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Erst Bauantrag holt Denkmalstatus ans Licht

© Foto: MOZ/Sven Klamann
sven klamann / 28.07.2010, 18:39 Uhr
Eberswalde (In House) Erst durch 
einen Zufall haben Silvia und Klaus-Dieter Räck aus der Altenhofer Straße im Stadtteil Finow erfahren, dass sie seit 13 Jahren in einer Doppelhaushälfte wohnen, die unter Denkmalschutz steht. Seine Ahnungslosigkeit kostet das Paar jede Menge Nerven und zudem 650 Euro Vertragsstrafe.

Das böse Erwachen kam, nachdem sich die Finower im Frühjahr von ihrem Nachbarn überzeugen ließen, das gemeinsame Dach einheitlich neu zu decken. Der Nachbar hatte seine Haushälfte an der Altenhofer Straße in Finow gerade erst übernommen und enormen Reparaturbedarf. Für Silvia und Klaus-Dieter Räck hätte ein neues Dach zwar eigentlich nicht ganz oben auf der Prioritätenliste gestanden. Aber sie waren am Ende doch mit der vorgezogenen Investition einverstanden und suchten zusammen mit dem Nachbarn Dachziegel aus – in glänzendem Bordeauxrot.

Der Nachbar hatte es eiliger als das Paar und stellte deshalb fix den Bauantrag – nicht ahnend, dass auch er bald aus allen Wolken fallen sollte. Denn die Antwort aus dem Rathaus kam ebenso ernüchternd wie überraschend. Die ausgewählte Farbe vertrage sich nicht mit den Belangen des Denkmalschutzes, der Antrag müsse daher abgelehnt werden. Da waren die bordeauxroten Ziegel längst bestellt. Der Nachbar hat sich daraufhin entschieden, jedem Ärger aus dem Weg zu gehen. Er hat die Ziegel gegen mattfarbene getauscht und seine Dachhälfte bereits erneuert. Doch Silvia und Klaus-Dieter Räck wollten sich nicht mit der Farbvorgabe durch den Denkmalschutz abfinden und mussten deshalb für die Rückgabe der Ziegel, die sie nicht verwenden dürfen, teuer bezahlen. Ihre Haushälfte blieb unverändert.

„Hätten wir Hauseigentümer nicht Post aus dem Rathaus bekommen müssen, als unser Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde?“, fragen sie erbost. Immerhin wohnt das Paar bereits seit Anfang der achtziger Jahre in dem Gebäude, das einst den Großeltern der Frau gehörte.

In der Stadtverwaltung verweist Robby Segebarth, Leiter des Bürgermeister-Büros, auf die Denkmalbereichssatzung für die Messingwerksiedlung, die auf Anraten der Denkmalschutzbehörde des Kreises von den Stadtverordneten im März 1997 erlassen worden sei. „Wir haben den Beschluss im Amtsblatt veröffentlich und damals auch darüber informiert, dass die Satzung im Bürgeramt und im Kulturamt eingesehen werden kann“, sagt Robby Segebarth. Jetzt sei dem Bauamt nichts anderes übrig geblieben, als die Genehmigung zu versagen.

Im Barnimer Kreishaus betont die Pressesprecherin Marianne Schlestein, dass die Häuser in der Altenhofer Straße 5 bis 11 wie die gesamte Messingwerk-siedlung aus gutem Grund unter Schutz gestellt wurden. „Schützenswert sind an dem Ensemble hauptsächlich das historische äußere Erscheinungsbild und die historische Bausubstanz“, sagt sie. Das Areal sei eine der wichtigsten frühen Industrieansiedlungen in Brandenburg. Es sei über drei Jahrhunderte hinweg gewachsen. Die Siedlung habe industrie- und sozialgeschichtliche Bedeutung. Die Eigentümer der Häuser seien verpflichtet, die Denkmale mit zumutbarem Aufwand zu erhalten und zu pflegen.

Für die Räcks ist das Erlebte ein Schildbürgerstreich, der sie einfach nur wütend macht.

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