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Mundgeblasen und handgerührt

Wieder da: Sammler Peter Herbert zeigt eines der historischen Senfglõser, die gestohlen und im Internet zum Verkauf angeboten wurden. Der wei▀e Porzellantopf trõgt die Aufschrift "Tamborini Mostrich" Foto: GMD/Susanna Hoke
Wieder da: Sammler Peter Herbert zeigt eines der historischen Senfglõser, die gestohlen und im Internet zum Verkauf angeboten wurden. Der wei▀e Porzellantopf trõgt die Aufschrift "Tamborini Mostrich" Foto: GMD/Susanna Hoke © Foto:
SHOKEN / 04.12.2008, 08:00 Uhr
Wriezen Wer kommt auf die Idee, acht Senfgläser zu klauen?, fragte man sich beim Lesen des Polizeiberichts in der MOZ vom vergangenen Freitag. Mittlerweile sind die Ausstellungsstücke wieder im Besitz von Peter Herbert, der die historischen Gefäße seit mehr als 30 Jahren sammelt.

Angefangen hat alles mit einem Senftopf aus Porzellan. Zusammen mit Freunden machte Peter Herbert Anfang der 70er Jahre mit Hilfe von alten Flurkarten Kriegsmüllkippen im Berliner Umland ausfindig. Einer sammelte Schnupftabakdosen, ein anderer geprägte Bierflaschen. Peter Herbert hatte es der Senftopf von der Firma "Steinberg und Hild" aus Düsseldorf angetan. Wie alt das Gefäß ist, ließ sich nicht feststellen. Aber von einer Professorin erfuhr er, dass nicht einmal das Düsseldorfer Heimatmuseum über solch eine Rarität verfügt. Seine Sammelleidenschaft war entfacht.

Auch eines der gestohlenen Senfgläser war solch ein schöner alter Porzellantopf mit Henkel, weiß, mit der schwarzen verschnörkelten Aufschrift "Tamborini Mostrich". Und genau die wurde dem Dieb zum Verhängnis, der die Exemplare im Internet versteigern wollte. "Den Fehler in der Beschriftung habe ich sofort wiedererkannt", berichtet Peter Herbert. Die Identität des Täters ausfindig zu machen, war für die Polizei nur noch eine Frage der Zeit. Der Dieb hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Inventarnummern von den Gefäßen zu entfernen. Acht Senftöpfe hat der Neulewiner schnell wieder zurückerhalten. "Teure Teile", sagt Herbert, Sammlerwert rund 500 Euro. Darunter befindet sich allerdings ein Glas, das er noch gar nicht vermisst hatte. So steht als nächstes die Inventur und eine Sicherung des Ausstellungsraumes an.

Seit einem halben Jahr stellt der 52-Jährige seine 639 historischen Senftöpfe in seiner "Bedeutsamen Sammlung belangloser Dinge" in der Wriezener Senffabrik aus. Vermutlich die größte Senfgläser-Sammlung in Europa sei das. Darunter sind auch Keramikkrüge von Alfred Develey, dem Hoflieferanten des bayrischen Königs. Die Firma existiert heute noch und hat nach der Wende die Bautzener Senffabrik aufgekauft. Manche Behältnisse seien Apothekengefäßen nachempfunden, erklärt Herbert, denn früher wurde der Senf nur in Apotheken verkauft, als Pulver oder Senfsamen, die zerstoßen und mit Wasser und Salz angerührt wurden. Erst ab 1850, als der Senf industriell produziert, mit Essig behandelt und haltbar gemacht wurde, konnte man ihn im Lebensmittelladen verkaufen.

Wie viele der Gefäße kommt auch ein aufwendig geschnittener blauer Keramikkrug mit Jugendstil-Dekor aus der "Senfhauptstadt" Düsseldorf. Und der Topf für eine französische Senfsorte ist einer Champagnerflasche in Klein nachempfunden. Ein milchiges Pressglas stammt aus dem Jahre 1805. Auch mundgeblasene Gläser gibt es, das älteste stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert.

Peter Herbert stellt auch selbst Senf her, den "Echten Looser Senf". Eine Konkurrenz zu Sven Durau, in dessen Fabrik er seine Ausstellung untergebracht hat, entstehe dadurch aber nicht. "Meine Sorte ist vier- bis fünfmal schärfer", erklärt Peter Herbert, der es selbst gern scharf mag. Die schärfste Sorte der Welt sei vermutlich der russische "Altai-Senf". Der werde sogar mit Sahne angerührt, so der Experte. Sein handgerührter Spezialsenf, den er nach einer 150 Jahre alten Rezeptur herstellt, sei allerdings nur ein paar Wochen lang haltbar, "dann kippt er um ins Bittere".

Zusammen stellen Sven Durau und Peter Herbert ihren Wriezener und Looser Senf von morgen an bis Sonntag auf der Weihnachts-OSTPRO-Messe im Berliner Velodrom vor.

Wriezener Senffabrik, Verkauf und Ausstellung, Odervorstadt?1, 033456 71193

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