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Der Nussknacker auf der Orgel

WTUCHENN / 27.08.2008, 18:14 Uhr
Neuzelle Musikinteressiertes Publikum strömte in die beiden Kirchen zum Orgelfestival "Mixtur im Bass - Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz". Vor dem Konzert lud Albrecht Bönisch aus Leipzig, Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, zur Kirchen- und Orgelführung. In der Kirche "Zum heiligen Kreuz" erläuterte er: "1729 baute der Zittauer Johann Gottlieb Tamitius eine Orgel, von der heute leider nur noch der mit Intarsien verzierte Prospekt vorhanden ist." Viele Orgelbauer hätten an dem Werk gearbeitet, was der Orgel nicht gut tat. So kommt heute fast nur noch ein Neubau - passend zur Kirche im italienischen Barock - infrage. Die von ihm klanglich vorgestellten Register waren kräftig, durchdrangen den Raum, seien aber auf keinen Fall das, was dem barocken Raum gerecht werde, so Bönisch.

An der kleinen Prozessionsorgel in der Seitenkapelle der Stiftskirche drängten sich die Interessierten, um dem Werk von 1765 mit von Hand geschöpftem Wind in den Bälgen auf dem Instrument zu lauschen. "Die mitteltönige Stimmung des Werkes sei das, was Musikfreunde scharenweise anziehe", sagte der Fachmann. Diese Stimmung sei eigentlich rein, im Gegensatz zur Stimmung eines Klaviers oder auch der großen Sauer-Orgel auf der Empore von 1906. Unser Gehör sei nur an etwas gewöhnt, was eigentlich gar nicht "rein" sei.

Der Orgelsachverständige ging den längeren Weg hoch zum historischen Spieltisch der wundervollen Orgel des Frankfurter Hoforgelbauers Wilhelm Sauer. Er ließ die romantischen Stimmen einzeln und im Zusammenspiel erklingen. Den Gegensatz zur Barockorgel verstanden die Zuhörer in der Möglichkeit, dass das Instrument sinfonische Ausmaße erreicht. 24 klingende Stimmen ermöglichen ein Konzertprogramm aufzuführen, das Opernmusik in den Kirchenraum holt.

Marek Toporowski aus Katowice begann sein Abschlusskonzert von "Mixtur im Bass" mit der Ouvertüre aus "Die Hochzeit des Figaro" und präsentierte dann Wagner auf der Pfeifenorgel: Vorspiel und Gebet des Königs aus "Lohengrin", die Pilgerchöre aus "Tannhäuser" und die Festmusik aus den "Meistersingern". Es gelang fantastisch und wurde gewissermaßen ein Nachklang zum Opernfestival Oder Spree, eine Nutzung der Orgel zur Nachahmung vieler Stimmen eines romantischen Orchesters. Was der berühmte Orgelbauer bezweckte, wurde jetzt zum Genuss vieler Konzertbesucher. Toporowski, Professor für Cembalo in Katowice und europaweit konzertierender Organist, hatte drei Tänze aus Tschaikowskis "Nussknacker" im Programm. Zwischen den arabischen und russischen Tänzen fügte sich "Danse des mirlitons", der Tanz der Rohrflöten ein. Der Künstler ließ dabei dann die beiden Register "Rohrflöte 8 und 4 Fuss" erklingen; ein wahrhaft unerhörter Genuss. Zum Abschluss des Abends war Rossini als großer italienischer Opernkomponist in der barocken Stiftskirche unüberhörbar. Marek Toporowski spielte eine Sinfonia von Padre Davide da Bergamo (1791-1863). Das Konzert war wunderbar, nicht nur für die Neuzeller, sondern auch für die aus Berlin, Dresden, Kamenz oder Lübbenau angereisten Freunde von "Mixtur im Bass".

Das gibt es nun erst wieder 2009, aber bestimmt auch wieder in der Stiftskirche. Der Vertreter der katholischen Kirchengemeinde hob die gute Tradition dieser Konzertreihe in Neuzelle ausdrücklich hervor. "Es war ein Genuss, nicht nur das Konzert, sondern auch die Orgelvorstellungen", so Elfi Dermbach aus Frankfurt (Oder). "Der weite Weg aus Dresden hat sich gelohnt", sagte Andreas Heinze. Und der erfolgreiche Düsseldorfer Kirchenmusiker und Komponist Prof. Oskar Gottlieb Blarr war besonders von den beiden Orgeln in der Stiftskirche begeistert.

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