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Vor mehr als 25 Jahren gründete Clemens Noreisch seinen Malerbetrieb / Auf den Vater folgt jetzt der Sohn

Die Nachfolge ist gesichert

Patrizia Czajor / 17.01.2018, 20:29 Uhr
Frankfurt (MOZ) Die Auftragsbücher vieler Handwerksbetriebe sind voll. Dennoch haben die Firmen große Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs zu finden. Geschweige denn, für die Zeit nach dem Ruhestand vorzusorgen. Glücklich schätzt sich deswegen Clemens Noreisch.

Früher wollte Robert Noreischetwas ganz anderes als der Vater machen. Dieser hatte sich vor über 25 Jahren in Frankfurt als Malermeister selbstständig gemacht. Tatsächlich schlug Robert Noreisch in seiner Berufswahl dann doch in dieselbe Kerbe, wenngleich er nicht zielgerichtet darauf hinsteuerte. 1992 machte der heute 42-Jährige in Dortmund zunächst eine Ausbildung zum Trockenbaumonteur. Nur in den alten Bundesländern konnte man damals diese Ausbildung machen, wie Robert Noreisch erläutert. Der Vater war damals mit der Entscheidung einverstanden. Seine Hoffnung war, dass der Sohn drüben um neue Erfahrungen, neue Sichtweisen reicher wurde. "Jeder Betrieb arbeitet anders", sagt der heute 72 Jahre alte Rentner.

Schließlich brachte der Sohn nicht nur Erfahrung mit, als er 2001 in die Heimat zurückkehrte, sondern viel Know-How im Bereich des Innenausbaus. Mit dem Einstieg in den Betrieb des Vaters wurde so auch die Angebotspalette des Familienbetriebs ausgeweitet. Zu den Leistungen gehörten fortan nicht nur Malerei-, sondern auch Stuckarbeiten, um die sich der Sohn kümmerte.

Trotzdem war das Handwerk laut Robert Noreisch nichts, auf das er direkt hingearbeitet habe. "Aber mein Vater hat mich sicher ein bisschen inspiriert", glaubt er. Immerhin habe dieser zu Hause immer an irgendetwas "herumgewerkelt", erinnert er sich. Dasselbe sieht Robert Noreisch heute bei seinem eigenen Sohn, der immer an irgendetwas herumschraube. "Der Vater hat schon eine Vorbildfunktion", ist er überzeugt.

Auch wenn Robert Noreisch über viele Jahre im Familienbetrieb beschäftigt gewesen ist, war die Übernahme zunächst trotzdem kein Thema. "Ich wollte ihn auch nicht zwingen", begründet der Vater. Vor fünf Jahren gründete der Sohn erst einmal selbst eine Firma, die sich auf den Bereich der Hochdruckreinigung spezialisierte. Als Robert Noreisch vor drei Jahren den Entschluss fasste, die Meisterausbildung zu absolvieren, dann bereits mit der festen Intention, irgendwann die Nachfolge des Vaters anzutreten. So geschah es dann auch. Ende des vergangenen Jahres schmolzen beide Firmen zu einer zusammen.

In dem Moment, in dem Clemens Noreisch von den Plänen des Sohnes erfuhr, sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen. "Ich habe schon häufig schlaflose Nächte gehabt", erinnert er sich. Denn er wusste lange nicht, was mit dem Unternehmen passieren würde, dass er 27Jahre lang aufgebaut habe. Diese Sorgen sind unter den Handwerksunternehmern weit verbreitet, wie der Rentner weiß. Auch andere Söhne und Töchter hätten damals ihr Glück im Westen gesucht, seien aber nicht wieder zurückgekehrt. "Viele von den Kollegen haben mich deswegen beneidet", sagt er.

Ohnehin habe das Handwerk schon genug Probleme damit, überhaupt Nachwuchs zu finden. Schon mehrere Jahre in Folge bildet auch der Malerbetrieb Noreisch keine jungen Menschen aus. "Wir bekommen kaum Bewerbungen", sagt Robert Noreisch. Der neue Geschäftsführer begründet das zum einen mit der demografischen Entwicklung, aber auch mit den Anforderungen des Berufs. Er ist, sagt der Handwerker, einfach körperlich anstrengend. "Es bedarf deswegen Liebe zur Farbe, zur Gestaltung", sagt er. Erschöpft sei auch er nach zwölf Stunden Arbeit. Doch auf der anderen Seite mache es ihn zufrieden, wenn die Kundschaft am Ende von dem neuen Ambiente begeistert sei.

Komplett von der Bildfläche verschwunden ist der Vater dennoch nicht. Noch immer fragt der Sohn ihn um Rat, etwa wenn es um den Umgang mit Kunden geht. "Die kennen ihn ja schon viele Jahre, ich bin für sie erstmal neu."

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