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Polen wegen maroder 
Deiche 
in der Kritik

Flutschäden: eins von zahlreichen zerstörten Häusern in Bogatynia
Flutschäden: eins von zahlreichen zerstörten Häusern in Bogatynia © Foto: dpa
Dietrich Schröder / 12.08.2010, 07:32 Uhr
Frankfurt (Oder) (In House) Erst 15 Tote an der Weichsel im Mai, jetzt schon wieder menschliche Opfer und hohe Sachschäden im Westen des Landes – Polens Regierung wird wegen Versäumnissen beim Hochwasserschutz im In- und Ausland kritisiert.

Es war keine leichte Reise, die der neue Präsident jetzt in den äußersten Südwesten seines Landes unternahm: In Bogatynia, jener Kleinstadt, durch die am Wochenende das zum reißenden Strom angeschwollene Flüsschen Miedzianka gerast war, prasselte die Kritik der Betroffenen auf Bronislaw Komorowski nieder: „Erst hat uns niemand vorgewarnt und dann dauerte es drei Tage, bis erste Helfer kamen“, schimpften die wegen ihrer zerstörten Häuser obdachlos gewordenen Bewohner. „Lange können wir jetzt auch nicht auf Geld warten, in ein paar Monaten beginnt der Winter“, beschrieb ein Mann die Lage seiner Familie.

Komorowski tat, was Politiker in solchen Situationen tun. Er versuchte, ruhig zuzuhören und versprach rasche Unterstützung. Doch als er zu der umständlichen Erklärung anhob, dass „die Menschen den Flüssen schon seit Hunderten Jahren ihre Ausbreitungsgebiete genommen haben“, riss den Umstehenden erneut die Geduld: „Dann tut doch endlich was“, fiel jemand dem Staatsoberhaupt ins Wort.

Tatsächlich vergeht kaum noch ein Jahr, in dem nicht irgendwo im Nachbarland nach größeren Regenfällen alte Deiche dem Druck nicht mehr standhalten oder – wie jetzt bei Bogatynia – ein maroder Stausee bricht, der schon vor dem Sturzregen randvoll war. Angesichts dieser immer häufigeren Katastrophen dämmert es sowohl der Bevölkerung als auch den Politikern, dass der Hochwasserschutz seit Jahrzehnten vernachlässigt wird.

Als im Mai Oder und Weichsel anschwollen, schaute man neidvoll zu den deutschen Nachbarn, die ihre Deiche seit 1997 erneuert und erhöht hatten. Und währenddessen man in Frankfurt (Oder) zusätzliche moderne Schutzwände aus Metall auf die Ufermauern in der Innenstadt schraubte, versanken in Breslau Häuser im Wasser, die noch nach der „Jahrhundertflut“ von 1997 in natürliche Überschwemmungsgebiete gebaut worden waren.

Auch aus dem Ausland verstärkt sich der Druck. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kritisierte bereits am Montag, dass die deutschen Behörden zunächst nicht über den Dammbruch am Witka-Stausee informiert worden waren. Umweltschutzorganisationen und selbst die Europäische Union fordern von Warschau größere Anstrengungen für bessere Deiche und neue Polder.

Immerhin müssen die Parlamentarier des Nachbarlandes heute ihren gerade erst angetretenen Sommerurlaub unterbrechen: Auf einer Sondersitzung des Sejms sollen sie ein Gesetz beschließen, das rasche finanzielle Hilfen für die Flutopfer in Bogatynia ermöglicht.

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