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Bus künftig per Telefon anfordern?

Doris Steinkraus / 25.08.2010, 17:52 Uhr
Seelow (In House) In den Sommerferien zeigt sich jetzt schon, dass viele Überlandbusse fast leer über Land touren. Die demografische Entwicklung führt zur weiteren Ausdünnung der Region. Selbst im Schülerverkehr ist die Zahl rückläufig. In vielen Gemeinden gibt es pro Jahrgangsklasse nur noch einen Schüler, der mit dem Bus fährt. Dennoch obliegt dem Landkreis im Rahmen der Daseinsvorsorge die Aufgabe, auch künftig im ÖPNV Angebote zu gewährleisten, die den Bürgern Mobilität sichern. Das ist freilich auch eine Kostenfrage.

In diesem Jahr stellt der Kreis neun Millionen Euro für den ÖPNV bereit, einschließlich Investitionszuschüsse. 4,6 Millionen Euro kommen vom Land, den Rest finanziert der Kreis selbst. Die ersten Erfahrungen mit Rufbussen im Land zeigen, dass diese Form des ÖPNV zum einen nutzerfreundlicher und zum anderen auch kostengünstiger ist. Deshalb soll im nächsten Jahr ein Pilotprojekt in Märkisch-Oderland starten. Einbezogen werden die Kommunen des Altkreises Seelow, die östlich der B 167 liegen – von Lebus über Dolgelin, Letschin, Golzow bis Neuhardenberg.

Wie funktioniert das System? Es gibt nach wie vor Linien. Der Bus fährt aber nur, wenn Bürger vorher Bedarf per Telefon anmelden. Ein Dispatcher gibt dem Anrufer Auskunft, auch über Anschlussbusse oder -züge am Zielort. Alle Details dazu stehen aber noch nicht fest, wie Petra Juliane Wagner vom Verkehrsverbund (VBB) deutlich machte. Noch müssten viele Fakten zusammengetragen werden, um ein solches Rufbussystem zu installieren. Das beginne bei der Software – die sämtliche Verkehrsangebote beinhaltet und die Verbindung zu den beauftragten Fuhrunternehmen hält – und reicht bis hin zu den Fahrzeugen.

Im Vorfeld sind die Kommunen aufgerufen, ihre Hinweise zu geben und bei der Bedarfsentwicklung mitzuwirken. Kreis und VBB haben dazu einen Fragekatalog erarbeitet. Binnen der nächsten sechs Wochen sollen die Antworten eingereicht sein. Das Unternehmen Telenet AG trägt alle Daten zusammen. Ansprechpartner sind Mathias Halbach und Horst Benz. Die Telenet AG soll die Software entwickeln. Voraussetzung ist, dass im Ergebnis der jetzt angeschobenen Untersuchungen und Analysen die Einführung eines Rufbussystems als sinnvoll bewertet wird. Bisher gebe es im Land nur gute Erfahrungen, so die VBB-Vertreterin. Manche Kreise hätten schon komplett vom normalen Linien- auf Rufbusverkehr umgestellt.

„Bedauerlich ist, dass so wenige Vertreter der Kommunen das Informationsangebot angenommen haben“, so der Beigeordnete Rainer Schinkel (SPD), über dessen Wirtschaftsamt das Vorhaben im Abstimmung mit dem Wirtschaftsausschuss des Kreistages angeschoben wurde. Aus dem Amt Lebus und Golzow war nicht ein Vertreter erschienen. „Wir unterstützen alles, was unseren Bürgern nützt“, versicherte Michael Böttcher, Bürgermeister von Letschin. Er werde Abgeordnete, Vereine und Unternehmen mit einbeziehen. Auch Dr. Grit Brinkmann, Amtsdirektorin von Neuhardenberg, sah in dem Vorhaben eine Chance, Angebote für die Bürger sogar noch zu verbessern. Denn die Präsentation des Vorhabens mache deutlich, dass zum einen bedarfsorientierter und mitunter sogar bis vor die Haustür befördert werden kann.

Einig waren sich alle, dass noch viele Informationen nötig sein werden. „Die Umsetzung wird eine Kommunikationsfrage“, so der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Kreistages Wolfgang Heinze (Linke). „Wichtig ist, den Bürgern zu sagen, dass wir nicht einsparen wollen, sondern dass es um die Verbesserung der Lebensqualität geht. Mit den vorhandenen Mitteln können wir ein besseres Angebot sichern.“ Mit am Tisch sitzt bei allen Verhandlungen auch die Verkehrsgesellschaft MOL. Klaus Giesecke machte deutlich, dass man Verbindung zu Unternehmen in der Region aufnehmen werde. Denn das Rufbussystem soll nicht mit den großen Linienbussen umgesetzt werden. Die Verkehrsgesellschaft plane nicht, eine Kleinbusflotte anzuschaffen.

Wichtig für die Bürger: Das Rufbussystem wird nicht teuer. „Es gelten die normalen Tarife des Verkehrsverbundes“, so Petra Juliane Wagner.

Das Wirtschaftsamt wird jetzt die Unterlagen auch an jene Kommunen schicken, die nicht an der Beratung teilgenommen haben, aber betroffen sind. Funktioniert das Pilotprojekt, sei eine Ausweitung auf weitere Teile des Kreises geplant, so Rainer Schinkel.

Infos über Telenet AG, Mathias Halbach, Tel. 06151733494, 
E-Mail: m.halbach@telent-ag.de, Horst Benz, Tel. 06151 733336, 
E-Mail: h.benz@telent-ag.de, oder Wirtschaftsamt des Kreises, Tel. 03346 850319

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