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Urwüchsige Idylle mit großer Zukunft

Verwunschen: Hohe alte Bäume und dichter Bewuchs verleihen dem Wäldchen etwas Märchenhaftes. Dieser Charakter soll auch erhalten bleiben.
Verwunschen: Hohe alte Bäume und dichter Bewuchs verleihen dem Wäldchen etwas Märchenhaftes. Dieser Charakter soll auch erhalten bleiben. © Foto: Heike Weißapfel/MZV
Heike Weißapfel / 10.06.2015, 08:16 Uhr
Schönfließ (MZV) Die Gemeinde Mühlenbecker Land will den Gutspark Schönfließ zu einer öffentlichen Parkanlage machen. Dazu soll die Fläche der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) abgekauft werden.

Plötzlich steht der Spaziergänger in einem kleinen Wald und lauscht dem Vogelgezwitscher. Die dicht stehenden hohen Bäume lassen nur wenige Sonnenstrahlen durch. Es ist eine wild-romantische, geheimnisvolle Gegend mit alten Bäumen, die der Efeu umschlungen hält. Fast zu üppig lehnen sich Brennnesseln und andere Sträucher mit riesigen Blättern über die manchmal kaum einen halben Meter breiten Wege. Und doch ist zu sehen und unter den Füßen zu spüren, dass dieses Wäldchen nicht ganz sich selbst überlassen ist. Die sich schlängelnden Pfade sind dicht mit weichen Rindenschnitzeln bedeckt. Es ist klar: Dort kümmert sich jemand.

Und so ist es auch. Die Schönfließer betrachten den alten Park des ehemaligen Gutes derer von Veltheim sowieso als ihren Schlosspark, auch wenn die Gemeinde bisher nicht die Eigentümerin ist. Früh im Jahr machen sich viele mit Gartengerät und Schubkarren auf, um zugewachsene Pfade wieder freizulegen, Totholz und Gestrüpp wegzuräumen, den kleinen Rundgang im Park neu zu schaffen. Ein paar Bänke laden zum Verweilen ein.

Prinzipiell zugänglich ist das etwa fünf Hektar große Gebiet zu beiden Seiten der Straße Im Park auch deshalb, weil es sich zurzeit planungsrechtlich großenteils um eine Waldfläche handelt und damit nach dem Landeswaldgesetz öffentlich betreten werden darf, sagt Hanns-Werner Labitzky, Baufachbereichsleiter des Mühlenbecker Landes. "Um den Park langfristig für die Allgemeinheit zu erhalten, ist der Kauf aber die beste Möglichkeit - und es ist ein wirklich schönes Projekt, das der ganzen Gegend zugute kommt", ist er überzeugt.

Keine Pflichtaufgabe für die Gemeinde, genoss die Anlage des ehemaligen Gutshofes in den vergangenen Jahren, abgesehen von den freiwilligen Arbeitseinsätzen der Schönfließer, nie Priorität, auch wenn die Idee immer latent vorhanden war. Ein Konzept für die Gestaltung gibt es auch noch nicht. Labitzky geht auf jeden Fall aber davon aus, dass aus dem urwüchsigen Grün kein "supergepflegter englischer Landschaftsgarten" wird, sondern dass das Wäldchen in seinen Grundzügen erhalten bleibt und als Park erlebbar wird. Alte Karten verzeichnen den Teich am Nordrand sogar noch als "Badeanstalt", weiß der Bauamtschef. Aber darum, eine solche wieder zu errichten, könne es vorerst wohl nicht gehen, nicht zuletzt, weil dafür die Kosten erheblich wären. Die Instandsetzung als Weiher soll aber mittelfristig einer der Schwerpunkte der Gestaltung sein. "Wir werden sehen, wozu wir dann die finanzielle Kraft haben."

Erste Gespräche mit der BVVG habe es bereits gegeben, so Labitzky. Die Gesellschaft ist auch Eigentümerin von Flächen des ehemaligen Gutshofes an der Dorfstraße, die sie zur Bebauung entwickeln möchte.

Die Gelegenheit, die drei Flurstücke zu kaufen, ist günstig, zumal Mühlenbecker Land die Hoffnung hegt, die Kosten nicht alleine stemmen zu müssen. Voraussetzung ist ein Vertrag, dem nicht nur die eigenen Gemeindevertreter zustimmen müssen, sondern auch die Stadtverordneten von Hohen Neuendorf. Die Stadt soll sich am Ankauf des Geländes sowie an den Planungen für die künftige Gestaltung finanziell beteiligen, und zwar mit der Hälfte der Kosten, jedenfalls aber mit höchstens 125 000 Euro.

Verbunden werden so zwei Projekte, die nicht in direktem Zusammenhang stehen: die Bergfelder Sportanlage, die auf Schönfließer Gemarkung entstehen soll, und eben der Gutspark. "Wir haben uns im Rahmen der Verhandlungen über den Sportplatz darüber ausgetauscht, was wir sonst noch gemeinsam machen könnten", sagt Hanns-Werner Labitzky. "Das ist ein Beispiel für eine sehr gute interkommunale Zusammenarbeit."

Genau so sieht es auch sein Kollege Michael Oleck in Hohen Neuendorf, wo der Vertrag am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Hauptausschusses stand. "Es ist auch vernünftig, keinen langwierigen Gemarkungstausch zu machen, sondern Lösungen zu suchen, von denen alle etwas haben", sagt der Hohen Neuendorfer Baufachbereichsleiter. "Es ist auch ein Stück Lokalgeschichte - in unsere Ortschroniken passt es gleichermaßen." Die Familie von Veltheim ist darin, ebenso wie in Glienicke, über Jahrhunderte präsent. Zudem werde zwischen den Gemeinden Vertrauen aufgebaut für mögliche weitere gemeinsame Aufgaben. Nicht zuletzt sei die "grüne historische Oase" als Ausflugsort und grünes Klassenzimmer für die Bergfelder Grundschüler ein schönes und nahes Ziel, so Oleck. Er hofft, dass die Stadtverordneten das ebenso sehen und dem Vertrag zustimmen.

In Mühlenbecker Land ist der Vertrag im Schönfließer Ortsbeirat beraten worden und hat am Montag im Umweltausschuss seinen Durchlauf durch die Fachausschüsse begonnen. Einige Mitglieder des Sportvereins Grün-Weiß Bergfelde verfolgten die Sitzung mit Spannung. Mehrere Tagesordnungspunkte galten der Sportplatzanlage Schönfließ-Nord. Der Umweltausschuss sah den Vertrag positiv und war sich bereits nach kurzer Nachfragerunde weitgehend einig. Nur ein Gemeindevertreter lehnte das Vorhaben ab. Auch der Satzungsbeschluss wurde den Gemeindevertretern empfohlen.

Der Vertrag zum Gutspark ist auf zwei Jahre angelegt; in dieser Zeit soll die Verwendung des Hohen Neuendorfer Zuschusses nachgewiesen sein. Etwas "zu engagiert" für das umfangreiche Vorhaben, da es noch kein Konzept gibt, fand der Auschussvorsitzende Thomas Henning (B 90/Grüne). "Wenn wir die Planung in Auftrag geben und als Gemeinde definieren, ,dies ist ein zugänglicher Park', dann ist dieser Vertrag erfüllt", erläuterte Labitzky. Schrittweise weitere Veränderungen seien immer möglich. Damit war die Mehrheit einverstanden.

Hanns-Werner Labitzky freut sich, dass er das Projekt vorantreiben kann. "Der Gutspark passt perfekt zum dörflichen Charakter von Schönfließ. Hier entsteht etwas für die Leute, das in 50 Jahren immer noch seine Bedeutung haben wird. Das ist doch toll."

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monika sarnoch 10.06.2015 - 13:00:28

Gutspark in Schönfließ

Das ist für mich gleich wieder ein Ausflugsort. Man möchte sofort dorthin, Danke für den Tipp

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