sich dort wohl. Als „freundlich und weltoffen“ bezeichnet sie die Kurtschläger, als „inspirierend und beruhigend“ die Landschaft.

Für die studierte Philosophin und Journalistin, die „mit den Augen lernt“, war es eine Erfahrung zu sehen, wie sich das Leben auf dem Land organisiert. Ehrlichkeit, auch gegenüber sich selbst, sei wichtig für das Leben dort draußen, weiß sie. Das merken die Leute – und verhalten sich entsprechend.

Der Charakter der Menschen tut ihr gut. Deshalb will sie auch ein wenig zurückgeben. „Ich will der Region eine Stimme geben“, sagt sie dazu. Was sie damit meint? „Die Leute haben es verdient, dass Kurtschlag auch woanders gekannt wird“, lautet die kurze Antwort.

Deshalb will sie weiter schreiben und malen. Und deshalb soll es demnächst auch Lesungen in ihrem Haus geben. Inmitten
der (leider unverkäuflichen) Originalzeichnungen zu ihrem Buch und immer nur für einen kleinen Kreis – „bei Kaffee und Kuchen“.

Vielleicht schon in diesem, vielleicht aber auch erst im kommenden Sommer, will sie damit beginnen. Während der Wintermonate sei das nicht möglich, weiß sie mittlerweile aus Erfahrung. Da sehe man oft wochenlang nicht einmal die Nachbarn. Aber da finde sie dann wieder mehr Zeit zum Schreiben, ist sie sich sicher.

Und wenn sie jemand sehen wolle, könne sie sich ja auch ins Auto setzen. Schließlich hat die 56-Jährige seit sie in Kurtschlag wohnt, sogar einen eigenen Führerschein. Und bis nach Eberswalde, Bernau oder in die alte Heimat Berlin ist es nicht einmal eine Stunde Fahrzeit.

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