Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gotteshaus in Ketschendorf wird 100 Jahre

Musikalische Jubiläumsgrüße: Das Konzert des Kammerchors Fürstenwalde am Montagabend begeisterte die zahlreichen Zuhörer.
Musikalische Jubiläumsgrüße: Das Konzert des Kammerchors Fürstenwalde am Montagabend begeisterte die zahlreichen Zuhörer. © Foto: Alexander Winkler
Joachim Eggers / 15.09.2010, 21:25 Uhr
Fürstenwalde (In House) Vor 100 Jahren wurde die evangelische Kirche in der Fürstenwalder Schillerstraße eingeweiht – die seit den 50er Jahren Martin-Luther-Kirche heißt. In ihrer Geschichte spiegelt sich auch die Geschichte der Stadt.

Am 27. Juni 1909 wurde der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt. Damals verlas der Pfarrer Fliegenschmidt eine Urkunde. Gemeindemitglied Jochen Welk, der umfangreiche Recherchen zur Geschichte der Kirche angestellt hat, überließ der MOZ eine Abschrift dieses Dokuments, das das jahrelange Tauziehen um die Finanzierung des Baus minutiös darstellt.

Das heutige Fürstenwalde-Süd war damals die selbständige Gemeinde Ketschendorf. 1896 kam die Idee eines Kirchen-Neubaus erstmals auf; die Verhandlungen scheiterten jedoch daran, dass die Kommune sich in Geldfragen „ziemlich zurückhaltend“ zeigte, wie Fliegenschmidt formulierte. Weitere Anläufe führten ebenfalls nicht zum Ziel, bis sich 1904 ein Kirchbauverein gründete, der Geld sammelte. Zugleich betrieben die Kirchengemeinde gezielte Lobby-Arbeit bei der Kommune. Als dann ein Buchdruckerei-Besitzer das 4000-Quadratmeter-Grundstück zur Verfügung stellte, war der Weg frei für eine entscheidende Sitzung der kirchlichen Körperschaften am 11. April 1905, bei der insgesamt 64 000 Mark für den Bau bewilligt wurden, davon 25 000 von der Kommune Ketschendorf.

Schon damals gab es allerdings Verzögerungen bei der Baugenehmigung. „Der Wunsch, grünes Licht zu bekommen, konnte von der Königlichen Bauinspektion infolge allzu großer Beschäftigung in absehbarer Zeit nicht erfüllt werden“, so Fliegenschmidt.

Als dann tatsächlich gebaut wurde, kamen regionale Baustoffe zum Einsatz: Kalksteine aus Rüdersdorf, Ziegelsteine aus Sauen, andere Steine aus Ziegeleien in Fürstenwalde und Pieskow. Fürs Dach wurden allerdings Importe aus Schlesien verarbeitet.

Bis in die 50er Jahre hieß das Gotteshaus ganz einfach Ketschendorfer Kirche. Wie sie zu ihrem heutigen Namen gekommen ist, hat Jochen Welk genau nachverfolgt. 1934 wurde neben der Kirche ein Gemeindehaus fertiggestellt, das nach dem Reformator benannt wurde –zur Zeit des kommissarischen Pfarrers Heine, der nach den Recherchen Welks Nationalsozialist war. Er vermutet, dass die Namenswahl mit einer gewissen Beliebtheit Luthers bei den Nazis zusammenhängt, die wiederum den antijüdischen Äußerungen Luthers zuzuschreiben sei.1951 wurde der Name schließlich auf die Kirche und deren Gemeinde übertragen.

Heute zählt die Kirchengemeinde insgesamt rund 1700 Mitglieder, so Pfarrer Reinhard Mieke. 600 von ihnen kommen aus den Orten, für die auch die Kirche immer mit da war: Neu Golm, Rauen und Langewahl. Dass sie lebendig ist, zeigte sich am Montagabend: Beim Konzert des Fürstenwalder Kammerchors, der mehrfach im Jahr kommt, war die Kirche randvoll.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG