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Schlichtes für die Fantasie

Heike Mildner / 25.08.2010, 18:08 Uhr
Seelow (In House) Ein Mädchen im gepunkteten Kleid mit rotem Täschchen in der einen, einer Banane in der anderen Hand mit rotlackierten Nägeln. Ein roter Blütenkranz ziert seine Zopffrisur, die Beine gespreizt liegt es auf braunem Boden wie weggeworfen und starrt sein Gegenüber verwundert an. „Puppentraum“ hat Ehrhard Thoms dieses Bild von 2009 genannt. Der Betrachter wird zum Traumdeuter – Unschuld, Prostitution, Wende, unsanfte Landung oder doch ganz anders?

So metaphorisch wie dieses sind nur wenige der Bilder, die der Marxdorfer Künstler in seiner aktuellen Ausstellung „Bilder und Objekte“ in der Alten Dampfbäckerei in Seelow (Märkisch-Oderland) zeigt. Doch auch der „Mensch mit rotem Vogel“, „Der rote Eimer“, das „Sandmännchen“ und die Assemblagen und Objekte aus Fundstücken fordern die Fantasie.

Die meisten seiner Bilder sprechen unmittelbar die Sinne an und lenken den Blick auf Alltäglichkeiten ländlichen Lebens: Die Schubkarre mit leuchtend buntem Obst, Nüsse und Pilze im Korb, ein Strauß Tulpen oder Einblicke in Landschaft und den eigenen Hof. Das alles steht im Fokus, weil es schön ist und wir es nicht genug würdigen können. Aber auch andere Alltäglichkeiten zeigt Thoms: Die Straße mit Strommasten und Reklametafel („An der B 1, 2003“), graue Garagen mit aufgebockter Blechkarrosse oder Landmaschinen bei der Unkrautbekämpfung („Giftspritzer“, 2003). Auch diese Dinge wollen beachtet und infrage gestellt werden. Die meisten der Bilder sind in Öl gemalt und wirken naiv – im besten Sinne.

Einen Kontrast dazu setzen die Zeichnungen: Bäume, Gebäude, Portraits. In diesen bremst sich der Bildhauer Thoms nicht aus, sondern zeigt sich von der feingliedrigen, realitätsnahen und detailverliebten Seite. Doch sein eigentliches Metier ist die Bildhauerei selbst. In Seelow zeigt Ehrhard Thoms dem Raum entsprechend mittelformatige Skulpturen aus Kiefer, Eiche und Olivenholz, die ganz auf Form setzen, schlicht und wirkungsvoll. Die „Stehende“ (2009) dreht sich traurig nach dem Betrachter um, der „Torso, gedreht“ (2003) scheint vor etwas zu fliehen und sich selbst aufzulösen und der „Schrei“ (2000) erinnert an den von Edvard Munch.

Da vereinen sich Thoms Blick für die Möglichkeiten des Materials, sein subtiler Humor und eine Prise Übermut, ohne die diese Idee vielleicht im Kopf geblieben wäre. Die Deutung seiner Bilder überlässt er der Fantasie ihrer Betrachter.

Bis 1. Oktober, Kirchstraße 1, Seelow, Mo. bis Do. 8 bis 16 Uhr, Fr. 8 bis 14 Uhr

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