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Jugendliche ackern rund ums Schloss

© Foto: Johann Mueller
Doris Steinkraus / 07.08.2010, 07:40 Uhr - Aktualisiert 07.08.2010, 10:06
Trebnitz (In House) Zum zweiten Mal findet im Schloss ein Workcamp Internationaler Freiwilliger statt. Die jungen Leute erledigen Arbeiten rund um das Schloss und an der alten Schmiede, die zu einem deutsch-polnischen Begegnungszentrum werden soll.

Yung Bai Jie strahlt über das ganze Gesicht. Der junge Chinese ist Kilometer gereist, um im Oderland Steine zu klopfen, Gebäude anzustreichen und diverse andere handwerkliche Arbeiten zu erledigen. „Das macht richtig Spaß“, versichert der 21-Jährige. In Peking, wo er studiert, habe man für solche praktischen Arbeiten keine Gelegenheit. Ganz nebenbei ist er Nutznießer einer Premiere. Zum ersten Mal hat die Internationale Freiwilligenorganisation SCI Jugendliche aus China vermittelt. Er wollte schon immer mal nach Deutschland, denn mit den Deutschen gebe es die engsten Verbindungen, erzählt er.

Auch Sara hat sich bewusst für Deutschland entschieden. Der jungen Italienerin hatte es vor allem die Kulisse angetan. Ein Jugendaufenthalt im Schloss, das fand sie spannend. Und sie ist nach Halbzeit ihres Einsatzes zufrieden mit ihrer Entscheidung. „Wir sind eine gute Gruppe“, sagt sie. Man verstehe sich prima und die Arbeit mache Spaß. An diesem Tag führt sie gemeinsam mit Agnieszka aus Polen Volker Schulz von der Sparkasse Märkisch-Oderland zu den Stationen des Workcamps. Die beiden zeigen die von den jungen Deutschen, Polen, Russen, Ukrainern und Spaniern hergerichteten Anlagen vor dem Schloss. Der Rasen ist eingebracht, bald wird es hier grünen.

Weiter geht es zur alten Schmiede. Im vergangenen Sommer hatten Internationale Freiwillige die Gebäude entrümpelt und containerweise Schutt geschaufelt. Im September soll der Ausbau beginnen. Die jetzige Truppe übernahm es, die alten Ziegelsteine aus dem Mittelteil des Baus zu sammeln, abzuputzen und aufzuschichten. „Wenn die alte Schmiede wieder hergerichtet wird, sollen diese Ziegel mit verwendet werden“, erklärt Darius Müller, Bildungsreferent der Trebnitzer Begegnungsstätte. Er und der Verein sind dankbar für die Hilfe der jungen Leute. „Das könnten wir allein nie bewerkstelligen“, unterstreicht er dick.

Auch im Dorf fände der Einsatz große Akzeptanz. Die Jugendlichen haben sämtliche Bänke rund um das Schloss gestrichen, den Grillplatz hergerichtet, die Nebengebäude gestrichen und jede Menge Holz umgestapelt. Das wird ständig für Lagerfeuer gebraucht. Bisher lagen die Berge an verschiedenen Flecken. Jetzt wird alles geordnet. In der nächsten Woche werden die Jugendlichen auch noch einen extra Feuerplatz herrichten.

Volker Schulz ist beeindruckt von dem Elan der Jugendlichen. Toll findet er auch die Kombination, das Camp im Zusammenwirken mit dem Kinderheim Bollersdorf durchzuführen. Regelmäßig kommen Kinder aus dem Heim dazu. Die Sparkasse hat das Workcamp mit 4000 Euro unterstützt, so wie schon 2009. „Wir finden die Idee gut“, sagt er. „Hier wird etwas Sinnvolles gemacht und junge Leute aus aller Welt kommen sich näher. Das unterstützen wir gern.“

Campchefin Mirjam Carlsson bestreitet ein Heimspiel. Sie ist Trebnitzerin, hat selbst einst an solchen Begegnungen teilgenommen, agiert zum dritten Mal als leitende Betreuerin in solch einem Camp. Sie sei richtig traurig gewesen, als sie hörte, dass es 2009 ein Camp in ihrem Ort gab, erzählt sie. Und habe sich deshalb gleich für 2010 beworben. Verständigungssprache ist Englisch. Daneben flattern die Brocken der einzelnen Landessprachen immer wieder über das Areal. Man kommt sich nicht nur beim Arbeiten näher. Jeden Tag wird auch gemeinsam etwas unternommen. Gute Dienste leisten die 40 Fahrräder, die MOZ-Leser nach einem Aufruf im vergangenen Jahr spendiert hatten. Die Jugendlichen haben viele Drahtesel noch einmal aufgepeppt und sind damit ständig unterwegs. Sie besuchten die Kirchen in Trebnitz und Müncheberg, fuhren mit dem Zug nach Frankfurt, waren auch beim Festival „Haltestelle Woodstock“ im polnischen Küstrin. Viel Spaß gibt es bei den Präsentationen der einzelnen Länder. Manche überraschen ihre Freunde mit landestypischen Speisen.

l Service Civil International (SCI) ist eine internationale NGO (nichtstaatliche Organisation), die Hilfs- und Friedensdienste auf freiwilliger Basis organisiert. Insbesondere bietet der SCI internationale Workcamps und längerfristige Freiwilligendienste an.

l Gegründet wurde die Organisation 1920 vom Schweizer Ingenieur Pierre Ceresole. Der SCI hat Beraterstatus beim Europarat. 1987 wurde der Organisation durch die Vereinten Nationen die Auszeichnung Messenger of Peace verliehen. Der SCI hat Zweige in über 35 Ländern.

l Das erste Projekt, ins Leben gerufen von Schweizer Pazifisten, bestand 1920 im Wiederaufbau eines Dorfes bei Verdun. Die Beseitigung von Kriegsschäden prägte auch die folgenden Jahre des SCI. Hinzu kamen Camps in Gebieten, die von schweren Naturkatastrophen betroffen waren. So kam es in den 30er Jahren zum ersten SCI-Workcamp in Indien, als SCI-Freiwillige die Bevölkerung nach einem Erdbeben beim Wiederaufbau ihrer Häuser unterstützten.
l Während des Zweiten Weltkrieges mussten viele SCI-Zweige ihre Arbeit einstellen. Um so stärker expandierte der SCI nach 1945, als Hunderte von Wiederaufbauprojekten entstanden. Zunehmend breitete sich die SCI-Idee auch über Europa hinaus aus und wurde zu einer weltweiten Bewegung.
l Der deutsche Zweig des SCI wurde 1946 gegründet. Angeregt von Kriegsdienstverweigerern des britischen SCI-Zweiges bauten Studenten der Göttinger Uni im Grenzdurchgangslager Friedland für Vertriebene und Fliehende aus Ostdeutschland Viehställe in Hütten um.

l Neben praktischer Aufbauhilfe setzte sich der SCI in Deutschland vor allem für die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung und die gesellschaftliche Anerkennung eines Zivildienstes ein. Seit 1948 ist der SCI in Deutschland als gemeinnützig anerkannt. Er arbeitet heute mit etwa 80 Partnerorganisationen zusammen.

Infos im Internet unter www.sci-d.de, Sitz Bonn, Tel. 0228-212086/7

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HKVD 11.08.2010 - 16:43:25

Freiwilligendienst Minderjährige?

Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Jugendämter An das Landesjugendamt Heimaufsicht Anlässlich des Berichtes in der Märkischen Oderzeitung vom 8.8.2010 „Jugendliche ackern rund ums Schloss“ muss der HKVD feststellen, dass beim Freiwilligendienst Minderjährige aus dem Kinderheim Bollersdorf mit zum Einsatz kommen. Wir möchten darauf hinweisen, dass in Obhut genommene Minderjährige besonderen gesetzlichen Bestimmungen unterliegen und stellen daher die Anfrage: 1. Handelt es sich bei den Heimkindern um Jugendliche über 18 Jahren? 2. Inwieweit ist die Freiwilligkeit dieser Jugendlichen gegeben? 3. Wurden die jeweiligen Jugendämter über die Arbeitseinsätze informiert? 4. Werden während der Arbeitseinsätze Tagessätze von den Jugendämtern für die Jugendlichen bezahlt? Mit freundlichem Gruß HKVD

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